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| 19:09 Uhr

Gina Noack ist erst 24 - aber beim Brandeinsatz voll dabei
Feuerwehrfrau steht ihren Mann

 Im Juni 2018 rückten 23 Einsatzkräfte der Feuerwehr Spremberg zu einem Brand im Stadtwald aus – unter ihnen Gina Noack (Mitte, rechts).
Im Juni 2018 rückten 23 Einsatzkräfte der Feuerwehr Spremberg zu einem Brand im Stadtwald aus – unter ihnen Gina Noack (Mitte, rechts). FOTO: Bogott Detlef
Spremberg. Kameradschaft ist bei der Freiwilligen Feuerwehr wichtig, wie eine Sprembergerin weiß. Von Marcel Laggai

„Immer wenn der Pieper sich meldet, schießt mir das Adrenalin durch den Körper“, gesteht Gina Noack fast schon entschuldigend. Die 24-jährige Sprembergerin ist aktives Mitglied der freiwilligen Feuerwehr, sowohl in Weskow als auch Spremberg Stadt und ihre Passion für dieses Ehrenamt ist spürbar. Während die junge Frau von ihrem Feuerwehr-Alltag berichtet, ist der Blick fokussiert und die Stimme entschlossen.

Hauptberuflich geht Noack allerdings einen weniger Adrenalin geladenen Weg. „Als Sacharbeiterin für Straßenreinigung und Winterdienst sitze ich größtenteils am Computer.“ Doch den wenige Zentimeter großen Feuerwehr-Pieper trägt sie stets am Körper. Manchmal vergesse sie ihn gar, sodass der Alarm sie gelegentlich enorm erschrecke, räumt sie ein. Für die Kollegen ist die Rufbereitschaft von Noack indes nichts Neues mehr. „Sie haben glücklicherweise Verständnis dafür, dass ich meine Arbeit mitunter abbrechen muss und sie demzufolge etwas länger liegen bleibt.“

 Feuerwehrfrau Gina Noack
Feuerwehrfrau Gina Noack FOTO: LR / Marcel Laggai

Obwohl im Falle des Alarms, wie Noack beteuert, der Körper sofort „hochfährt“, wird nicht jedes Signal gleich gewichtet. „Eine Türnotöffnung wird natürlich ganz anders bewertet, als ein Unfall oder ein Brand.“ Bei einem Feuer würde stets das Kopfkino anspringen, offenbart die Feuerwehrfrau. Der Krisen-Modus ist aktiviert und so stellen sich für die Sprembergerin auch stets die klassischen W-Fagen: Was ist passiert? Wo ist der Einsatz? Wie viele Leute sind betroffen? „Schon während der Fahrt zur Feuerwache geht man im Kopf auch schon alle möglichen Szenarien durch“, erklärt Gina Noack. Weiterhin bleibe auch stets die Furcht, ob man jemand von den Betroffenen kenne, fügt sie hinzu. Besonders im ländlichen Raum ist das  keineswegs weit hergeholt.

Gina Noacks bislang größter Einsatz wühlt die Feuerwehrfrau noch heute auf. Nachvollziehbar für viele Spremberger, da es sich um den   schweren Wohnungsbrand in Schwarze Pumpe vom vergangenen Jahr handelte. „Da waren mehrere Wehren aus Spremberg vor Ort und es musste wirklich sehr besonnen gehandelt werden.“ Aufregung sei da völlig fehl am Platz gewesen, wie Gina Noack versichert. Schließlich mussten zahlreiche Menschen aus dem Mehrfamilienhaus evakuiert und der Brand gelöscht werden. Es habe damals alles nahezu reibungslos geklappt, weil man sich auf die Kameraden habe verlassen können, fügt die junge Frau hinzu.

Verlass auf die Kollegen ist unerlässlich. Was man bei der Feuerwehr aber auch schon von Anfang an lerne, versichert die 24-Jährige. Sie selbst trat vor fast elf Jahren, 2008, in die Weskower Jugendfeuerwehr ein. Kein Wunder, ist Gina Noack doch familiär „vorbelastet“. „Mein Opa war lange Jahre Feuerwehrmann und mein Vater ist es nach wie vor.“ Schon damals habe die Familie mitgefiebert, wenn es für Großvater und Vater zum Einsatz ging. „Da war der Eintritt in die Feuerwehr fast schon unausweichlich“, erklärt sich die Feuerwehrfrau und muss breit schmunzeln. Doch vor gut elf Jahren waren andere Dinge im Leben der Heranwachsenden wichtiger und so trat sie wieder aus. „Innerlich habe ich trotzdem immer mitgefiebert, wenn bei meinem Vater der Pieper ging und so bin ich dann 2015 doch wieder in den aktiven Feuerwehrdienst eingetreten.“ Als eine der wenigen Feuerwehrfrauen hat Gina Noack  kein Problem mit dem teils rüden Ton der männlichen Kameraden. „Auf dem Dorf ist man das eben gewohnt und eigentlich meinen sie es ja nur spaßig. Denn wenn es hart auf hart kommt, dann kann man sich aufeinander verlassen.“

Die Kameradschaft sei es eben auch, weshalb sie das Ehrenamt Feuerwehr so schätze, erklärt Gina Noack, die demnächst eine Truppführerausbildung absolviert.

Ob sie sich auch einen hauptberuflichen Posten bei der Feuerwehr vorstellen kann? „Ich glaube eher nicht.“ In der Ausbildung werde man auch als Rettungssanitäter geschult und das sei schlichtweg nicht ihr Fall, offenbart die Sprembergerin. „Aber trotzdem sehe ich mich noch viele Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr.“