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| 11:04 Uhr

Unvermittelter Shuttle-Service
Radler dankt unbekanntem Helfer

 Manfred Vehma hatte Glück im Unglück, denn aktuell erinnert nur ein Kratzer auf der noch immer geschwollenen Nase an den schweren Sturz mit seinem Fahrrad.
Manfred Vehma hatte Glück im Unglück, denn aktuell erinnert nur ein Kratzer auf der noch immer geschwollenen Nase an den schweren Sturz mit seinem Fahrrad. FOTO: LR / Marcel Laggai
Spremberg. Ein Spremberger stürzt mit dem Fahrrad und muss ins Krankenhaus. Dank eines unbekannten Helfers findet sein Rad doch den Weg nach Haus. Von Marcel Laggai

Gut eine Woche ist es her, dass Manfred Vehma einen schweren Sturz mit seinem Fahrrad hatte. Und doch tritt der 84-Jährige schon wieder fleißig in die Pedale seines Rades. Schließlich gebe es wichtige Termine zu erledigen, wie Vehma beteuert. Dabei ist es fast schon ein Wunder, dass der Senior nicht schwerer zu Schaden gekommen ist. Was den Trattendorfer allerdings noch immer bewegt, ist nicht etwa der Unfall an sich, sondern die Dankbarkeit an den unbekannten Helfer.

Kurzer Moment der Unachtsamkeit

„Ich war gerade auf dem Heimweg und wieder einmal total in Eile, da schon der nächste Termin auf mich gewartet hat“, erklärt Vehma die Situation unmittelbar vor dem Unfall. Nur ein kurzer Augenblick der Gedankenlosigkeit genügt und die Dinge nehmen ihren unausweichlichen Lauf. Plötzlich sei ein Auto aus einer Seitenstraße gekommen, worauf er sich erschrocken und reflexartig gebremst habe, heißt es weiter. Was folgt, weiß der 84-Jährige nur noch diffus und durch Hörensagen. „Ich bin wohl über den Lenker geflogen und mit dem Gesicht direkt auf die Straße gekracht.“

Das Resultat des unfreiwilligen Abgangs: Eine stark blutende Wunde auf der Nase und ein gebrochenes Nasenbein. Da sich der Unfall am Vormittag ereignete, waren Helfer sofort zur Stelle und der Notarzt umgehend alarmiert. „Während man sich um mich gekümmert hat, wurde ich unvermittelt von einer fremden Person gefragt, wo ich denn genau wohne“, erinnert sich der Senior dunkel. Nicht ganz bei Sinnen und fast schon automatisch habe er die Adresse preisgegeben, ergänzt Vehma.

Fahrrad findet den Weg Heim

Während der 84-Jährige für den Abtransport ins Spremberger Krankenhaus vorbereitet wurde, hat sich der bislang Unbekannte das Fahrrad des Trattendorfers geschnappt und es gen Heimat chauffiert. Dort wartete auch schon die Gemahlin, der sofort der Schreck in die Glieder fuhr. „Da kam plötzlich ein fremder Mann mit dem Fahrrad meines Mannes um die Ecke, und da habe ich mir natürlich sofort alles Mögliche ausgemalt“, erinnert sich Elfriede Vehma noch immer kopfschüttelnd.

Er habe sie allerdings sofort beruhigt und beteuert, dass mit ihrem Mann nichts Schlimmes geschehen sei, so die 85-Jährige. Doch die Unfallnachricht ließ die Trattendorferin trotzdem kurzzeitig in Schockstarre verfallen. „Ich kann mich zwar erinnern, dass ich Danke gesagt habe, aber innerlich waren die Gedanken schon bei meinem Mann“, so Elfriede Vehma, die sich zudem erinnert, dass der unbekannte Helfer daraufhin auch sofort wieder verschwunden sei.

Nur ein kurzer Aufenthalt im Krankenhaus

Ein Anruf im Krankenhaus sorgte daraufhin für Gewissheit und eine erste Beruhigung. „Man hat mir gesagt, dass Manfred erst einmal voll durchgecheckt wird, er aber keine schwerwiegenden Verletzungen erlitten hat“, erinnert sich die langjährige Trattendorferin, die bereits seit mehreren Generationen in dem Spremberger Ortsteil wohnt. Ihr Sohn, der im selben Haus lebt, war es dann, der Manfred Vehma kurze Zeit später aus dem Krankenhaus abgeholt hat.

„Ich hatte wirklich sehr großes Glück, denn so ein Sturz hätte weitaus schlimmer ausgehen können“, weiß der 84-Jährige, der aufgrund des Unfalls demnächst auch einen Fahrradhelm vom Nachwuchs erhalten wird. Was das Ehepaar allerdings noch immer zutiefst bewegt und auch rührt, ist die Einsatzbereitschaft des unbekannten Helfers. „Heutzutage ist es ja leider nicht mehr so üblich, dass fremde Leute völlig uneigennützig helfen und wie in unserem Fall, das Fahrrad anstandslos vorbeibringen“, sagt Elfriede Vehma.

Versucht kunftig an den Helm zu denken

Ob der Unbekannte nun direkt in Trattendorf oder am anderen Ende der Stadt wohnt, das Ehepaar Vehma möchte sich auf diesem Wege nochmals zutiefst für den spontanen „Fahrrad-Shuttle“ bedanken. „Vermutlich wäre das Fahrrad sonst am Straßenrand liegen geblieben und womöglich weggekommen“, so der Senior, der gleichwohl gelobt, künftig noch aufmerksamer auf dem Rad unterwegs zu sein und auch stets versucht an den Fahrradhelm zu denken. Elfriede Vehma ist indes noch skeptisch, hofft gleichwohl aber auch, dass ihm der Sturz und die zurückbleibende Narbe auf dem Nasenrücken eine Lehre sein werden.