„Im Moment ist die ambulante Notfallversorgung nur eine freiwillige Leistung des Krankenhauses“ , sagt Kathrin Möbius. „Zudem läuft sie nur eingeschränkt. So dürfen unsere Ärzte in der Ambulanz keine Rezepte ausfüllen oder Patienten krankschreiben.“ Diese Bescheinigungen müsse sich der Patient noch von seinem Hausarzt einholen. „Der Gedanke hinter der Gründung eines MVZ ist die bessere Verzahnung von ambulanter und stationärer Medizin“ , erklärt die Geschäftsführerin.
Dabei sehe sich das Krankenhaus mit seinen fest angestellten Ärzten nicht als Konkurrenz zu den selbstständigen Hausärzten. Im Gegenteil: In der Klinik haben sich sieben Ärzte und fünf therapeutische Praxen niedergelassen. „Das soll auch so bleiben. Wir wollen aber die Zusammenarbeit in Zukunft besser koordinieren“ , so Möbius.
Tatsächlich laufe die ambulante Notfallversorgung im Krankenhaus seit Jahren am „betriebswirtschaftlichen Limit“ , wie die Chefin erklärt. „Wir waren schon mehrmals kurz davor, es aufzugeben. Denn es rechnet sich einfach nicht.“ Hintergrund ist, das Krankenhäuser für die ambulante Notfallversorgung von der Kassenärztlichen Vereinigung schlechter vergütet werden als niedergelassene Ärzte. „Das steht direkt so im Tarif drin, weil die ureigenste Aufgabe der Krankenhäuser nicht die Ambulanz ist“ , erklärt die Klinikleiterin. Ein MVZ würde das ändern. Die ambulante Behandlung würde sich dann durch die gleichberechtigte Vergütung auch für das Unternehmen Krankenhaus rechnen.
In Brandenburg gibt es nach Auskunft des Sprechers der Kassenärztlichen Vereinigung, Ralf Herre, insgesamt 23 MVZ. Davon befinde sich keines in der Lausitz. Lediglich in Bad Liebenwerda im Elbe-Elster-Land gebe es bereits eine solche Einrichtung mit drei Ärzten. Über die Zulassung zu einem MVZ bestimmt die Kassenärztliche Vereinigung. Zu den Bedingungen zähle unter anderem die Gründung einer GmbH.
Hans-Jürgen Wolf, Obmann der Kassenärztlichen Vereinigung im Altkreis Spremberg, ist zunächst unvoreingenommen: „Gegen die Gründung eines MVZ und eine verbesserte Notfallversorgung ist nichts einzuwenden. Das ist etwas Gutes.“ Doch er schiebt gleich hinterher: „Aber das sollte von den Patienten nicht als reguläre Sprechstunde missbraucht werden können.“ Und er sieht mit dem Personalkapazitäten ein Problem. „Das wird ganz schön eng. Da bin ich mal gespannt.“ Doch Geschäftsführerin Möbius versichert, dass mit der Zulassung zum MVZ ein weiterer Arzt eingestellt werden solle, um die 24-Stunden-Versorgung gewährleisten zu können.
Für Hartmut Hanke aus Bagenz klingt die Idee einer Poliklinik nach einer Verbesserung. „Dann sollte man das auch so machen. Das Gesundheitswesen ist schon kompliziert genug“ , sagt der 57-Jährige. Gerda Jaquet stimmt ihm zu: „Das wäre schon eine Erleichterung, denn es ist ein Problem, die Hausärzte überhaupt zu erreichen“ , erklärt die 75-jährige Sprembergerin.

Hintergrund Ende der Trennung
 Ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) ist laut Kassenärztlicher Vereinigung eine fachübergreifende, ärztlich geleitete Einrichtung , in der im Arztregister eingetragene Ärzte als Inhaber oder als Angestellte tätig sind. Durch die MVZ sei erstmals die Möglichkeit geschaffen worden, ambulante Versorgung auch durch angestellte Ärzte anzubieten.