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| 19:10 Uhr

Geheimtipp Mikrofonds
Spremberger wollen ihre Kleingärten retten

 Gemeinsam sind sie gegen den Leerstand in Sprembergs Kleingärtensparten aktiv: Kai-Uwe Reipert (l.), Vorsitzender des Kleingartenbeirates, Felix Krex aus der Stadtverwaltung und Frieder Beck (r.), Vorsitzender des Bezirksverbandes der Gartenfreunde.
Gemeinsam sind sie gegen den Leerstand in Sprembergs Kleingärtensparten aktiv: Kai-Uwe Reipert (l.), Vorsitzender des Kleingartenbeirates, Felix Krex aus der Stadtverwaltung und Frieder Beck (r.), Vorsitzender des Bezirksverbandes der Gartenfreunde. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberfg. Der neue Kleingartenbeirat in Spremberg hat die ersten Sparten besucht. „Ein Rückbau ganzer Kleingartenanlagen ist nicht vorgesehen“, betont der Vorsitzende Kai-Uwe Reipert. Und dafür gibt es in der Stadt an der Spree einige Ideen. Von Annett Igel-Allzeit

Auch in Spremberg sind umfangreiche Stadtumbaumittel in den Abriss von Wohnblöcken geflossen. Der demografische Wandel sorgt aber nicht nur für leere Wohnungen. Sondern Garagen sind verwaist, Parzellen in Gartensparten stehen leer. Während in Großstädten wie Berlin die kleinen Idyllen im Grünen mit Chance auf etwas Selbstversorgung längst wieder gefragt sind und es wieder Wartelisten geben soll, haben es die Kleingartenvereine in kleineren Städten wie Spremberg schwerer, aufgegebene Parzellen schnell neu vergeben zu können. Von den 1600 Kleingärten in den 48 Vereinen standen nach der Statistik von 2015 genau 100 leer. Diese Zahl steht heute, vier Jahre später, noch immer.

Interesse bei jungen Familien

Doch das ist aus Sicht des Kleingartenbeirates nicht schlecht. Die Zahl sei immerhin nicht gestiegen, sondern weitere abgegebene Parzellen konnten vermittelt werden – oft an junge Familien, sagt Kai-Uwe Reipert. 60 Kleingärten, so schätzt der Kleingartenbeiratsvorsitzende, seien in diesem Jahr bereits vermittelt worden.

Angesichts der Prognosen von 321 leer stehenden Parzellen im Jahr 2030 und 373 leer stehenden Parzellen 2040 sahen Stadtverwaltung und der Bezirksverband Spremberg der Gartenfreunde die Notwendigkeit, ein Kleingartenentwicklungskonzept zu erstellen. Im Dezember 2018 beschlossen es die Stadtverordneten samt Analyse, Spartenbewertungen und Handlungsvorschlägen. Seit dem ist es Arbeitsgrundlage. Mit der Gründung des Kleingartenbeirates im Sommer 2018 konnte vorfristig eins der gesteckten Ziele zur Rettung möglichst aller Spremberger Sparten als erfüllt abgehakt werden.

Probleme bei geteilten Sparten

Der Beirat besteht aus acht gestandenen Kleingärtnern und Kleingärtnerinnen. Sie kommen aus verschiedenen Sparten. Stadtplanerin Claudia Wolf und der junge Sachbearbeiter Felix Krex stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Eng ist die Zusammenarbeit mit Frieder Beck, Vorsitzender des Bezirksverbandes. „Ein Drittel der Sparten haben wir inzwischen besuchen können. Ihre Probleme gleichen sich im Großen und Ganzen. Aber dass es einige Vorstände besonders schwer haben, sehen wir bei den Besuchen. Das ist zum Beispiel so, wenn sich die Sparte auf vier verschiedene Bereiche verteilt“, sagt Reipert.

Viermal im Jahr trifft sich der Beirat zur Sitzung. Stehen die Kleingärten auf der Tagesordnung der Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung, versuchen sie teilzunehmen. „Wir machen ja alles ehrenamtlich“, sagt Reipert. Einmal im Jahr im Bauausschuss über die Arbeit zu berichten, sei geplant. „Und wir gehen in Schulen und Kitas, zeigen, wie eine Erdbeerpflanze wächst, damit der Nachwuchs neugierig wird“, sagt Reipert. Es werde darüber nachgedacht, Kindereinrichtungen Parzellen als „Schulgarten“ anzubieten.

Hilfestellung bei Förderanträgen

Der Beirat will Gartenvereinen zudem helfen, Förderanträge zu stellen. Die ersten Gartenvereine haben bereits Geld aus dem Mikrofonds der Stadt bewilligt bekommen. Da der Fonds die Sachkosten kleiner Aktionen zur Erhaltung und Verbesserung des Ortsbildes und der Artenvielfalt in Flora und Fauna unterstützt, passt er zu Kleingartenvereinen besonders gut, bestätigt Stadtplanerin Claudia Wolf. Blühwiesen können zum Beispiel angelegt und Bienengärten entwickelt werden. Der Förderhöchstbetrag liegt bei 500 Euro. Entgegengenommen werden die Anträge im Bereich Bauen und Planen.

Weiterbildungen wünschen sich Vereinsvorstände. Die Internetseite des Bezirksverbandes der Gartenfreunde soll aktualisiert werden. Und ein Fest zum Tag des Gartens im Juni ist denkbar. Zudem hat Reipert die Einrichtung einer Gartenbörse auf dem Zettel: „Es gibt Gartenfreunde, die die Abgabe langfristig planen, weil sie ihren Garten in gute Hände geben wollen.“ Dass inzwischen sogar Berliner in Spremberg kleingärtnern, weiß Beck.

 Gemeinsam gegen den Leerstadt in Sprembergs Kleingärtensparten: Kai-Uwe Reipert, Vorsitzender des neuen Kleingartenbeirates, Felix Krex von der Stadtverwaltung und Frieder Beck, Vorsitzender des Bezirksverbandes der Spremberger Gartenfreunde
Gemeinsam gegen den Leerstadt in Sprembergs Kleingärtensparten: Kai-Uwe Reipert, Vorsitzender des neuen Kleingartenbeirates, Felix Krex von der Stadtverwaltung und Frieder Beck, Vorsitzender des Bezirksverbandes der Spremberger Gartenfreunde FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit