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| 15:48 Uhr

Lohnendes Verlustgeschäft
Heimatfest geht ins Geld

Spremberg. Trotz der hohen Kosten gilt die dreitägige Party als Gewinn für Spremberg.

Ein Schlagerabend mit dem Duo Herzblatt und Olaf Berger auf der Freilichtbühne, eine Party für Kinder am Kleinen Markt mit der freiwilligen Feuerwehr, eine schaurige Krimi-Lesung mit dem Schauspieler Michael Becker im Schlosskeller: Das alles zählt zum Programm des Spremberger Heimatfestes, das am zweiten Wochenende im August stattfinden wird. Für die Stadt Spremberg handelt es sich stets um ein Verlustgeschäft und um einen Imagegewinn zugleich. Das geht aus den Haushaltsdaten der vergangenen Jahre hervor. Um den finanziellen Aufwand ein wenig abzufedern, werben die Mitarbeiter des Rathauses um Spenden für das Heimatfest.

Das Ergebnis für das Jahr 2017 wies einen Verlust von 55 964 Euro aus. So viel ließ sich die Stadt Spremberg ihr Fest kosten. Dabei stand ein Ertrag von 71 422 Euro einem Aufwand von 127 386 Euro gegenüber.

Die grundsätzliche Tendenz dürfte sich auch in diesem Jahr nicht ändern. 40 Stunden umfasst das Programm insgesamt, wie der stellvertretende Bürgermeister Frank Kulik mitteilt. Ungefähr 30 Vereine und weitere Institutionen nehmen nach seinen Worten teil,  außerdem 25 Musikkapellen und andere Gruppen.

Ein Heimatfest in diesem Umfang geht nun einmal ins Geld, und vielleicht sogar noch stärker, als es die bisherigen Bilanzen auswiesen. Deshalb befasste sich der diesjährige Bericht der Rechnungsprüfer mit der dreitägigen Veranstaltung. Sie werde „mithilfe von Zuschüssen der Stadt“ angeboten. Für den Ausweis des echten Zuschusses sei auch der Personalaufwand für die Mitarbeiter zu berücksichtigen, der im Laufe des Jahres entstehe. Der Bericht der Rechnungsprüfer plädiert für die Zukunft dafür, „alternative Wege“ in Betracht zu ziehen. Dazu könne zum Beispiel der Einsatz von Schülern und weiteren ehrenamtlichen Helfern zählen. Mit dieser Variante lasse sich der Haushalt weiter stabilisieren, „ohne das Fest generell einem anderen Betreiber zu überlassen“, heißt es im Bericht. Schließlich sei es günstiger, Helfer zu entschädigen, als Wochenendzuschläge für die Mitarbeiter des Rathauses zu zahlen.

Eine „positive Resonanz“ verzeichnet der stellvertretende Bürgermeister Frank Kulik nach dem Spendenaufruf für dieses Jahr. „Noch können wir nicht sagen, wie hoch diese Unterstützung insgesamt ausfallen wird“, sagt er. „Aber im Herbst werden wir voraussichtlich die konkreten Zahlen dazu nennen.“ Zum Bericht der Rechnungsprüfer erklärt er: „Wir arbeiten ja immer mit den Vereinen der Stadt zusammen.“ Allerdings sei der Einsatz hauptamtlicher Mitarbeiter „bei gewissen Kernaufgaben“ unabdingbar.

So hat die Stadt Spremberg eine Verfügung erlassen, die genau regelt, was beim Heimatfest untersagt und erlaubt ist. Demnach dürfen die Standbetreiber keine Getränke in Glasbehältern ausschenken, um der Verletzungsgefahr der Besucher durch Scherben vorzubeugen. Darüber hinaus untersagt die Verfügung das Tragen von Kleidung mit extremistischen, verfassungsfeindlichen und Gewalt verherrlichenden Bekundungen.

Trotz des hohen Aufwandes haben die Organisatoren stets auf der Institution des Heimatfestes beharrt.  Einen Grund dafür nannte der stellvertretende Bürgermeister, als er es im vergangenen Jahr vor den Stadtverordneten auswertete: Eine Umfrage in verschiedenen Städten habe ergeben, „dass sich das Spremberger Heimatfest deutlich von anderen Volksfesten abhebt“. Damit gelte es landesweit als einzigartig. Als Indiz zitierte Frank Kulik den Brief einer Familie aus Weißwasser: „So ein Stadtfest sucht seinesgleichen in der näheren und weiteren Umgebung.“

Nach Angaben der Fachleute im Rathaus schwankt der Aufwand von Jahr zu Jahr, weil regelmäßig Dienstleistungen neu augeschrieben werden. Auch das Anpassen von Gehältern und Mindestlöhnen trägt zu diesem Effekt bei, ebenso wie die Investitionen in Sicherheit und Gagen der Künstler.

So betrug der Aufwand im Jahr 2015 insgesamt 112 228 Euro, während sich der Ertrag auf knapp 70 864 Euro belief. Damit blieb ein Minus von 41 364 Euro. Im Jahr 2016 lag der Aufwand bei 107 951 Euro, der Ertrag hingegen bei 73 643 Euro. Daraus ergab sich ein Minus von 34 308 Euro.