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| 03:07 Uhr

Spremberger Krankenhaus kämpft mit Ärztemangel

Spremberg. Einen ungewöhnlichen Schritt unternimmt die Geschäftsführerin des Spremberger Krankenhauses, Kathrin Möbius: Sie entschuldigt sich öffentlich dafür, dass die Ärzte mitunter zu wenig Zeit für ihre Patienten haben. Zugleich betont sie: "Unser wichtigstes Potenzial sind unsere Mitarbeiter." Rene Wappler

Vor den Spremberger Stadtverordneten sprach Klinikums-Geschäftsführerin Kathrin Möbius am Mittwoch im Bürgerhaus über die aktuelle Situation des Krankenhauses. Zwar verzeichnet es nach ihren Worten einen leichten Zuwachs bei der Zahl der Ärzte, doch noch lasse deren Zahl zu wünschen übrig. Während in Deutschland im Durchschnitt 7,3 Stellen auf 1000 Patienten kommen, sind es in Spremberg nur 5,8 Stellen.

Dabei betreut das Krankenhaus jährlich 5100 stationäre und bis zu 10 000 ambulante Patienten - eine stattliche Anzahl und das bei einem Umsatz von 17 Millionen Euro. "Unsere Ärzte haben sehr viel zu tun", berichtet Kathrin Möbius.

Viele Fachkräfte ziehe es nach wie vor in Großstädte wie Berlin und München. Das Spremberger Krankenhaus müsse derzeit noch mit dem Manko leben, dass es für den ärztlichen Nachwuchs nicht die komplette Grundausbildung anbieten könne - weshalb diese sich in anderen Regionen Deutschlands nach Alternativen umsehen. "Allerdings sprechen wir darüber bereits mit dem Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus", erklärt Kathrin Möbius. "Eine Kooperation könnte uns helfen, diesem Problem zu begegnen." Erste Früchte tragen allerdings auch schon die Projektwochen, die das Krankenhaus gemeinsam mit dem Gymnasium ausrichtet.

Ebenso trifft die Förderung für Studenten aus der Region mittels eines Stipendiums auf viel Zuspruch bei möglichen Nachwuchskräften, wie die Chefin ausführt.

Zudem weist die Geschäftsführerin auf weitere Projekte hin, die das Krankenhaus für die Zukunft rüsten sollen. Als große Herausforderung bezeichnet sie die Bauarbeiten am Funktionsgebäude, die insgesamt 18,7 Millionen Euro kosten. Die Unfallmedizin zieht nach den aktuellen Plänen aus der Poliklinik in dieses Gebäude um. Neue Technik erhält unterdessen die Röntgenabteilung. In der bestehenden Altbausubstanz soll eine weitere psychiatrische Station unterkommen. "So wollen wir unserem Auftrag der Vollversorgung auf diesem Fachgebiet im Spree-Neiße-Kreis besser nachkommen", sagt Kathrin Möbius.

Immerhin liegt Spremberg bei der Zahl der Pflegekräfte über dem bundesdeutschen Durchschnitt, anders als bei den Ärzten. "Das entspricht unserer Philosophie", erläutert Kathrin Möbius, "die auf Zuwendung zum Patienten beruht."

Zum Thema:
Die 280 Mitarbeiter des Krankenhauses betreuen einen besonders hohen Anteil von Senioren. Laut öffentlicher Statistik sind 20,96 Prozent der Patienten 65 bis 74 Jahre alt, und 10,8 Prozent zählen 75 bis 79 Jahre. 17,49 Prozent der Patienten blicken bereits auf 80 und mehr Lebensjahre zurück. Somit bilden die Rentner einen Anteil von 49,25 Prozent - also nahezu die Hälfte der Patienten des Spremberger Krankenhauses.