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| 17:30 Uhr

Bauausschuss berät über Grabstätten
Die Friedhöfe schrumpfen weiter

Spremberg. Konzept für die Anlagen wird erst in zwei bis drei Jahrzehnten Früchte tragen.

Konkrete Vorschläge bilden sich in der Diskussion um das Spremberger Friedhofskonzept heraus. Wie Rathaus-Mitarbeiterin Doritha Drews mitteilt, lautet eine der Vorgaben, die Trauerhalle in Slamen zu schließen. Außerdem sollen unbelegte Grabfelder auf dem Georgenbergfriedhof nach und nach mithilfe von Pflanzen einen Charakter erhalten, der einem Park ähnelt. Als wichtigster Bestattungsort der Stadt dient weiterhin der Waldfriedhof. Dort prüfen die Mitarbeiter des Rathauses, ob es möglich ist, weitere Arten der Bestattung anzubieten. Dazu zählen unter anderem Baumgräber. Auf den Friedhöfen der Ortsteile stehen je nach Wunsch drei Varianten zur Auswahl: Rasenreihengräber, Rasenurnengräber und Urnengemeinschaftsstellen.

Für die Trauerhalle in Cantdorf wäre nach aktuellem Stand des Friedhofskonzeptes ein Abriss die beste Variante. Das Gebäude in Schönheide befindet sich in schlechtem Zustand, weshalb auch sein Ende zur Debatte steht. Auf zwölf Friedhöfen sieht das Konzept ein Schließen von Grabfeldern vor. Zu ihnen gehören die Anlagen in Cantdorf, Graustein, Terpe, Weskow und Schönheide. Zwar kommt der gleiche Schritt auch für Trattendorf infrage. Zugleich halten die Fachleute aus dem Rathaus am Plan fest, diesen Friedhof auf lange Sicht weiter zu entwickeln.

Wie Doritha Drews vom zuständigen Fachbereich des Rathauses berichtet, fand sich in den Ortsbeiräten keine Mehrheit für das Schließen ganzer Friedhöfe. Zu stark halten die Einwohner von Spremberg dafür an diesen Anlagen fest. Das zeigte sich auch im Juli 2017. Damals sammelten die Einwohner von Slamen 559 Unterschriften für den Erhalt ihres Friedhofes. Unter einen Brief aus Cantdorf setzten 352 Einwohner ihre Namen. Im Auftrag des Ortsbeirats schrieb René Nakoinz an Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos): „Man verkennt, wie wichtig gerade im ländlichen Bereich ein Friedhof ist.“ Solche Anlagen dienen nach seinen Worten nicht nur als Begegnungsstätte, sondern vielmehr als „Zeichen der individuellen Identität der in den Dörfern und Ortsteilen lebenden Menschen“.

Dabei stand zu diesem Zeitpunkt das mögliche Ende von Friedhöfen in Spremberg nur als eine von vielen Varianten zur Diskussion. Doch der Protest wies bereits auf die Position hin, die sich später in den Ortsbeiräten verfestigte. Die Einwohner der Stadt wollen sich ihre Friedhöfe nicht nehmen lassen, so sehr die Zahl der Grabflächen auch schrumpfen mag. Zugleich betont Rathaus-Mitarbeiterin Doritha Drews: „Alle Ortsbeiräte haben konstruktiv an der Friedhofssatzung mitgearbeitet.“

Die Auswirkungen dieses Konzepts werden sich ohnehin erst in den Jahren 2040 bis 2050 zeigen. Darauf weist der Chef des Spremberger Bauausschusses hin, Peter Reininger von der CDU. „Wir wollen eine sinnvolle Planung haben und zusammenhängende Flächen“, sagt er, „auch wenn wir das alles womöglich nicht mehr erleben werden.“

Mit dem Friedhofskonzept besitzt die Stadt ein Instrument, das ihr sagt, wie sie die Flächen im Detail gestalten kann. So erläutert es Doritha Drews. „Wir wollen nicht anfangen, in einem eingeebneten Teil wieder neue Gräber anzulegen“, erklärt sie. „Eher geht es darum, sie anders zu nutzen, zum Beispiel, indem wir sie bepflanzen.“ Diese Variante schlägt das Konzept zum Beispiel für den Georgenbergfriedhof vor.

Allerdings werden die Konflikte auch in Zukunft nicht ausbleiben. Das zeigt sich in einem Streit zwischen dem Ortsbeirats-Chef von Terpe, Dieter Freißler, und dem Bauausschuss-Vorsitzenden Peter Reininger. So kritisiert Dieter Freißler, die Ortsbeiräte seien nicht zu allen Details befragt worden, über die der Bauausschuss nun befinde.

Ihm widerspricht Peter Reininger: „Wenn Widerstand aus den Ortsteilen kam, wurde das Thema immer wieder in die Ausschüsse zurückgewiesen.“ Er halte die Aussage von Dieter Freißler „für eine kleine Unverschämtheit“, zumal der Bauausschuss lediglich eine beratende Funktion wahrnehme. Ohnehin bestehe der Grundansatz für das Friedhofskonzept in der Tatsache, dass die Friedhöfe „bei Weitem nicht kostendeckend“ seien, wie Peter Reininger anmerkt. „Die Stadt macht hier ja keinen Gewinn, sondern Verluste.“