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Spremberg lockt junge Mieter an

Reinhard Lehmann.
Reinhard Lehmann. FOTO: Annett Igel
Spremberg. Die städtische Gesellschaft für Wohnungsbau in Spremberg (Gewoba) greift zu ungewöhnlichen Mitteln, um künftig mehr junge Menschen als Neumieter zu gewinnen. Seit Dezember 2013 bekommen Wohnungssuchende, die noch in der Ausbildung sind, und junge Einwohner oder Familien bis zum Alter von 27 Jahren verschiedene Mietvergünstigungen und Rabatte angeboten. Mit dem bisherigen Erfolg des Konzeptes ist die Gewoba durchaus zufrieden. Catrin Würz

Ein ganzes Jahr lang will das Spremberger Wohnungsunternehmen testen, ob die Offerte tatsächlich mehr junge Mieter zur Gewoba bringt oder nicht. Der Anfang ist jedenfalls schon mal vielversprechend. Das bestätigt Klaus-Dieter Peters, Aufsichtsratsvorsitzender der Gewoba. "In den ersten beiden Monaten hatten wir sozusagen fast jede vierte Neuvermietung an einen jungen Menschen, der eine der ausgeschriebenen Vergünstigungen in Anspruch nehmen kann", sagt Peters zufrieden. Das Rabattprogramm habe die Gewoba entwickelt, um mit modernen und unkonventionellen Ideen das selbstständige Wohnen für junge Menschen in Spremberg attraktiver zu machen. Bis zu hundert Euro monatlich könne ein junger Mieter mit dem Azubi-Tarif sparen. "Angesprochen sind auch junge Pendler, die im Industriepark Schwarze Pumpe lernen oder arbeiten", ergänzt er.

Von dem Rabatt-"Experiment" für junge Erwachsene verspricht sich die Gewoba viel. Noch immer hat die städtische Gesellschaft mit einem enormen Wohnungsleerstand zu kämpfen. Fast 13 Prozent des Gewoba-Bestandes mit derzeit rund 3200 Wohnungen sind nicht belegt, obwohl das Unternehmen seit Jahren regelmäßig ganze Wohnblöcke abreißen lässt. Der demografische Wandel und die Überalterung der Gesellschaft stellt auch das Spremberger Wohnungsunternehmen vor enorme Probleme. "Wir probieren deshalb diesen neuen Weg aus, um speziell junge Mieter zu gewinnen", erläutert Gewoba-Geschäftsführer Reinhard Lehmann. Mit Werbeaktionen, zum Beispiel im Kino, soll die Idee in den nächsten Wochen noch stärker bei jungen Menschen publik gemacht werden. Im Blick habe man vor allem den Beginn des neuen Lehrjahres im August, sagt Reinhard Lehmann.

Die Gewoba in Spremberg vermietet pro Jahr zirka 220 bis 250 Wohnungen neu und hofft nun, dass das Interesse ansteigt.

Aufsichtsratschef Klaus-Dieter Peters wünscht sich indes, dass in Spremberg auch andere Anbieter oder städtische Gesellschaften auf diesen Zug aufspringen. "Es geht doch darum, die jungen Menschen hier in der Stadt und in der Region zu halten. Da müssen viele mit am Strang ziehen", sagt er. Beispielsweise auch die Städtischen Werke der Stadt Spremberg. Dort ist das Rabatt-Prinzip für junge Kunden in Form eines Baby- Bonus für die Stromversorgung bereits seit neun Jahren fest etabliert. "Jede junge Familie bekommt für die Geburt eines Kindes 300 Kilowattstunden geschenkt - die sind momentan rund 90 Euro wert", informiert Bereichsleiter und Marketing-Chef Toralf Knappe. Einen speziellen Tarif zum Beispiel für Auszubildende hält er dagegen für momentan nicht umsetzbar. "Der Tarifdschungel ist schon kaum noch überschaubar - und sicher wäre auch der Kreis der möglichen Kunden viel zu klein", so Knappe.

Bei der Gewoba hofft man indes auf viele positive Effekte des Jugendrabatts. Klaus-Dieter Peters: "Es ist besser die städtischen Wohnungen für weniger Geld zu vermieten als gar nicht."

Zum Thema:
Für Auszubildende: Für eine Ein- bis Zweiraumwohnung bietet die Gewoba für die Zeit der Ausbildung eine Nettokaltmiete von zirka zwei Euro pro Quadratmeter und eine Nebenkostenpauschale in Höhe von 2,50 Euro pro Quadratmeter an. Junge Einwohner oder Familien bis 27 Jahre: Reduzierung der Nettokaltmiete für die ersten drei Jahre um 1,50 Euro pro Quadratmeter oder der gleiche Wert wird als Einrichtungsgutschein von einem Möbelausstatter zum Einzug zur Verfügung gestellt.