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| 20:00 Uhr

Attraktion auf dem Weihnachtsmarkt
Weißes Parkett für Spremberger Markt

Vanessa Ulicnik, Peter Vorbeck und Lothar Genz (von links) von der Sofa GmbH aus Schleswig-Holstein richten die Kunsteisbahn am Spremberger Marktplatz ein, die ganz ohne Kühlung auskommt.
Vanessa Ulicnik, Peter Vorbeck und Lothar Genz (von links) von der Sofa GmbH aus Schleswig-Holstein richten die Kunsteisbahn am Spremberger Marktplatz ein, die ganz ohne Kühlung auskommt. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg. Die moderne Eisbahn in der Spremberger Innenstadt funktioniert ohne Kühlung. Sie besteht aus Kunststoff, Wachs und Ölen.

Technischer Fortschritt prägt den Weihnachtsmarkt. Ohne Kühlung kommt die Kunsteisbahn am Spremberger Marktplatz aus. Mitarbeiter einer Firma aus Plön in Schleswig-Holstein haben am Mittwoch die Platten für die Bahn verlegt. Ihr Chef Lothar Genz sagt: „Wir wollen den Energieverbrauch so gering wie möglich halten.“

Aus gehärtetem Kunststoff bestehen die Platten vor dem Spremberger City-Center. Vanessa Ulicnik setzt den Bohrer an, um sie zu befestigen. Das Material der Eisfläche enthält Wachs und Öle. Über die genaue Zusammensetzung will der Chef der Firma nicht zu viel preisgeben. „Das ist unser Geheimrezept“, erklärt Lothar Genz.

Allerdings geht die Entwicklung auf dem Markt der Kunsteisbahnen stetig weiter. Die erste Fläche dieser Art in Deutschland entstand im Jahr 1881 in Frankfurt am Main. Darüber schrieb der Diplomingenieur Wolf-Dietrich Kölz in einem Fachaufsatz: „Diese erste Eisfläche bestand aus einem Berohrungssystem auf dem Boden einer wassergefüllten Blechwanne.“

Mit solchen Modellen haben moderne Konstruktionen nichts mehr gemein. Aus 300 flachen Platten setzt sich die Kunsteisbahn auf dem Spremberger Weihnachtsmarkt zusammen. Die Mitarbeiter der Firma befestigen sie mit Nut, Federn und Schrauben.

Zwei Tage dauert die Arbeit an der 300 Quadratmeter großen Fläche. Bis zum Donnerstag wollen Lothar Genz und seine Mannschaft mit der Montage samt dem Setzen der Bande fertig sein. Die größte Kunsteisbahn verlegten sie bisher in Timmendorf. Sie erstreckte sich über 750 Quadratmeter. Der Chef schätzt: „Jahr für Jahr bauen wir wohl deutschlandweit um die 20 Bahnen auf.“

Die Einwohner von Spremberg mussten lange Zeit ohne eine öffentliche Attraktion dieser Art durch den Winter kommen. Vor zehn Jahren entstand eine Spritzeisfläche auf dem Georgenberg. Doch nur wenige Tage später entdeckten Mitarbeiter des Rathauses bei einem Kontrollgang, dass sie bereits beschädigt war. Besucher hatten die Fläche mit Fahrzeugen befahren, wie Fachbereichsleiter Frank Kulik damals feststellte.

So scheiterte dieser Versuch, eine Eisbahn in Spremberg zu etablieren. Der Wunsch der Einwohner nach einem solchen Angebot spiegelte sich danach in der Politik wider. Die Spremberger SPD erwähnte ihn sogar in ihrem Wahlprogramm für 2014. Demnach wollten sie sich dafür einsetzen, im Stadtzentrum eine Kunsteisbahn zu schaffen.

Auch die parteilose Bürgermeisterin Christine Herntier wies in ihrem jüngsten Bericht vor den Stadtverordneten am 5. Dezember darauf hin, dass der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr eine Kunsteisbahn anbieten wird. Das Geld dafür stammt aus dem Verfügungsfonds der Stadt, der seit September besteht. Dieser Fonds enthält jeweils zur Hälfte öffentliche Mittel und Spenden. Wie Fachbereichsleiter Gerd Schmiedel erläutert, dient er dazu, die Innenstadt attraktiver zu gestalten. Die Kunsteisbahn am Markt ist das erste Projekt, das der Fonds unterstützt.

Nach und nach setzen Lothar Genz und seine Mitarbeiter von der Firma aus Schleswig-Holstein die Platten zusammen. Der Chef der Firma sagt: „Wenn wir alles aufgebaut haben und einer von uns zum ersten Mal über die Fläche läuft, dann höre ich dieses Geräusch auf der Bahn, und ich denke, boah, das klappt.“ Diese Freude über einen gelungenen Aufbau trage er immer noch in sich, 25 Jahre nach der Gründung seines Unternehmens.

Nach dem Weihnachtsmarkt werden die Fachleute die weißen Platten wieder einsammeln und mit zum Firmensitz nehmen, um sie später erneut zu verwenden. Denn auch das gehört für sie zum Energiesparen. „Hier verschwenden wir nichts“, sagt Lothar Genz. „Ungefähr alle fünf Jahre entsteht ein neuer technischer Standard für Kunsteisbahnen, und dann werden wir dieses Modell wohl verkaufen.“ Einerseits reiche die Bahn auch in Zukunft noch locker zum Eisstockschießen. Andererseits ließen sich die Platten ja ganz einfach umdrehen. „Dann liegt die bisher unbenutzte Seite oben, und weiter gehts.“