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| 17:58 Uhr

Spremberg
Spremberg ist ein Dichterort

Hagen Rittel hat dem Bildungsausschuss Bücher von Sprembergern vorgelegt: Er wirbt für die Märkische Dichterstraße.
Hagen Rittel hat dem Bildungsausschuss Bücher von Sprembergern vorgelegt: Er wirbt für die Märkische Dichterstraße. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Hagen Rittel wirbt nicht nur mit Strittmatter als Station an der Dichterstraße.

Erwin Strittmatters „Schulzenhofer Kramkalender“ ist ebenso dabei wie Peter Jokostras „Heimweh nach Massuren“, Johannes Vogels „Saitenspiel aus fernen Gärten“, Werner Baders „Der Teufelsaktuar“, Ramona Herbstreits „Hannah und die Raupe Mimmi“, Denise Kottwitz’ „Der äquatoriale Beobachter“ und Hellmuth Hennebergs „Gartengeflüster“  Mit einer Spremberg-Tüte voller Bücher kam Hagen Rittel, vielen vertraut als mutiger Nachtwächter Kulke, in den jüngsten Bildungsausschuss. Für die Märkische Dichterstraße, für Strittmatter und weitere Spremberger Autoren schlägt sein Herz.

Seit mehr als 20 Jahren köchelt die Idee Märkische Dichterstraße. Sie ist das Kind des Kulturfördervereins Mark-Brandenburg. Der Vereinsgründer und langjährige Vorsitzende Werner Bader hatte, bevor er im Oktober 2014 starb, den Spremberger Hagen Rittel für die Idee begeistert. Auch Sprembergs Altbürgermeister Egon Wochatz versucht seit Jahren, Spremberger für die Dichterstraße zu begeistern.

Nach dem Vorbild der Schwäbischen Dichterstraße, aus der inzwischen das „Literaturland Baden-Württemberg“ hervorgegangen ist, will die Märkische Dichterstraße zu rund 30 Stationen quer durch Brandenburg einladen. Mit Theodor Fontane, Bertolt Brecht und Helene Weigel, Kurt Tucholsky, Heinrich Kleist, Hermann von Pückler, Eva und Erwin Strittmatter gibt es nicht nur große Dichter und Schriftsteller, sondern auch eine Reihe Museen und Gedenkstätten, die an sie erinnern. Die Straße soll sie alle verbinden. Erste Station wurde 2016 der Strittmatter-Laden in Bohsdorf. Danach schaffte es der Verleger Andreas Peter, dass die Märkische Dichterstraße zum Stadtwächterstübchen in Guben führt. Wie Peter als Einzelkämpfer wollen nun auch Hagen Rittel und Egon Wochatz als Zwei-Mann-Bürgerinitiative die Tafel endlich nach Spremberg holen. Eckbert Kwast, Fachkleiter des Niederlausitzer Heidemuseums, habe beide mit der ständigen Ausstellung zu Erwin Strittmatter im Schloss überzeugt. Hinzukommen die Strittmatterschen Orte in Spremberg – von der Erinnerung ans Geburtshaus und dem Wohnort der Großeltern über die einstige Mädchenschule (heute BOS), wo er beim Hausmeisterehepaar wohnte, als er das Spremberger Gymnasium besuchte. Einen Überblick gibt die bereits sanierungsbedürftige Tafel „Märkische Dichterstraße“ in der Strittmatterpromenade.

Wie Hagen Rittel erklärt, soll das Projekt der Märkische Dichterstraße „ganzheitlicher“ auf die Literaturstätten Brandenburg aufmerksam machen und ein Erlebnis nicht nur für Literaturinteressierte sein. Das Logo mit Buch und Dichterköpfen gibt es bereits. Die Übersichtskarte füllt sich. In jedem neuen Jahr soll ein Veranstaltungskatalog aller Partner erscheinen. „Der Poetenpass ist Stempelheft und zugleich übersichtlicher Führer entlang der Dichterstraße“, so Rittel. Gemeinsam soll sie vermarktet werden – im Internet, auf touristischen Messen, gegenüber Reiseveranstaltern. Um die Jugend zu erreichen wird über Literaturwettbewerbe nachgedacht. Fünf Stationen hat die Dichterstraße, mindestens drei sollen in diesem Jahr noch dazukommen.

Dass Spremberg auch bald dabei ist, dagegen  hat der Bildungsausschuss grundsätzlich nichts. Dem Kulturförderverein Brandenburg müsse die Stadt deshalb nicht beitreten, versichern Hagen Rittel und Egon Wochatz. Torsten Jurk (CDU) gefällt die Idee für die Vermarktung der Stadt: „Spremberg taucht damit auch in sämtlichen Reiseführern auf.“ Ilona Schulz (Linke) allerdings erzählt von Bauchschmerzen: „Wenn Sachbuchautoren mit wahren Dichtern in einen Topf geworfen werden, kann ich das nicht gut heißen.“ Rudolf Schulz (CDU) sieht den Spremberger Aktionismus noch nicht ganz gerechtfertig: „Das ist doch eine zentrale Geschichte, da müssen erst einmal die Dinge auf die Reihe gebracht werden.“

Welche Autoren neben Erwin Strittmatter und Peter Jokostra den Literatur-Touristen nahe gebracht werden, sei zu überlegen, aber nicht sofort zu entscheiden. Egon Wochatz sieht in der Reihe der Spremberger Dichter auch den Theologen Johann Agricola – um 1530 wurde er in Spremberg geboren. Hagen Rittel denkt zudem an Brigitte Reimann:  „Sie lebte in Hoyerswerda, arbeitete aber in Schwarze Pumpe.“ Bei einem Dichter kann sich selbst die Zwei-Mann-Bürgerinitiative nicht einigen. „Peter Jokostra“, sagt Wochatz, „ist für mich kein Dichter, kein Schriftsteller.“