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| 14:47 Uhr

Smart Home liegt im Trend
Technik steuert das Zuhause

Jürgen Naujokat vom Versorgungswerk der Handwerkskammer gratuliert Louis Stübke zur Auszeichnung als „Lehrling des Monats“.
Jürgen Naujokat vom Versorgungswerk der Handwerkskammer gratuliert Louis Stübke zur Auszeichnung als „Lehrling des Monats“. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg. Ein Spremberger Auszubildender bastelt an den Wohnungen der Zukunft.

Einen Panikknopf neben dem Bett ließ das Ehepaar installieren. Einmal drücken, schon fahren alle Rollos hoch. Überall im Haus schaltet sich das Licht ein.

So verkabeln und vernetzen Fachleute inzwischen ganze Gebäude. Das intelligente Zuhause, in der Branchensprache als „Smart Home“ bezeichnet, gilt als Markt der Zukunft. Ein Auszubildender aus Spremberg befasst sich so ausgiebig damit, dass ihn die Mitarbeiter der Handwerkskammer am Montag als Lehrling des Monats auszeichneten. Der 20-jährige Louis Stübke lernt den Beruf des Elektronikers für Energie- und Gebäudetechnik. Seinen eigenen Wintergarten hat er auch schon modern ausgerüstet. „Jalousien und Markise steuere ich über ein Display, abhängig von Licht, Temperatur und Wind.“

KNX heißt der weltweite Standard zum Steuern von Gebäuden, eine Abkürzung des Wortes „Konnex“. Louis Stübke erläutert: „Wir bauen Geräte ein, zwischen denen ein Datenaustausch stattfindet.“ Der Bewohner des Hauses kann so Heizung, Belüftung und Licht über einen berührungsempfindlichen Bildschirm steuern. Die Elektrik bildet ein Heimnetzwerk, das im Ernstfall auch unabhängig vom Internet arbeitet.

Louis Stübke erlernt seinen Beruf bei der Spremberger Firma „Bürgel & Noack Elektro- und Sicherheitstechnik“. Im vergangenen Jahr stieg dort Matthias Nowak mit in die Geschäftsführung ein. Er berichtet: „Die früheren Chefs haben nicht geahnt, dass sich gerade ein neuer Markt eröffnet.“ Er hingegen besuchte nach eigenen Worten sofort einen Kurs, um zu erfahren, wie er die moderne Technik für die Firma nutzen kann.

In Dresden, Spremberg und Burghammer stattete die Firma schon Gebäude mit dem KMX-Standard aus. So wünschten sich die Kunden für ihre Wohnhäuser eine automatische Steuerung der Rollos: Je nachdem, wo die Sonne gerade steht, öffnen oder schließen sie sich. Matthias Nowak sagt: „Das dürfte ihnen gerade jetzt, bei der aktuellen Hitze, eine große Hilfe sein.“

Früher wäre die Fernsteuerung solcher Systeme noch am schlecht funktionierenden Netz gescheitert. Doch das hat sich geändert, wie Matthias Nowak feststellt. Denn im Jahr 2015 investierte die Telekom zwölf Milliarden Euro in den Ausbau des schnellen Internets. Davon profitierten auch 11 000 Haushalte in Spremberg. Bis dahin dauerte das Hochladen von 200 digitalen Urlaubsfotos ungefähr 17 Minuten. Inzwischen benötigt die gleiche Datenmenge, 500 Megabit, nur noch 12,5 Sekunden. Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) sagte zum Ausbau durch die Telekom: „Das schnelle Netz ist der Trend der Zeit, den wir als Wirtschaftsstandort begleiten.“ Diese Investition werte nicht nur die Stadt Spremberg, sondern „jedes Grundstück im Ausbaugebiet“ auf.

Auch Bauern profitieren von der modernen Vernetzung. Darauf wies Stefan Kasapis von der Firma Primacom hin, als er im Jahr 2016 im Brandenburger Landtag über digitale Infrastruktur sprach. „Melkmaschinen benötigen Updates“, sagte er. „Ohne Breitbandanschluss hat man Mehrkosten im Betrieb.“

Allerdings überfordert das Tempo der Digitalisierung manche Menschen. Das erklärte der Chef der Stadtwerke von Schwedt, Helmut Preuße, der ebenfalls bei der Konferenz im Landtag sprach. „Wir entwickeln und entwickeln, aber der Kunde ist stellenweise noch nicht so weit, das alles aufzunehmen, zu verstehen und am Schluss zu buchen.“

Immerhin sind moderne Sicherheitssysteme schon so stark in den Alltag vorgedrungen, dass ihnen die aktuelle Ausgabe der „Stiftung Warentest“ vier Seiten widmet. Die Autoren warnen Hauseigentümer jedoch davor, sich völlig auf Elektronik zu verlassen: Vor dem Einbau von Alarmsystemen sollten sie nach wie vor in einbruchhemmende Technik wie Sicherungen von Tür und Fenster investieren.