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| 11:58 Uhr

LR vor Ort
Mehr Sitzgelegenheiten, vielfältigeres Einkaufen: Spremberger formulieren Wünsche für Innenstadt

 Zu LR vor Ort kamen rund 50 Spremberger, um über Perspektiven für die Innenstadt zu diskutieren.
Zu LR vor Ort kamen rund 50 Spremberger, um über Perspektiven für die Innenstadt zu diskutieren. FOTO: LR / Marcel Laggai
Spremberg. Bei „LR vor Ort“ wurden zahlreiche Aspekte für eine lebenswerte Innenstadt erwähnt. Wie damit verfahren wird, entscheidet die Stadt. Von Marcel Laggai

Wie sehr das Thema Innenstadtentwicklung interessiert und auch bewegt, konnte man am Donnerstagabend in der Spremberger Innenstadt erleben. Knapp 50 Bürger sind dem Aufruf der RUNDSCHAU gefolgt und haben sich zur etablierten Diskussionsrunde „LR vor Ort“ im Restaurant Inselperle im City Center eingefunden. Der Ort wurde dabei bewusst gewählt, diskutiert man doch seit über einen sogenannten Vollsortimenter im Erdgeschoss des Centers. Das Thema Einkaufsinnenstadt bewegt Alt und Jung gleichermaßen und so konnte die Gesprächsrunde mit versierten Gästen aufwarten, die jeweils ihre Sicht auf die Situation reflektiert zum Besten gaben.

 Selbstverständlich ließ es sich auch die Bürgermeisterin, Christine Herntier (parteilos), nicht nehmen und folgte ebenfalls der Einladung. Ist sie es doch, der immer wieder Wünsche und Klagen über die mangelnde Geschäftsvielfalt zu Ohren getragen werden. Besonders die auf der Stadtverordnetenversammlung präsentierte CIMA-Studie sorgt immer wieder für Diskussionsstoff. Die Gretchenfrage dabei lautet: Vollsortimenter in der Wirthstraße oder im CSS?

Laut den Ergebnissen wäre die Wechselwirkung an beiden Standorten gegeben und die Strahlkraft  würde sich auf die anliegenden Geschäfte positiv auswirken. „Was mich keineswegs überrascht“, so die Bürgermeisterin. Trotzdem müsse man das Einkaufserlebnis an einem Punkt zentralisieren, fügt sie hinzu. Die Studie favorisiert dafür das Center-Quartier, weil die Magnetwirkung schlichtweg größer sei. „Allerdings“, so wirft Christine Herntier ein, „ist die Studie ja ‚nur’ eine Empfehlung und handeln muss schlussendlich die Stadt.“

   Christine Herntier, Madlen Schwausch, Veronika Dubau, Hannah Schollmeier und Jens-Uwe Winkler (von links) zeigten sich gut  vorbereitet.
Christine Herntier, Madlen Schwausch, Veronika Dubau, Hannah Schollmeier und Jens-Uwe Winkler (von links) zeigten sich gut  vorbereitet. FOTO: Arlt Martina

Jens-Uwe Winkler, Mitglied von Pro Spremberg und inoffizieller Vertreter des City Werberings, weist allerdings darauf hin, dass die Studie viel zu kurz gedacht sei. „Man muss nicht nur an das reine Verkaufen denken, sondern an das Ambiente und Umfeld.“ Woraufhin viele Gäste nickend zustimmen. Das Drumherum scheint den Anwesenden offensichtlich ebenso wichtig zu sein, wie die Einkaufsmöglichkeiten an sich. Winkler, selbst lange Jahre im Einzelhandel tätig, hat dafür auch schon ein paar passende Ideen parat. „Um mehr Leben in die Stadt zu ziehen, müsste man Welten schaffen.“ Was im ersten Moment ein wenig utopisch klingt, klappt in anderen Städten bereits. Leerstehende Läden werden etwa mit sogenannten Pop-Up-Stores – zumindest zeitweise – wiederbelebt. Das sei zwar nur temporär, aber eine Möglichkeit, so Winkler. „Zum Gesamtkonzept gehören aber auch optische Veränderungen in der Innenstadt.“

Diese Vorlage greift Veronika Dubau, Mitglied des Seniorenbeirats und Personifizierung der Historien-Figur Jutta von Kittlitz, nur zu gern auf. Im Vorfeld der „LR vor Ort“-­Veranstaltung ist sie dafür selbst an die Beiratsmitglieder herangetreten und hat sich über der Vorstellungen und Wünsche der Senioren informiert. Ein Problem hörte sie dabei aus vielerlei Munde. „So gern ich in der Stadt unterwegs bin, es fehlt schlichtweg an ausreichenden Sitzgelegenheiten“, sagt Veronika Dubau und spricht damit für die Senioren. Doch selbst die existierenden Bänke, wären „nicht wirklich ideal“. Die würden nämlich Armlehnen benötigen, um den Senioren das Aufstehen zu erleichtern.

  Renate Brückner, Michael Branzke (vorn), André Fritsche, Thomas Prach und Erik Weber (von links)  brachten auch eigene Vorschläge ein.
Renate Brückner, Michael Branzke (vorn), André Fritsche, Thomas Prach und Erik Weber (von links) brachten auch eigene Vorschläge ein. FOTO: Arlt Martina

Wer allerdings glaubt, dass sich lediglich die ältere Generation mit der Sitz-Situation beschäftigt, der irrt. Hannah Schollmeier, aktives Mitglied im Jugendbeirat, äußert sich wie folgt: „Wir kaufen hauptsächlich Essen in der Stadt und das wollen wir natürlich nicht im Stehen verspeisen.“ Meist seien die wenigen Sitzgelegenheiten besetzt oder man müsse erst ein Stückchen laufen, fügt die Schülerin hinzu. Zum Einkaufen zieht es die Jugend indes eher weniger in die Stadt. „Bücher und Schreibwaren kaufen wir schon, aber Kleidung eher im Internet.“

Beim Thema Kleidung wünscht sich Veronika Dubau, in Vertretung des Seniorenbeirates, indes mehr Vielfalt. Diese Diversität könne man möglicherweise schaffen, wenn man das Internet und den Einzelhandel verbinde, so die Citymanagerin Madlen Schwausch, die die Diskussionsrunde perfekt macht. Schließlich besetzt sie diesen neu geschaffenen Posten, um die Händler an einen Tisch zu bringen und somit den Handel mit zahlreichen Vorschlägen, zu beflügeln. „So könnte man im Internet Dinge etwa in den Laden bestellen und der könnte wiederum mit seinem Zusatzangebot punkten.“ Auch zu den Sitzgelegenheiten hat die Citymanagerin eine Idee: „Dort kann man ja USB-Ports anbringen und so könnte sich Alt und Jung annähern.“

Michael Branzke, Spremberger und Publikumsgast, bricht indes eine Lanze für die „wunderschöne Innenstadt. Gleichwohl wünscht er sich nötige Veränderungen im Zentrum: „Der kleine Marktplatz muss teilweise von den Autos befreit werden und dann mit den Sitzgelegenheiten der anliegenden oder künftigen Geschäfte ‚besetzt’ werden. Dann würden die Leute schon kommen“, ist sich Branzke sicher und erntet dafür Beifall von etlichen Anwesenden. Weiterhin dürfe man die historisch gepflasterten Gassen nicht vergessen, die zwar schön aussehen würden, aber erhebliche Stolpergefahren bergen.