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| 11:59 Uhr

Vier Sparten droht der Abriss
Spremberg will Gartensparten in Bauland wandeln

Die Kleingartensparte „Karlstraße“ soll Bauland werden.
Die Kleingartensparte „Karlstraße“ soll Bauland werden. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Die Stadt Spremberg will als Verpächter den Gartenvereinen mit einem Konzept gegen den Leerstand helfen. Von Annett Igel-Allzeit

In der Kleingartensparte „Karlstraße“ wird Herbstlaub zusammen gefegt. Astern und Rosen blühen. Selbst das Obst der Bäume in derzeit nicht vermieteten Gärten ist geerntet. Die Kleingärtner winken ab. Dass ihre Anlage zu den Sparten gehört, die komplett rückgebaut werden sollen, wissen sie. „Aber das passiert nicht sofort“, rufen sie über den Gartenzaun. Wer die Fläche bekommen könnte, haben sie auch schon überlegt. Tatsächlich schlägt das Kleingartenkonzept, das dem Bauausschuss jetzt als Entwurf vorlag, die Fläche an der Karlstraße als Bauland vor. Die Anlage ist umgeben von älteren und neuen Mehrfamilienhäusern.

Vier Anlagen sollen nach einer Überarbeitung des ersten Entwurfs des Kleingartenkonzeptes abgerissen werden: Neben dem Verein „Karlstraße“ könnte die „Einigkeit“ mit ihren 17 Parzellen Bauland werden. Für die Sparte „Kiefernheide“ in Schwarze Pumpe und den „Erlengrund“ in Spremberg komme nur eine Renaturierung in Frage, heißt es im Konzeptentwurf. Mit dem Rückbau dieser vier kleinen Anlagen hätte Spremberg 34 Parzellen weniger.

Weitere 20 Kleingartensparten, die in einem Ranking 20 und weniger der 27 möglichen Punkte erreicht hatten, müssen mit einem Teilrückbau rechnen: „Abendfreuden“, „Abendfrieden“, „Am Forsthaus“, „Am Heimchenweg“ in Süd, „Am Luisenfelder Weg“, „An der Hammerlache“, „Energie“, „Erdenglück“, „Erholung Heimchenweg“, „Frischer Wind“, „Frohe Zukunft“, „Grüne Wiese“, „Ödlandperle“, „Ölsträucher“, „Slamen“, „Slamener Wiese“, „Stiller Hain“, „Stradower Hain“, „Waldeck“ und „Walderholung.“ Insgesamt könnten sie ein Rückbaupotential von weiteren 184 Parzellen bringen. Die insgesamt verbleibenden 585 Parzellen in diesen 20 Sparten stehen unter Beobachtung. Auch „Klein Venedig“, das im ersten Entwurf mit nur elf Parzellen unter den komplett abzureißenden Sparten stand, ist mit aktualisierten 29 Gärten nun Beobachtungsgebiet. 21 Sparten mit 743 Parzellen schaffen es mit mehr als 20 Punkten unter die Aufwertungsgebiete. Kriterien neben dem Leerstand waren die Lage und Erreichbarkeit, Konflikte mit dem Umfeld, Gefahren wie Hochwasser, Attraktivität und Ausstattung.

Mit dem Problem eines zunehmenden Leerstandes will die Stadt Spremberg die 48 Kleingartenvereine und Sparten nicht allein lassen. 2017 hatte Erik Höhne als einstiger Mitarbeiter der Stadtplanung im Rathaus das Konzept erarbeitet. Jenny Manteufel setzt seine Arbeit seit Anfang 2018 fort und hält den Draht zu den Sparten, zum Bezirksverband der Kleingartenfreunde und zum Kleingarten-Beirat.

Mit der Gründung des Beirates ist übrigens bereits ein erstes Ziel des Konzeptes geschafft. Beiratsmitglieder waren Gäste im jüngsten Bauausschuss. Regelmäßig wird sich getroffen. Wie Stadtplanerin Claudia Wolf im Bauausschuss erläuterte, geht es nicht nur darum, sich jetzt Sparte für Sparte vorzunehmen und zu prüfen, was hier im Einzelnen gemacht werden muss und kann. Es gehe vor allem um die Finanzierung. So wird den Vereinen empfohlen, Rücklagen zu bilden. Ein Rückbaufonds, wie ihn zum Beispiel das sächsische Döbeln auf Kleingartenkreisverbands-Ebene hat, könnte gebildet werden. Erlöse, die mit der Umnutzung als Bauland oder landwirtschaftliche Nutzfläche fließen, könnte die Stadt für den Rückbau angelegen. Einige Kommunen stellen den Sparten Technik für den Rückbau zur Verfügung. Und auch nach Fördermitteln werde weiter geschaut. Denn der Leerstand in Kleingärten ist dem demografischen Wandel geschuldet.

Im Jahr 2030 muss Spremberg mit einem Kleingarten-Leerstand von 321 Parzellen rechnen. 2015 standen von 1646 Gärten 100 leer.

Die Kleingartensparte „Karlstraße“ soll Bauland werden.
Die Kleingartensparte „Karlstraße“ soll Bauland werden. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit