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| 16:27 Uhr

Heimatgeschichte
Neues Gold für den Germaniastein

Spremberg. Der Georgenbergverein lässt Denkmal säubern und die Schrift neu vergolden. Von Annett Igel-Allzeit

Gut festhalten muss Andrea Schütz das Transfergold-Büchlein. Der Herbstwind rund um den Germaniastein auf dem Georgenberg am Abzweig Kirschallee zupft heftig.  Die Seidenpapierseiten mit der Goldschicht sind nicht größer als Notizblätter. „Während sich Blattgold besser in geschützten Räumen aufbringen lässt, bewährt sich das Transfergold im Außenbereich“, erklärt Andrea Schütz. Seit 14 Jahren gehört sie zum Team des Spremberger  Steinmetzmeister Andreas Kops und übernimmt sämtliche Schriftzüge. Sie arbeitet nicht nur mit Gold und Silber, sondern mischt auch andere Farbtöne – wie sie zum jeweiligen Stein passen. Für die Tafel am Germaniastein musste es unbedingt wieder Gold sein, denn der Stein ist ein Denkmal

Die Kosten übernimmt der Georgenbergverein. Der Vereinsvorsitzende Andreas Kottwitz ist froh, dass die Restaurierung in diesem Jahr noch möglich wurde. „Der Germaniastein bot seit einigen Jahren keinen guten Anblick mehr. Der Stein war vergraut, die Schrift kaum noch lesbar“, so Andreas Kottwitz. Nach der Wiedererrichtung der alten Toreinfahrt zum Georgenbergfriedhof durch den Laga-Verein sei das besonders aufgefallen.

Der Georgenbergverein konnte den Steinmetzfachbetrieb Kops gewinnen. Und der reinigte zuerst den Stein, malte den eingemeißelten Schriftzug „Germaniastein 1905“ neu mit schwarzer Farbe aus und widmete sich in dieser Woche im dritten Schrift der goldenen Schrift auf der Tafel.

Vor dem Gold bekommt die Schrift eine Grundierung oder Acrylklebeschicht. „Sie muss eine Weile trocknen, und das dauert bei diesen herbstlichen Temperaturen etwas länger“, erklärt Andrea Schütz. Tücher, einen Eimer Wasser, den Pinsel mit der feinen Spitze und dem dicken Holzgriffe sowie einen Schaber hat sie mitgebracht. Mit dem Pinselgriff drückt sie das Gold in die eingemeißelten Ornamente  und Buchstaben. Mit dem Pinselhaar beseitigt sie, was übersteht. Winzige Goldfetzen trägt der Wind davon.

Eine schöne Schrift und ein Faible fürs Gestalten habe sie schon als junges Mädchen gehabt, erzählt Andrea Schütz.  Aber sie lernte erst einmal Köchin. „Als ich in diesem Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten konnte, musste ich mich nach einer neuen Aufgabe umschauen. So kam ich zu Meister Kops, und der zeigte mir alles, was ich über die Schrift auf Grabsteinen und Gedenkplatten wissen muss. Nicht nur die Arbeit mit den Steinen und mit den Menschen, die oft Tragisches hinter sich haben, machen mir Spaß. Auch das Team ist prima.“ Vorsichtig zieht sie das Seidenpapier ab. Die Eichenblätter, die Eicheln, die Lyra – antike Harfe als Zeichen der Künste und der Harmonie – strahlen. Jetzt ist das dicke D dran. „Dem Verschönerungs-Verein vom M. G. V. Germania Spremberg“, heißt es auf der Platte. Und die Regenwolken kommen näher.

Wie der große Germaniastein einst zur Weggabelung kam, kann Museumsleiter Eckbert Kwast nicht sagen. Meist ist der Teufel schuld, wenn Menschen sich den Standort eines Findlings nicht erklären können. Aber, und das hatte Eckbert Kwast für den Heimatkalender 1999 erforscht, erworben haben soll der Männergesangsverein den Stein bei Bauer Wolff im Dorf Wolkenberg für 20 Mark. Im Juni 1903, so der Museumsleiter, habe der Verschönerungsverein sich beim Gesangsverein für dessen zahlreiche Geldspenden bedanken wollen und stellte ihm genau an dieser Gabelung eine Bank auf. Der Gesangsverein freute sich über die Bank, soll den Platz aber als trostlos empfunden haben. Die Sänger beschlossen, ihn mit einer Steingruppe zu beleben. Anlässlich ihres 40. Stiftungsfestes übergaben die Sänger 1905 dem Verschönerungsverein das Denkmal. „Vermutlich auch zur Pflege“, so Eckbert Kwast.

Gegründet worden war der Verschönerungsverein 1864 – zunächst, um den Georgenberg zu verschönern. Doch dann reichten seine Wege und Rastplätze von den Kuthen bis nach Wilhelmsthal. Nach 1933 schliefen die Aktivitäten ein. Bereits nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs, so Eckbert Kwast, habe die Stadt dem Verein den jährlichen Zuschuss von 600 Mark gestrichen.