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| 01:53 Uhr

Spremberger Ex-Anwalt vor Gericht

Cottbus. Ein inzwischen mit Berufsverbot belegter ehemaliger Rechtsanwalt aus Spremberg (Spree-Neiße) steht nach einer rechtskräftigen Verurteilung im vergangenen Jahr seit dieser Woche erneut vor dem Landgericht Cottbus. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in sieben Anklagen unter anderem Untreue, Betrug und falsche Versicherung an Eides statt vor. Von Wolfgang Swat

Der 44-Jährige soll in seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt zwischen den Jahren 2005 und 2009 Gelder von Mandanten veruntreut und betrügerische Leasinggeschäfte zu seinen Gunsten abgeschlossen haben. Bei der Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung nach der Insolvenz seiner Kanzlei soll er laut Staatsanwaltschaft einem Gerichtsvollzieher 40 000Euro verschwiegen haben. Diese Summe sei ihm vom Brandenburgischen Oberlandesgericht als Gebühren aus seiner früheren anwaltlichen Tätigkeit zugesprochen worden. Der Ex-Anwalt verbüßt gegenwärtig in der JVA Spremberg eine Haftstrafe. Das Landgericht hatte ihn im Jahr 2010 unter anderem wegen Untreue zu zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt und ein zeitlich begrenztes Berufsverbot verhängt.

Der Angeklagte räumte vor Gericht die neuerlichen Tatvorwürfe ein. Dem Geständnis vorausgegangen war ein Rechtsgespräch der Strafkammer mit der Staatsanwaltschaft, dem Angeklagten und seinem Verteidiger. Danach sicherte das Gericht dem Ex-Anwalt unter Einbeziehung des Urteils aus dem Prozess im Jahr 2010 eine Freiheitsstrafe zwischen drei Jahren und sieben Monaten und drei Jahren und elf Monaten zu. Zudem soll das damals verfügte dreijährige Berufsverbot nicht ausgeweitet werden.

Der Jurist aus Spremberg, der Anfang 2000 für eine Berliner Anwaltskanzlei tätig war, die auch eine Niederlassung in Cottbus betrieb, ist nach eigenen Angaben finanziell ins Straucheln gekommen, als es zum Streit mit den Anwaltspartnern und im Jahr 2004 zur Trennung kam. Von Geldinstituten in der Lausitz habe er zum Aufbau einer eigenen Praxis keine Kredite bekommen. Deshalb habe er sich bei Leasinggesellschaften um Geldgeber bemüht. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat der Ex-Anwalt Leasingfirmen veraltete Bürotechnik fast zum Neupreis angeboten und dafür in zwei Fällen hohe fünfstellige Summen kassiert. Anschließend habe er laut Anklage diese Technik sowie Büromöbel geleast, obwohl er wusste, dass er die Raten nicht bezahlen konnte. Der Angeklagte gab zu, dass er in seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt zu dieser Zeit "auf dem absteigenden Ast" war und dass er Geld, das ihm für Mandanten anvertraut war, veruntreut hat. Er habe die Löcher nicht mehr aus eigenen Mitteln stopfen können, sagte er.

Der Prozess wird am 5. Oktober fortgesetzt.