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Spremberger Kinder wundern sich über Diebe

Die Kinder Myles, Michele, Lisa und Johanna fragen sich wie Pädagogin Annett Stock: Warum stiehlt jemand eine Dachrinne? Der Schraubendreher blieb am Tatort zurück.
Die Kinder Myles, Michele, Lisa und Johanna fragen sich wie Pädagogin Annett Stock: Warum stiehlt jemand eine Dachrinne? Der Schraubendreher blieb am Tatort zurück. FOTO: wr
Spremberg. Diebe bestehlen den Hort "Max und Moritz". Ein Schraubendreher bleibt am Tatort zurück. Doch nur jeder fünfte Fall dieser Art wird aufgeklärt. Die Kinder stehen vor dem Schuppen und rätseln. "Hä?", sagt ein Junge, "wer stiehlt denn eine Dachrinne?" Ein anderer Schüler mutmaßt: "Vielleicht braucht die ja jemand für sein Haus, weil er pleite ist." René Wappler

Gerade mal vor einer Woche stellten die Mitarbeiter zweier Fachfirmen den Schuppen fertig. Das Bauwerk auf dem Gelände des Hortes "Max und Moritz" in Spremberg soll künftig Spielgeräte beherbergen. Darauf freuten sich Pädagogen und Kinder - doch nun überwiegt der Ärger.

Die stellvertretende Hortleiterin Annett Stock berichtet: "Über Nacht haben Diebe die Dachrinne, das Fallrohr und die Halterung vom Schuppen mitgenommen." Zunächst riefen die Mitarbeiter bei den Fachfirmen an. Noch hofften sie, dass das Material nur wegen Ausbesserungsarbeiten verschwunden war. Doch im Gespräch löste sich dieser Gedanke in Luft auf.

Mehr als 6300 Euro kostete der Bau des Schuppens, unter anderem finanziert aus Elternbeiträgen. Hausmeister Bodo Weinhold schätzt den Schaden auf 500 Euro. "Manche Leute haben für Kinder offenbar gar nichts übrig", sagt er. "Eine andere Schlussfolgerung lässt dieser Diebstahl für mich nicht zu."

Immerhin entdeckten die Hortkinder in unmittelbarer Nähe des Schuppens auf dem Boden einen Schraubendreher, den die Täter möglicherweise zurückgelassen hatten. Die Mitarbeiter des Hauses zeigten ihn daraufhin den Polizeibeamten, die den Schuppen auf Spuren untersuchten.

Der aktuelle Fall aus Spremberg reiht sich in eine Serie ähnlicher Straftaten im Spree-Neiße-Kreis ein. So verschwanden im Juli in der Kindertagesstätte "Friedrich Fröbel" in der Nachbarstadt Forst sieben Fallschutzmatten und zwei große Sonnensegel. Die Leiterin des Hauses, Angela Fürstmann, beklagte daraufhin: "Es ist wirklich eine Schande, den Jüngsten die Spielmöglichkeiten zu rauben."

Die Mitarbeiter des Hortes "Max und Moritz" in Spremberg gewinnen den Eindruck, dass die Zahl solcher Delikte zunimmt. Zumindest für das Jahr 2016 bestätigen Polizeibeamte diese Wahrnehmung. Aktuellere Daten liegen noch nicht vor. Die offizielle Kriminalstatistik aus dem Spremberger Polizeirevier registrierte für das vergangene Jahr insgesamt 867 Fälle von Diebstahl, wie aus den Unterlagen der Landesregierung hervorgeht. Die Aufklärungsquote betrug 19,5 Prozent. Der Durchschnittswert für das gesamte Land Brandenburg liegt unterdessen höher - und zwar bei 26,7 Prozent.

Ob es sich nun bei den Dieben vom Spremberger Hortgelände um Jugendliche handelt oder gar um Erwachsene, die kein eigenes Geld mehr für eine Dachrinne besitzen, wie es ein Schüler vermutet, das bleibt vorerst unklar. Allerdings hat sich der Hausmeister in einer Hinsicht schon auf ein Urteil festgelegt: "Es wird mir immer unverständlich bleiben, dass jemand ausgerechnet eine Einrichtung für Kinder be stiehlt."

Selbst die offizielle Einweihung des Schuppens muss wegen des Diebstahls verschoben werden, wie die stellvertretende Hortleiterin Annett Stock zu bedenken gibt. "Zu diesem kleinen Festakt sind wir ja noch nicht gekommen, da die Bauarbeiten erst vor einer Woche zu Ende gingen."

Zum Thema:
Insgesamt entstand durch Diebstähle im Jahr 2016 im Spremberger Revier ein Sachschaden von ungefähr 1,2 Millionen Euro. Den stärksten Anteil an dieser Summe bilden Autos, gefolgt von Beute aus Büros, Werkhallen und Lagerräumen. Auch in die Altersstruktur gefasster Täter gibt die offozielle Kriminalstatistik einen Einblick. In der überwiegenden Zahl handelt es sich um männliche Erwachsene. Jugendliche und Heranwachsende bilden unterdessen einen vergleichsweise geringen Anteil.