| 17:13 Uhr

Spremberg
Der Hund, ein Gewohnheitstier

Hundetraining mitten in Spremberg: Mit Kopfsteinpflaster, Gitterrost und glatten Böden wie im City-Center sammeln Hunde schon im Welpenalter Erfahrungen.
Hundetraining mitten in Spremberg: Mit Kopfsteinpflaster, Gitterrost und glatten Böden wie im City-Center sammeln Hunde schon im Welpenalter Erfahrungen. FOTO: Detlef Bogott
Spremberg. Bernd Müller startet regelmäßig Standrundgänge mit Vierbeinern und ihren Haltern.

Lange schnüffelt der junge Hund am Gitterost unter seinen Pfoten. Dann schaut er zu „Frauchen“. Als wolle er sich noch einmal vergewissern: Wirklich da hoch? Das Gitter ist kalt, voller kleiner Öffnungen und Kanten und insgesamt führt es auch noch als schiefe Ebene, als Rampe nach oben zu einem unbekannten Eingang. Bernd Müller, der im siebten Jahr seine Hundeschule in Spremberg führt, versucht Hundehaltern in einer Unterrichtsstunde mitten in der Spremberger Innenstadt zu erklären, wie ihre Vierbeiner die Stadt wahrnehmen.

Der Hund sei hellwach, erkunde seine Umgebung, erklärt Müller. „Deshalb müssen wir an seiner Seite auch mit allem rechnen, ihn erziehen, ihn an den Straßenverkehr gewöhnen.“ Selbst in einer kleineren Stadt wie Spremberg kann es für einen jungen Hund sehr aufregend werden“, weiß Bernd Müller. „Wir als Halter tragen die Verantwortung. Und sind wir nicht aufmerksam, kann viel passieren.“  

Der Stadtrundgang ist in der Regel die Abschlussstunde im Grundkurs für Welpen. Was in den Stunden zuvor an der Forster Landstraße auf dem Hundeschulplatz probiert wurde, erleben die Halter nun in der Stadt. Und Bernd Müller ist bei ihnen, um notfalls Tipps zu geben. Einige Passanten staunen, als plötzlich vor Kosels Haushaltswarengeschäft sechs junge Hunde im Kreis sitzen. „Na ja, ich habe immer mal ein bisschen mehr zu erzählen“, erklärt Müller die Runde auf dem Fußweg. Er habe am Samstag sogar Flyer an besonders interessierte Passanten verteilt. Dass die Hundeerziehung wirkt, beweist der Fakt, dass kein Fußgänger, der mit den letzten Weihnachtseinkäufen durch den Kreis eilen muss, angebellt wird.

Es geht im Stadtrundgang zu verschiedenen Untergründen wie zum glatten Boden im City-Center, durch eine Menschenmenge, vorbei an fremden Hunden. Gewartet wird vorm Geschäft wie an der Ampel, das Überqueren der Fahrbahn wird geübt. Auch Tütchen für die Hinterlassenschaften des Vierbeiners dabei zu haben, gehört zum Gang durch die Stadt, sagt Carola Müller, die ihren Ehemann in der Hundeschule unterstützt. Sie ärgere Hundekot an Straßenecken und Grünstreifen ebenfalls. „Leider werden angesichts solcher Häufchen immer gleich alle Hundehalter über einen Kamm geschert“, seufzt sie. Carola Müller wäre froh, wenn sich die Stadtverwaltung doch noch von Hundetoiletten in der Innenstadt überzeugen ließe. Sie helfen Hundehaltern nicht nur, die Tütchen zu entsorgen, sondern erinnern sie auch an diese Verantwortung.

Nach dem Gitterrost an der Rampe geht es mit den Hunden in den Fahrstuhl des DRK-Seniorenheims am Mühlenplatz. „Das Seniorenheim, wo ich auch meine tiergestützte Therapie anbiete, ermöglicht uns das Fahrstuhlfahren. Das ist eine weitere Erfahrung für die jungen Hunde“, sagt Bernd Müller. Wie der Fahrstuhl, der Radfahrer oder das Handy-Klingeln sei auch die Knallerei zu Silvester vor allem eine Frage der Gewöhnung. Carola Müller: „Auf keinen Fall sollten die Hundehalter ihre Tiere mit Pillen ruhig stellen. Sie liegen dann zwar wie ruhig gestellt da, sind aber innerlich doch aufgewühlt.“ Sie rät, lieber zu Hause beim Hund zu bleiben, für ihn da zu sein und ihn fürs nächste Jahr daran zu gewöhnen.

Ein Silvester-Eingewöhungs-Knallen an der Hundeschule wird es am Samstag trotzdem nicht geben, verspricht Bernd Müller und schmunzelt: „Die Kurse fallen aus, wir treffen uns nur zur Spielstunde und zum Crossdogging“. Im Crossdogging – einer intensiven Hundebeschäftigung, die von Geschicklichkeitsübungen bis zum Tanz reicht – wetteifern die Spremberger Hundehalter um Bernd und Carola Müller im bundesweiten Ranking mit inzwischen mehr als 130 Hundeschulen.