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| 17:23 Uhr

Spremberg
57 Soldatengräber beschmiert

 Zur Wiederholung der Kranzniederlegung in Spremberg bekommt auch das Sowjetische Ehrenmal einen Kranz. Der zweiten Kranz wird zur Gedenkstätte für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft getragen.
Zur Wiederholung der Kranzniederlegung in Spremberg bekommt auch das Sowjetische Ehrenmal einen Kranz. Der zweiten Kranz wird zur Gedenkstätte für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft getragen. FOTO: LR / Igel-Allzeit
Spremberg . Auf dem Spremberger Ehrenfriedhof sind sowjetische Soldatengräber mit rechtsextremen Symbolen beschmiert worden. Die Taten ereigneten sich nach einer Kranzniederlegung. Die Bürgermeisterin startete deswegen einen besonderen Rundruf. Von Annett Igel-Allzeit

Bis zu 150 mal 150 Zentimeter große sind die Hakenkreuze auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof. Hass-Schmierereien ziehen sich über den Betonstein mit dem Stern. SS-Runen und den Davidstern haben die Täter hinterlassen und mit Signalfarbe laut Polizei auf 57 Einzelgräbern die Namen der gefallenen sowjetischen Soldaten übersprüht. Auch das Denkmal für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wurde beschmiert.

Ein aufmerksamer Bürger hatte am Donnerstagmorgen Polizei und Ordnungsamt gerufen. Spuren wurden gesichert und alles eingesammelt, was die Täter hinterlassen hatten, und sämtliche Schäden fotografiert.

Sprembergs Bürgermeisterin startet nach Gräber-Schändung Rundruf

Während eine Gruppe des kriminalpolizeilichen Staatsschutzes die Ermittlungen aufnimmt, startet Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier im Rathaus einen Rundruf. Die Kranzniederlegung, mit der am Mittwoch in Spremberg an den Tag der Befreiung von nationalsozialistischer Herrschaft, von Völkermord und vom Grauen des Zweites Weltkrieges erinnert worden war, will sie am Donnerstagnachmittag spontan wiederholen.

Auch ein Fernsehteam kommt, um mal wieder von rechtsextremen Ausschreitungen in Spremberg zu berichten. Während in der Kirschallee vorm Stadtpark auf Vertreter mehrerer Fraktionen der Spremberger Stadtverordnetenversammlung gewartet wird, wird diskutiert.  

 Mitarbeiter vom Betriebshof beseitigen die Schmierereien am Sowjetischen Ehrenmal in Spremberg.
Mitarbeiter vom Betriebshof beseitigen die Schmierereien am Sowjetischen Ehrenmal in Spremberg. FOTO: LR / Marcel Laggai

Christine Herntier zeigt Fotos vom Ausmaß der Schäden am Morgen und vom rot besprühten Kranz der Stadt. Ilona Schulz (Die Linke) schildert, wie sie und ihr Mann Tassilo Schulz am 3. März im Sand am Bismarckturm ein riesiges Hakenkreuz gefunden hatten. „Wir haben es gemeldet und dann zerstört“, sagt sie.

Sprembergs Politiker zur Gräber-Schändung auf Friedhof

Dirk Süßmilch (SPD): „Nein, wir sind mit dem Rechtsextremismus in Spremberg noch immer nicht fertig. Es war nur eine Weile etwas ruhiger. Die Bürger, ja, wir alle müssen dagegen viel mehr Flagge zeigen.“

Spremberg brauche solche Programme wie „Demokratie leben“, an denen sich der Verein „Jugend und Soziales“ jetzt mit weiteren Mitstreitern beteiligt, so Süßmilch weiter.

Raik Nowka (CDU), der noch am Vorabend in der Stadtverordnetenversammlung mit der Linken über den Begriff „Tag der Befreiung“ diskutiert hatte, gesteht: „Als ich am Morgen von den Schmierereien hörte, war ich erst einmal sprachlos. Das zeugt von Dummheit und von einer Ignoranz gegenüber allen, die hier jung ihr Leben lassen mussten.“

Benny Stobinski (Die Nächste Generation) ärgert, dass der Termin zur zweiten Kranzniederlegung so kurzfristig kommt. Er schafft es nicht. „Einen Tag später hätten noch mehr Spremberger teilnehmen und so ein Zeichen setzen können“, sagt er. Er fragt sich, ob die Schmierereien eine Form von Wahlkampf sein sollen oder dumme Jungs eine Wette laufen hatten.

Michael Hanko (AfD) schafft es auch nicht zur zweiten Kranzniederlegung, empfindet die Schmierereien aber als „unterstes Niveau“.

Schmierereien auf Spremberger Ehrenfriedhof beseitigt

Vier russische Frauen, so erzählt Christine Herntier, waren am Donnerstagmorgen auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof, um Blumen an Einzelgräbern niederzulegen. In Russland wird der 9. Mai noch immer als Tag des Sieges gefeiert. Was sie angesichts der Schmiererreien gedacht haben?

Gleich nach der Spurensicherung der Kriminalpolizei waren die Mitarbeiter des Betriebshofes zum Georgenberg geeilt. Sämtliche Schmierereien wurden beseitigt. Und die Flächen auch gleich gemäht, weil es am Vorabend in der Stadtverordnetenversammlung Kritik am Zustand der Grünflächen an den Gedenkstätten gegeben hatte.    

Der Staatsschutz ermittelt nun zu Straftaten wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Bürger, die sachdienlichen Hinweise haben,  können sich unter der Telefon 0355 49371227 in der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße melden oder das Internet unter www.polizei.brandenburg.de/onlineservice/hinweis-geben nutzen. Als Tatzeit wird die Nacht zum 9. Mai angenommen. Die Stadt schätzt den Schaden auf mehrere Tausend Euro.