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Spremberg kämpft um Friedhöfe

Die Einwohner von Slamen wollen ihren Friedhof bewahren.
Die Einwohner von Slamen wollen ihren Friedhof bewahren. FOTO: wr
Spremberg. Für die Zukunft der Spremberger Friedhöfe gehen die Leute im Zweifel auf die Barrikaden: Das betonen zwei Rentnerinnen, die um die Anlagen kämpfen. Die 74-jährige Hannelore Nothnick engagiert sich in der Volkssolidarität, wo sie auch ältere Menschen betreut. Von René Wappler

Die 90-jährige Ingeborg Wolf hat den Stadtverordneten eine Liste mit 559 Unterschriften aus Slamen übergeben: Die Liste zeugt von der Sorge der Einwohner um ihren Friedhof. Obwohl die Stadtverordneten beteuern, dass sie keine der Anlagen schließen wollen, bleibt eine Spur von Misstrauen.

Hannelore Nothnick wohnt wie ihre Bekannte Ingeborg Wolf in Slamen. Dort befindet sich ein kleiner Friedhof, auf dem im Jahr 2016 insgesamt 18 Verstorbene bestattet wurden. 45 Familiengräber, 75 Erd reihengräber, 194 Urnengräber beherbergt die Anlage, auf einer Gesamtfläche von 13 124 Quadratmetern. Für diesen kleinen Friedhof setzen sich Hannelore Nothnick und Ingeborg Wolf ein.

"Wir haben ja sonst kaum noch Treffpunkte in unserem Wohngebiet", sagt Hannelore Nothnick. "Es gibt keine Gaststätte mehr, aber viele ältere Leute." Erst am vergangenen Wochenende habe sie einer 96-jährigen Frau zum Geburtstag gratuliert, die nicht mehr aus ihrem Haus in Slamen wegziehen wolle: Ein Mal in der Woche helfe der Dame die Volkssolidarität beim Säubern der Wohnung und beim Erledigen der Einkäufe.

"Gerade für diese Senioren gilt der Friedhof als einer der wichtigen Treffpunkte", erläutert Hannelore Nothnick. "Deshalb waren wir auch so erschüttert, als plötzlich eine mögliche Schließung von Anlagen in Spremberg zur Debatte stand."

Zwar betonen sowohl Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) als auch die Spremberger Stadtverordneten, dass sie in absehbarer Zeit keinen Friedhof aufgeben wollen. Doch die Sorge der Einwohner fußt auf einer realen Grundlage. Denn das Friedhofskonzept für Spremberg enthielt unter anderem den Satz: "Perspektivisch ist über eine Schließung der Friedhöfe Slamen und Georgen berg zu entscheiden."

Darum ärgert sich Ingeborg Wolf darüber, dass auch die RUNDSCHAU berichtete, die aktuelle Diskussion werde von Gerüchten gelenkt. "Wir wussten von den Unterschriftenlisten aus Cantdorf und dem Viertel am Georgenberg", erklärt sie. "Daraufhin sagte ich: Wir müssten auch was für Slamen auf die Beine stellen."

So geschah es. Im Brief zu ihrer Unterschriftenliste betonen die Einwohner, dass sich viele Leute den ortsansässigen Friedhof als ihre letzte Ruhestätte wünschen. Er erfülle "von alters her wichtige, Identität stiftende soziale und kulturelle Funktionen".

Darüber hinaus gilt Slamen bei den Einwohnern durchaus als ein Ortsteil von Spremberg - auch wenn es keinen Ortsbeirat im Wohngebiet gibt. Darauf weisen Hannelore Nothnick und Ingeborg Wolf hin. Schließlich handelte es sich laut Ingeborg Wolf "um das größte Dorf, das im Jahr 1946 eingemeindet wurde". Dieses Selbstverständnis habe sich bis heute erhalten. Dabei sperren sich die Unterzeichner der Protestliste nicht grundsätzlich gegen Veränderungen. "Wir wären schon damit einverstanden, den Friedhof zu verkleinern", sagt Hannelore Nothnick. "Wir wollen nur nicht völlig auf ihn verzichten."