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| 18:45 Uhr

Spremberg
Nun folgt das achte Buch

Die Bücher des Spremberger Schriftstellers Klaus-Peter Enghardt (r.) bekommt von Marco Wentworth jetzt eine Ecke in der Spremberger Touristinformation.
Die Bücher des Spremberger Schriftstellers Klaus-Peter Enghardt (r.) bekommt von Marco Wentworth jetzt eine Ecke in der Spremberger Touristinformation. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Den Spremberger Klaus-Peter Enghardt faszinieren Menschen mit ihren Schicksalen. Von Annett Igel-Allzeit

Der Spremberger Klaus-Peter Enghardt, Kraftfahrzeugschlosser und Polier, ist ein begnadeter Erzähler.  Das beweisen nicht nur fünf Bücher, die der Engelsdorfer Verlag in Leipzig inzwischen von ihm anbietet. Sondern Marco Wentworth, Leiter der Spremberger Touristinformation der Spremberger Land GmbH, hat im Gespräch mit ihm schlichtweg vergessen, auf die Uhr zu schauen. Klaus-Peter Enghardt erzählt mit glänzenden Augen von Eulalia, der Geschäftsfrau und feurigen Reiterin in den Masuren, von seiner Brieftasche und wie er nach einer stillen Weile in Autorengemeinschaften und Künstlertreffs wieder Einzelkämpfer wurde. Und er packt aus: „Im Paradies des Teufels“ und  „Dreißig Monate zwischen Bomben und Jasmin“, seine ersten Bände, die inzwischen zu einem Buch zusammengefasst sind,  „Blut und Pistazien“, die zwei Bücher zum Lümmel Leopold und den dicken Ostpreußenroman „...und hinter uns die Heimat“.  Die Bücher sollen ins Regal der Spremberger Touristinformation.

„Als ich Klaus-Peter Enghardt zum ersten Mal getroffen habe, sind wir gemeinsam mit der Stadtverwaltung zur Kontrolle der Radwege im Kleintransporter des Spremberger Betriebshofes vom Marktplatz in Richtung Gartenstraße gefahren“, erinnert sich Marco Wentworth. Er wusste schon aus der Spremberger Kulturszene, dass es im Betriebshof einen Buchautoren geben soll. „Plötzlich saß ich neben dem Mann, der in knapp 15 Jahren sieben Bücher zu verschiedenen Themen geschrieben hatte“, sagt Marco Wentworth. Nein, sie konnten im holpernden Kleintransporter nicht nur über die Baustellen am Spreeradweg und die Umleitungen für die Radwanderer sprechen. Irgendwann waren sie im Irak, wo Enghardt 30 Monate gearbeitet hatte. „Zu einer Zeit, die man heute als den Ersten Golfkrieg beschreibt, hatte Klaus-Peter Enghardt den Zauber des Orients und die Hölle des Krieges erlebt“, sagt Marco Wentworth.

Zudem hat der Autor den jungen Wentworth an seinen eigenen Großvater erinnert, der auch viel vom Kreig erzählt hatte. „Meine Großmutter berichtete mir später, dass Großvater nach unseren Gesprächen in den Nächten kaum ein Auge zu tun konnte. Das Entsetzen, das Grauen und Leid, das er erlebt hatte und nun noch einmal durchlebte, ließ ihn auch sieben Jahrzehnte später nicht los“, sagt Marco Wentworth – und stand nun mit Klaus-Peter Engehardt an der Spree.

Die Umleitungsschilder wurden am nächsten Tag angeschraubt, zwei Tage später lief Klaus-Peter Enghardt mit seinem Büchern unterm Arm in der Touristinformation. Auch wenn der Touristiker noch nicht alle Bücher geschafft hat, er ist gefesselt. Der 64-jährige Spremberger hatte angefangen zu schreiben, um – aufgeschreckt von den Nachrichten aus dem Fernsehen – seine eigenen Erfahrungen aus dem Irak, aus Bagdad mitzuteilen. Aus der abenteuerlichen Geschichte eines Persers, den er im Irak getroffen hatte, entwickelte er den nächsten Roman „Blut und Pistazien“. In die heiteren Bücher „Ab morgen bin ich artig“ und „Leopold: Betragen ungenügend“ flossen viele Kindheitserinnerungen Klaus-Peter-Enghardts ein. 1954 war er in Spremberg geboren worden. Und da seine Antennen nicht nur auf Senden stehen, sondern er neugierig empfängt und akribisch nachforscht, geht ihm der Stoff nicht aus. Die vielen Flüchtenden im Zweiten Weltkrieg beschäftigen ihn aktuell. Er zeichnet nach, wie Familien durch die Wirren auseinandergerissen wurden und mit Zufällen, Umwegen und über Generationen hinweg wieder aufeinander trafen.

Der Spremberger Autor, die fesselnden Geschichten, die Erinnerung an die Großeltern, die Aktualität der Flucht – eine Menge bewegt Marco Wentworth dazu, Klaus-Peter Enghardts Bücher in der Touristinformation anzubieten. Derzeit schreibt Klaus-Peter Enghardt an seinem achten Buch: „Im Sommer schaffe ich etwas weniger. Im Winter ist es einfacher, sich vom Abend in die Nacht zu schreiben.“ Seine Figuren stehen auf einer Kladde – mit Namen, die damals in jener Gegend üblich waren, ihrer Gangart, der Schuhgröße, einem Zucken um den Mund und anderen Merkmalen, Vorzügen, Macken. Und wird ein Buch fertig, tue das weh wie ein Abschied: „Etwa 80-mal“, so erklärt Klaus-Peter-Enghardt, „lese ich mein Buch bestimmt im Rohzustand, bis ich es für den Verlag loslassen kann.“