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Spremberg wächst gegen den Trend

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Spremberg. Entgegen aller Prognosen ist die Einwohnerzahl von Spremberg im Jahr 2016 gestiegen. Zwar beläuft sich der statistische Zuwachs nur auf zwei Personen – aber er besitzt symbolischen Wert. René Wappler

Üblicherweise wissen die Mitglieder des Spremberger Bauausschusses schon vor ihren Konferenzen, was auf sie zukommen wird. Sie kennen die Unterlagen, über die sie beraten wollen, die Tagesordnung steht ebenfalls fest, eine Meinung haben sie sich in aller Regel auch schon zu den Themen des Abends gebildet.

Doch am Montag um 18.15 Uhr verkündete der Fachbereichsleiter für Bürgerservice eine Überraschung. "Die Einwohnerzahl von Spremberg hat sich positiv verändert", sagte Frank Kulik. "In unserer Stadt leben jetzt zwei Personen mehr als vor einem Jahr."

Um diesen Wert so genau wie möglich zu bemessen, legte Frank Kulik die Vergleichsdaten vom 1. Januar 2016 zugrunde. Da galten die Dörfer Hornow und Wadelsdorf bereits als eingemeindet. Somit verdankt Spremberg den Zuwachs also nicht diesen beiden Gemeinden, sondern einem grundsätzlichen Trend: Die Zahl der Geburten stieg, und zugleich starben weniger Menschen als im Jahr 2015. Nur marginal wirkte sich der Anteil ausländischer Bürger auf die Statistik aus. Er stieg von zwei auf drei Prozent.

Zwei Personen mehr: In verwöhnten Regionen würde ein Rathaus-Mitarbeiter wohl schnell zur Tagesordnung übergehen, weil sich so gut wie nichts an der Einwohnerstatistik geändert hat. Doch für Spremberg gilt ein anderer Maßstab. Schließlich ringt die Stadt seit dem Ende der DDR mit dem Problem des Einwohnerverlustes. Bis zum Jahr 2030 dürfte er gegenüber dem Jahr 2014 noch einmal weitere 16 Prozent betragen: Das sagt das Entwicklungskonzept für Spremberg, Welzow, Altdöbern und Drebkau voraus.

Nun zeichnet sich in Spremberg neuerdings eine Tendenz ab, die der Prognose zuwiderläuft - auch wenn dies noch nichts über langfristige Folgen aussagt. Wie der Fachbereichsleiter für Bürgerservice erläutert, registrieren die Rathaus-Mitarbeiter seit dem Jahr 2013 mehr Zuwachs als Wegzüge. "Das zeigt, dass sich unsere Stadt gut entwickelt", sagt Frank Kulik.

Die jüngste Job-Statistik stützt seine Aussage. Spremberg wies im Dezember eine Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent auf. Zwar liegt dieser Wert immer noch über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 5,8 Prozent. Doch im Gebiet der Cottbuser Agentur für Arbeit unterbieten nur drei Geschäftsstellen den Bundesschnitt: Lübben, Luckau und Königs Wusterhausen, allesamt Orte, die von der Nähe zu Berlin profitieren.

Der Spremberger Fachbereichsleiter räumt ein: "In den nächsten Jahren werden sehr viele Menschen ins Rentenalter einsteigen, weshalb wir mit attraktiven Arbeitsplätzen am Zuzug teilhaben müssen." Darum engagiert sich Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) in der Lausitzrunde, dem Bündnis von Kommunalpolitikern, die nach wirtschaftlichen Strategien für die Zeit der Energiewende suchen. Denn nach wie vor hängt das Schicksal der Stadt von der Braunkohle ab: Laut einem Bericht der Landesregierung gab es in Spremberg im Jahr 2015 bezogen auf je 1000 Einwohner 565 Arbeitsplätze. Damit besitzt die Kommune die höchste Job-Dichte in Brandenburg - wobei allein im Industriepark Schwarze Pumpe ungefähr 5000 Beschäftigte arbeiten.

Zum Thema:
In Spremberg lebten am 31. Dezember 2016 genau 23 191 Einwohner. Die Rathaus-Statistik meldet für das gesamte Jahr 171 Geburten und 311 Sterbefälle. 1446 Bürger meldeten sich neu in der Stadt an, 1304 Personen verließen unterdessen Spremberg. 667 ausländische Einwohner leben in der Stadt. 156 von ihnen stammen aus der Europäischen Union.