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| 15:13 Uhr

Spremberg
Hundert Trommler wirken nach

Die mehr als 100 Schlagzeuger in Spremberg haben 2007 nicht geahnt, dass sie auch für 2020 trommeln.
Die mehr als 100 Schlagzeuger in Spremberg haben 2007 nicht geahnt, dass sie auch für 2020 trommeln. FOTO: Arlt
Spremberg. Kulturausschuss begrüßt „Sound City“-Bewerbung, obwohl Festival Spremberg Geld kostet. Von Annett Igel-Allzeit

Die Erinnerungen an die Landesmusikschultage 2007 sind in Spremberg noch sehr lebendig. Mehr als 100 Schlagzeuger aus ganz Brandenburg trommelten damals  gemeinsam mit der Band „Bell Book & Candle“ gleichzeitig auf der Spremberger Freilichtbühne. Der Cottbuser Musiker und Lehrer Wolfgang Behrendt hatte das einschlagende Stück komponiert. Das Landesjugendsinfonieorchester, das Landesjugendjazzorchester, das Landesjugendblasorchester und das Landesjugendakkordeonorchester spielten. Junge Rock- und Popbands hatten ebenso ihre Auftritte wie die Preisträger des Wettbewerbes „Jugend musiziert“. Unter den insgesamt sechs Musicals, die an jenem Juliwochende zu erleben waren, war auch „Tuishi Pamoja“, das die Musik- und Kunstschule Spree-Neiße mit großer Besetzung und vielen Helfern einstudiert hatte. Sprembergs Stepptänzer „Flying Thunder Feet“ tanzten mit, aber auch sämtliche Kindertagesstätte der Stadt waren in kleinen Programmen zu erleben. Mancher Spremberger hat noch heute das Festival-T-Shirt im Schrank. Mit 60 000 Gästen galten diese 7. Landesmusikschultage als die bis dato größten.  „Das wollen wir wieder haben“ – so das einstimmige Votum des Spremberger Ausschusses für Bildung, Kultur, Sport und Soziales quer durch die Fraktionen für „Sound City“, wie die Landesmusikschultage inzwischen heißen, im Jahr 2020.

Peter Reininger (CDU) spürt sofort wieder Gänsehaut, wenn er sich an die vielen Schlagzeuger erinnert. Klaus-Dieter Peters (Vereinte Wählergruppen) betont das kostenfreie Musikerlebnis für die Spremberger Bürger. Monika Droese (Die Linke) sieht zwar die Kosten und den personellen Einsatz, der auf die Stadt zu kommen wird, kann aber als Lehrerin einfach nur zustimmen.

  Ende April hatte die Stadt vom Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg aus Potsdam die Anfrage erhalten. Ende Juli kamen die Ausschreibungsunterlagen. Frank Kulik sieht viele Gründe dafür, dass Spremberg erneut dieses Landesfestival ausrichtet. „Es sind schon große Bands aus diesen Festivals hervorgegangen. Zugleich tun wir etwas für die kulturelle Daseinsvorsorge. Und es sind tolle Musikangebote, die unsere Bürger kostenfrei genießen können.“ Er versichert, dass das Festival, das vom 26. bis 28. Juni stattfinden soll, nicht das Heimatfest 2020 schmälern werde. Und die 2000 jungen Musiker werden Eltern, Großeltern, Freunde mitbringen. Damit wachse der Bekanntheitsgrad von Spremberg wieder ein Stück.

Auch Dirk Süßmilch (SPD) votiert im Bildungsausschuss fürs Festval, lässt sich aber die Kosten noch einmal genau aufschlüsseln. Die Stadt Spremberg muss nach Aussagen der Verwaltung einen Eigenanteil von 20 000 Euro sicherstellen – so will es der Verband der Musik- und Kunstschulen schon laut Ausschreibung. Doch die Gesamtkosten der Stadt für die Vorbereitung und Durchführung dürften weitaus höher liegen. Einschließlich der 20 000 Euro kommt die Stadtverwaltung in ihrer Gesamtkosten-Schätzung auf 178 000 Euro. Auf 33 000 Euro belaufen sich die Personalkosten, 15 000 Euro Kosten entstehen durch die Nutzung von Räumen, Schulen und Sporthallen, wo den Musik- und Kunstschüler Schlafmöglichkeiten hergerichtet werden. Müllbehälter und Toiletten müssen aufgestellt, ein Wegeleitsystem entwickelt werden. Strom muss fließen. Die Versorgung der Teilnehmer soll mit 38 000 Euro geschafft werden, Der Sicherheitsdienst werde 10 000 Euro kosten. Auch das Feuerwerk steht schon im Plan – für 8000 Euro. Bei 96 000 Euro Einnahmen, mit der die Stadt durch Standgebühren, Verwaltungsgebühren, Abrechnung der Teilnehmerversorgung mit dem Verband der Musik- und Kunstschulen und durch Spenden und Sponsoring rechnet, werde die Stadt einen zahlungswirksamen Zuschuss von 34 000 Euro zu tragen haben.

Beschließen soll die Stadtverordnetenversammlung die Bewerbung am 26. September endgültig, aber unter Vorbehalt: Zum einen wünscht sich die Stadt, dass die Catering-Rechte fürs Festival bei Spremberg bleiben. Zum anderen soll der Landkreis Spree-Neiße die Stadt bei der organisatorischen Vorbereitung unterstützen und seinen finanziellen Anteil von 20 000 Euro zusichern. Eine Beratung mit Landrat Harald Altekrüger (CDU) habe es bereits im Juli gegeben. Er wollte die Unterstützungsanforderung der Stadt prüfen lassen. Bis zum 30. November läuft die Bewerbungsfrist. Auch im Hauptausschuss am kommenden Montag, 10. September, steht das „Sound City“-Festival auf der Tagesordnung.