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| 20:06 Uhr

Denkmal-Diskussion
Das jüngste Denkmal im Spremberger Stadtpark stört

 Das Denkmal für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft auf dem  Georgenberg in Spremberg wurde 2009 errichtet. Nun empfehlen Landschaftsarchitekten, es zurückzubauen.
Das Denkmal für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft auf dem Georgenberg in Spremberg wurde 2009 errichtet. Nun empfehlen Landschaftsarchitekten, es zurückzubauen. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Wird das Denkmal zur Erinnerung an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in Spremberg abgerissen? Landschaftsarchitekten und Landesamt für Denkmalpflege empfehlen das. Von Annett Igel-Allzeit

Für das Spremberger Denkmal, das seit knapp zehn Jahren im Stadtpark an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert, wird der Abriss empfohlen. Acht Jahre lang haben Spremberger Stadtverordnete über das Denkmal gestritten und die Formulierungen zu den Opfergruppen diskutiert. Eine knappe Mehrheit hatte sich für die futuristische Variante der Anlage mit ihren vier Zugängen entschieden. Mehr als 80 000 Euro kostete sie. Die Natursteinportale aus Basalt wurden 2009 aus Lübeck geliefert. Das am Montag im außerordentlichen Bauausschuss mehrfach gelobte „Denkmalpflegerische Gesamtkonzept für das Denkmalensemble Georgenberg in Spremberg“ empfiehlt nun jedoch den Rückbau.

„Die Architektur der Anlage passt nicht zu den restlichen Denkmälern und Parkbereichen“, so die Landschaftsarchitekten Hannes Hamann und Caroline Rechtsteiner. Die zur Einweihung gefeierte Barrierefreiheit sei nicht mehr gegeben: Auf den beiden Rampen, die neben zwei Treppen zur Betonplattform führen, hat sich der Belag so gesetzt, dass eine deutliche Stufe entstanden ist. Die Landschaftsarchitekten empfehlen nicht nur den Rückbau, sondern haben auch einen Vorschlag: „Die Funktion des Gedenkens aller Opfer kann die Gedenkstätte für Opfer des Faschismus und Militarismus durch eine Integration weiterer Inhalte leisten.“ Sie empfehlen dazu eine „breite wissenschaftlich begleitete Öffentlichkeitsarbeit“.

Die Gedenkstätte der Opfer des Faschismus und Militarismus prägen seit 90 Jahren Treppen, Mauern sowie der Granitblock und seit den 1960er-Jahren der „Stürzende“ und die Relieftafeln, die vom Verhör, von Arbeitssklaverei und Folterung aber auch von Solidarität, Vermächtnis und Schwur erzählen. Der Bildhauer Heinz Mamat (1930 - 2017) hatte die Skulptur und die Bronzereliefs damals für Spremberg geschaffen. Mit der Kunst, so Regina Scheer 2003 in ihrer Arbeit „Der Umgang mit den Denkmälern“ in Brandenburg, kamen auch die Namen von 18 ermordeter antifaschistischen Widerstandskämpfern des damaligen Kreises Spremberg auf den Granitblock. Und es wird 28 ermordeter KZ-Häftlinge aus Gosda gedacht. Derzeit ist diese Gedenkstätte schwer zugänglich. Nach den Hangrutschungen am Georgenberg droht noch immer die vordere Mauer des Komplexes abzustürzen.

Die Idee, einfach mehr Opfergruppen in die Anlage einzubinden, gab es auch 2008 – neben den Varianten für ein neues Denkmal. Klaus-Dieter Peters (Vereinte Wählergruppen Spremberg, damals Fraktion SPD-FDP-Pro Georgenberg/Slamen)  hatte zum Beispiel erklärt, dass eine Erweiterung und Sanierung der bisherigen Denkmalanlage vollkommen ausgereicht hätte.

Doch nicht nur eine knappe Mehrheit der Stadtverordneten wollte ein modernes Denkmal. Sondern die untere Denkmalschutzbehörde beim Landkreis hatte im Jahr 2005 eine Erweiterung zurückgewiesen: Sie komme einer Umwidmung des bestehenden Denkmals gleich. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum in Zossen war damals nicht beteiligt worden, begrüßt nun aber den Vorschlag von Hannes Hamann. Wie die Integration ins alte Denkmalensemble genau aussehen könnte, sollen die Spremberger mit gestalterischen Entwürfen und detaillierter Planung untersuchen lassen.