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| 18:02 Uhr

Spremberg
Nur das rote Band ist zu kurz

Mit einem Schnipp-Schnapp und vielen Radlern haben Bürgermeisterin Christine Herntier und der Bauausschussvorsitzende Peter Reininger am Mittwoch die Brücke über die Kohlebahn in der Drebkauer Straße freigegeben.
Mit einem Schnipp-Schnapp und vielen Radlern haben Bürgermeisterin Christine Herntier und der Bauausschussvorsitzende Peter Reininger am Mittwoch die Brücke über die Kohlebahn in der Drebkauer Straße freigegeben. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Die Brücke in der Drebkauer Straße in Spremberg ist wieder frei.

Der Drebkauer Revierpolizist Stefan Schröter und die Radwanderer um Gerhard Lorenz gehen in Sprembergs Brückengeschichte ein. Mit dem Streifenwagen und ihren Fahrrädern passierten sie am Mittwoch zuerst die neue Brücke über die Kohlebahn in der Drebkauer Straße. Aber auch Gerd Schmiedel, Fachbereichsleiter für Planen und Bauen, und sein Tiefbau-Kollege Raik Gallas hatte zur Brückeneinweihung eine tragende Rolle: Sie mussten das rote Band, das der Bauausschussvorsitzende Peter Reininger (CDU) und die Bürgermeisterin Christine Herntier parteilos), durchschnitten, halten. Das mitgebrachte Band war wieder einmal zu kurz, um es quer über die Breite von 10,60 Metern an den Geländern fest zu binden.

Aber das nahm Polizeihauptmeister Schröter der Stadtverwaltung nicht krumm: „Als Drebkauer Revierpolizist habe ich ein Büro in Drebkau und einen Schreibtisch in der Spremberger Wache. Beim Hin- und Herfahren war es mit der Zeit doch nervig, immer die Umleitung über Pulsberg nutzen zu müssen.“

Hubert und Thea Gatz nicken: „Vier bis fünf Kilometer mehr waren das bestimmt.“ Das Ehepaar gehört zum Stradower Heimatverein. Hubert Gatz fährt mindestens einmal in 14 Tagen zum Stradower Stein in der rekultivierten Bergbaufolgelandschaft, um zu sehen, ob am Gedenkstein alles in Ordnung ist. Ralf Teschner, der Spremberger Betriebsstättenleiter des Entsorgungsunternehmens Lobbe, ist froh über die Brückenfreigabe: „Für die Entsorgungsfahrten ist die Brücke nicht so wichtig, wir fahren in verschiedenen Richtungen und nutzen nach Cottbus gleich die Tagebaurandstraße. Aber unseren Mitarbeitern fehlte die Brücke auf ihrem Weg zur Arbeit. Das kostete sie mehr Zeit und mehr Sprit.“

Die Vorgängerbrücke, eine Drei-Feld-Fertigkonstruktion aus dem Jahr 1973, wurde durch eine Ein-Feld-Rahmenbrücke aus Stahlbeton ersetzt. 87 Quadratmeter Fläche hat die neue Brücke. Insgesamt 600 Quadratmeter Straßenbau gehörten zum Leistungsumfang. 800 Kubikmeter Stahl, so Raik Gallas, wurden für die Widerlager, die Flügel und die Ortbetonergänzung einschließlich der 120 Tonnen Betonstahl eingebaut. Mit der Planung kostete der Ersatzbau 1,1 Millionen Euro. „Etwas mehr als veranschlagt“, so Bürgermeisterin Christine Herntier. Mit 778 000 Euro hat sich das Land Brandenburg beteiligt. Die Fördermittel kamen aus dem Topf für Verkehrsinvestitionen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Gemeinden.

Geplant hat die Brücke für Spremberg Matthias Nauk. Er musste das nötige Lichtraumprofil, das die Leag-Bahn braucht, bedenken – konkret bedeutet das in diesem Fall auch sechs Meter Abstand zwischen der Stromleitung der Kohlebahntrasse zur Brücke. Den wenigsten Schlaf in der Bauzeit hatte wohl Bauleiter Philipp Heine vom Bauunternehmen Matthäi aus Freienhufen. „Bis zwei Stunden vor der Einweihung hat der Bagger gebaggert. Für den zeitweiligen Bauverzug hatten Diebe gesorgt. Zweimal ist uns der Kabelbaum aus dem Kran herausgeschnitten worden“, so Philipp Heine. Das verursachte nicht nur Sachschaden von 15 000 Euro: Einen neuen Kabelbaum samt Steuerung für den Kran zu beschaffen, dauerte bis zu vier Wochen.

Die Radler strahlen: „Jeden Mittwoch gehen wir auf Tour. 30 bis 40 Kilometer sind es immer“, sagt Gerhard Lorenz. Als sie in der Zeitung von der Brückeneröffnung gelesen hatten, wollten sie das miterleben. „Jetzt sind wir froh, pünktlich hier zu sein.“ Und Bürgermeisterin Herntier verstand den sprichwörtlichen Wink mit dem Zaunpfahl. Besonders Radtouristen hatten nicht nur die Brücke, sondern auch Hinweise auf eine Umleitung vermisst. „Meist“, so Marco Wentworth, Leiter der Spremberger Touristinformation, „kommen die Gäste mit dem Problem erst zu uns, wenn sie sich schon irgendwie durchgekämpft haben. Da wollen sie ihrem Ärger bei uns nur noch Luft machen. Erstaunlich viele Radtouristen gehen doch ohne Karte auf Tour.“

Sprembergs Bürgermeisterin hofft, dass die Kohlebahn nun noch 35 Jahre rollt. Wie sie versichert, soll auch die neue Brücke in der Wendenstraße noch in diesem Jahr fertig werden. Sie ist neben touristischer Radwegverbindung Schul-, Arbeits- und Einkaufsweg. Dass die Stadtverwaltung die Brücke in Wilhelmsthal, die dringend eine Sanierung oder einen Ersatz bräuchte, im Auge behält, verspricht Christine Herntier.