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Spremberg profitiert vom Seenland

Marco Wentworth sagt: "Wenn beide Verbände miteinander kooperieren, rückt Spremberg ins touristische Zentrum.”
Marco Wentworth sagt: "Wenn beide Verbände miteinander kooperieren, rückt Spremberg ins touristische Zentrum.” FOTO: René Wappler
Spremberg. Der Beitritt zum Tourismusverband Lausitzer Seenland hat der Stadt Spremberg gut getan. Diesen Schluss legen die jüngsten Besucherzahlen für die Region nahe. Auch von der geplanten Fusion mit dem Verband Niederlausitz dürfte Spremberg profitieren. René Wappler

Marco Wentworth strahlt Zuversicht aus - und das mit gutem Grund. Der Chef der Spremberger Touristinformation am Markt hat die jüngste Statistik zu den Besucherzahlen für das Lausitzer Seenland erhalten, und sie könnte - bis auf eine kleine Ausnahme - kaum besser ausfallen. Um 11,8 Prozent stieg die Zahl der Übernachtungen laut dem zuständigen Landesamt des Freistaats Sachsen im Jahr 2015 - auf 562 699 Gäste.

Angesichts dieser Tendenz spricht Marco Wentworth von einem "sehr guten Effekt für uns". Das Lausitzer Seenland profitiere momentan von seinem Ruf als neuer Marke: Viele Menschen seien neugierig auf die Region.

Zugute kommt dies auch Spremberg als einem der Nachbarorte von Senftenberg, dem Zentrum des Seenlands. Viele Touristen suchen in der Stadt nach einer Unterkunft - und sie interessieren sich für die Ziele in der näheren Umgebung. So fragen die Besucher der Touristinformation konkret nach, was die Museumsscheune in Bloischdorf anbietet, sie planen einen Ausflug zur Confiserie in Hornow, oder sie wollen sich Strittmatters Laden in Bohsdorf anschauen. Gerade deshalb findet es der Chef der Touristinformation "etwas schade", dass viele Kommunalpolitiker in Spremberg aus politischen Gründen Abstand zum Erbe dieses Schriftstellers halten.

Die kleine Ausnahme im positiven Trend der Besucherzahlen bildet wiederum die Aufenthaltsdauer. Sie sank im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr von 3,3 auf 3,1 Tage. Viele Kurzurlauber halten sich also in der Region auf. Nun wollen die Touristiker mit neuen Angeboten dafür sorgen, dass sie länger bleiben.

So bastelt der Tourismusverband Lausitzer Seenland gerade an seinem Plan für die nächsten fünf Jahre, wobei er die Ideen aus dem Spree-Neiße-Kreistag berücksichtigt. In der Sitzung am Mittwoch beschlossen die Abgeordneten, die Verwaltung solle die Kooperation mit dem Tourismusverband Niederlausitz für das Jahr 2018 vorbereiten: Damit sollen Guben, Forst, Schenkendöbern und Döbern-Land in die Seenland-Pläne Eingang finden.

Für Spremberg läge der Reiz dieser Konstruktion darin begründet, dass die Stadt künftig das Zentrum des Tourismusgebietes einnehmen würde. Marco Wentworth von der Touristinformation erläutert: "Dann könnten wir den Muskauer Faltenbogen einbeziehen, der schon jetzt zu den wichtigen Attraktionen unserer Region gehört."

Nach Spremberg kommen vor allem Touristen aus Sachsen und der Berliner Gegend, aber auch aus Holland und Tschechien, die sich für Radtouren und Inline-Skater-Strecken interessieren. Die steigende Zahl von Übernachtungen erhöht nach den Worten von Marco Wentworth die Chance, Fachkräfte zu gewinnen und die Folgen der Abwanderung zu mildern. "Touristisch entwickelte Regionen sind attraktiver, da sie ein besseres Image haben", erklärt er. "Tourismus trägt also dazu bei, eine Region wirtschaftlich zu stärken und sollte deshalb seitens der Städte und Gemeinden viel stärker unterstützt werden."

Zugleich setzen die Fremdenverkehrs-Fachleute auf Eigeninitiative. Eine neue Arbeitsgruppe entwickelt ein Konzept für Gästeführer in Spremberg. Wie der Chef der Touristinformation anmerkt, gibt es viele Menschen, die interessante Episoden über die Stadt erzählen können und bereit sind, ihre Erlebnisse zu teilen. Erste Einwohner haben sich demnach schon bereiterklärt, auf diese Weise an Rundgängen durch Spremberg teilzunehmen.

Zum Thema:
In einer Umfrage dreier Spremberger Vereine nannten knapp 47 Prozent der Teilnehmer die Natur, die Ruhe und das reizvolle Umfeld, zu dem das Seenland zählt, als besondere Merkmale der Region. 280 ausgefüllte Fragebögen gingen bei der Aktion ein, die den Titel trug: "Spremberg gemeinsam voranbringen" - unter Regie der Vereine Laga Spremberg, City Werbering und Spremberger Land.