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Spremberg will es blühen lassen

Spremberg. Die ersten Vorschläge der Stadtverwaltung für das Projekt "Blumenwiese" des Regionalverbandes Spremberg des Naturschutzbundes (Nabu) stehen. Wie Bürgermeisterin Christine Herntier in der jüngsten Hauptausschusssitzung mitteilte, sollen im Ortsteil Haidemühl im Park der Erinnerung auf den Flächen am Weg zur Anglerhütte künftig mehr Wiesenblumen blühen dürfen. Annett Igel-Allzeit

"Auch die besonnten Flächen im Stadtpark sind für das Projekt geeignet. Hinzukommen die Überhangflächen auf Friedhöfen in unseren Ortsteilen", zählte die Bürgermeisterin auf. Bereits geklärt ist das für die Friedhöfe in Terpe, Schwarze Pumpe Nord, Graustein, Schönheide, Sellessen, Türkendorf und Weskow - sowie für den Waldfriedhof und für den Georgenberg-Friedhof. Persönlich gesprochen hat Wieland Böttger, der Vorsitzende des Spremberger Nabu-Regionalverbandes, auch mit Hardy Kordian zum Bühlower Friedhof. Für Bühlow muss nur der Sellessener Ortsbeirat noch sein Okay geben. Aktuell bietet sich ein Stück ökologische Wiese links vor der Kapelle an.

Mehrere Briefe hatte Wieland Böttger in den vergangenen Wochen geschrieben - an die Stadt und umliegende Gemeinden, an die Betreiber von Solaranlagen. Denn der Artenschwund macht den Naturfreunden Sorgen. "Das Stadtgrün in Spremberg ist überaltert, Neupflanzungen entsprechen oft nicht den ökologischen Erfordernissen, es wird abgeholzt und zu viel gemäht", so Böttger. Am Tagebaurekultivierungsgebiet sollten sich die Grünwesen-Verantwortlichen der Kommunen ein Beispiel nehmen. "Denn dort erleben wir gerade, wie er von Flora- und Faunaarten besiedelt wird, die sonst längst verschwunden sind", sagt Böttger. Zum Beispiel auf den Wiesen entlang des ornithologischen Lehrpfades in der Bergbaufolgelandschaft, so ein Tipp des Vogelkundlers Ronald Beschow. Anfang Mai, während einer Wanderung, ließen sich tatsächlich die schönsten Wiesenblumensträuße pflücken. Und ein Handsträußchen, das zwischen Daumen und Zeigefinger passt, ist laut Nabu erlaubt.

Bei Doritha Drews, als Sachgebietsleiterin im Rathaus auch verantwortlich fürs Grünwesen, rennt Wieland Böttger mit dem Projekt offene Türen ein. Wichtig sei, die Ortsbeiräte zu sensibilisieren. "Denn das sind oft die ersten Ansprechpartner jener Bürger, die es stört, wenn der Löwenzahn zur Pusteblume wird", sagt sie. Tatsächlich sind es neben den Blüten, die den Insekten von Biene bis Schmetterling Nahrung bieten, auch Singvögel wie der Bluthänfling, die von den Samen der Blumen und Kräuter profitieren. "Nicht jede Grünfläche muss ständig kurz geschnitten sein. Reserveflächen auf Friedhöfen, gemeindeeigene Straßenraine und Ödland sollten nur ökologisch sinnvoll gemäht werden", sagt Böttger. Auch blühende Streifen bei einer Mahd stehen zu lassen, würde helfen, bestätigt Doritha Drews. Ist das Verständnis dafür in der Bevölkerung nur eine Frage der Zeit? Vom Solarparkbetreiber am Weg zum Spremberger Wasserwerk, ein Gebiet, das zu Zerre in Sachsen gehört, habe er Unterstützung zugesagt bekommen, sagt Wieland Böttger. "Wir konnten in den vergangenen Jahren beobachten, dass Solarflächen die Heimat von Bodenbrütern, Feldhasen und einer Vielzahl von Insekten wurden. Der Trockenrasen und die Samenträger, die angesiedelt wurden, haben sie angelockt. Aber oft kommt dann zum falschen Zeitpunkt die Sense."