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Zauber der Bücher
Leser lieben Krimis und Märchen

Henrik Vogel, Kerstin Promnitz, Karin Wießner und Ute Liesegang (von links) kümmern sich um den Bestand der Spremberger Bibliothek.
Henrik Vogel, Kerstin Promnitz, Karin Wießner und Ute Liesegang (von links) kümmern sich um den Bestand der Spremberger Bibliothek. FOTO: René Wappler / LR
Spremberg. Die Spremberger Bibliothek bereitet Angebote für den gesamten Spree-Neiße-Kreis vor.

Turbulent hat der erste Arbeitstag des neuen Jahres für das Personal der Kreisbibliothek in Spremberg begonnen: 134 Besucher schauten sich am Dienstag im Haus am Schlossbezirk um – und sie liehen insgesamt 775 Bücher oder andere Medien aus. Die Chefin der Bibliothek, Kerstin Promnitz, freut sich über diesen starken Andrang: „Er zeigt ja, dass die Leute unser Angebot schätzen.“

Noch ist die Ausleihstatistik des Hauses für das Jahr 2017 nicht fertig, weshalb Kerstin Promnitz auch keine konkreten Daten und Zahlen zu diesem Zeitraum nennen kann. Doch sie weiß aus ihrem Berufsalltag, welche Genres besonders interessieren. „Kriminalromane bleiben beliebt“, sagt sie, „ebenso Reisebeschreibungen und Märchen.“ Einst zeigten vor allem Mädchen Interesse an Fantasy-Literatur, wie sie berichtet. Doch das änderte sich schlagartig, als die Harry-Potter-Romane von Joanne K. Rowling auf den Markt kamen: Plötzlich vertieften sich auch Jungs in die Welt der Zauberer, Kobolde und Elfen.

Ohnehin kamen die Kinderveranstaltungen beim Publikum der Bibliothek stets gut an. Darum führen die Mitarbeiter solche Angebote auch im Jahr 2018 fort. Im März besucht der Fotograf Kai-Uwe Küchler aus Zeuthen die Bibliotheken in Spremberg, Guben, Forst und anderen Orten des Spree-Neiße-Kreises mit seiner Multivisionsshow für Kinder. Sie trägt den Titel „Die Tiere Afrikas“. Ein Programm für Erwachsene präsentiert er auf seiner Tour ebenfalls: „Südafrika. Erleben und Genießen“.

Der Kinderbuchautor Boris Pfeiffer reist wiederum im Mai durch die Bibliotheken des Landkreises. Er wird aus seiner Buchreihe „Die drei Fragezeichen – Kids“ vorlesen, die sich an Schüler der dritten bis sechsten Klassen richtet.

Senioren dürften sich hingegen für einen Vortrag zu elektronischen Lesegeräten wie der Marke „Tolino“ interessieren, der am 14. Februar im Lesesaal der Spremberger Bibliothek stattfinden wird. Denn wie Leiterin Kerstin Promnitz berichtet, nutzen vor allem ältere Menschen die Chance, Bücher über das Internet auszuleihen. „Damit können sie zum Beispiel komfortabler verreisen“, sagt sie. „Außerdem schätzen sie die Technik solcher Geräte, die es ihnen ermöglicht, die Schrift größer zu stellen und mit eingebautem Licht zu lesen.“

Schon jetzt steht der Tourenplan der Bibliothek für die Partnerhäuser im Spree-Neiße-Kreis fest: So planen die Mitarbeiter für den Februar einen Ringtausch von DVDs und Ostermedien in Forst, Guben und Peitz ein. Mit dem Austausch des Buchbestandes in den Bibliotheken des Landkreises beginnen sie im März. Bereits im Spätsommer wappnet sich das Personal für die Nachfrage rund um den Heiligabend. Denn ab September leihen die Besucher Bücher und Filme aus, die sich mit der Weihnachtszeit befassen. „In diesem Jahr verzeichneten wir einen regelrechten Engpass“, erklärt Kerstin Promnitz. „Vor allem für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren stand Anfang Dezember kein Weihnachtsbuch mehr im Regal.“

Solche Erfahrungen der Mitarbeiter sprechen dafür, dass die Kreisbibliothek eine beliebte Institution bleibt – trotz des technischen Umbruchs der vergangenen Jahrzehnte. Cornelia Stabrodt vom Deutschen Bibliotheksverband sagte im Jahr 2016 bei einem Vortrag im brandenburgischen Kulturausschuss: „Es gibt keine Bildungseinrichtung, die sich diesen gesellschaftlichen Herausforderungen so stellen musste wie Bibliotheken.“ Zugleich kritisierte sie die knapp bemessenen Budgets: Es gebe Bibliotheken, die seit Jahren mit dem gleichen Etat auskommen müssen, trotz steigender Preise auf dem Buchmarkt.

Auch die vier Angestellten der Spremberger Kreisbibliothek sehen sich mit dem allgemeinen Sparzwang konfrontiert. Der Spree-Neiße-Kreistag wird bald voraussichtlich erneut darüber beraten, ob die Institution ihren Status behält. Denn momentan steht noch nicht fest, ob der Landkreis den aktuellen Vertrag mit der Bibliothek über das Jahr 2018 hinaus fortführen wird.

Von einer „Neiddebatte“ sprach im Januar 2017 die Spremberger Abgeordnete der Linken, Anita Schreiber, die auch im Bildungsausschuss des Kreistages mitarbeitet: Nach ihren Worten wollen viele Kreistagsabgeordnete der Bibliothek ihren Status aberkennen, weil Guben und Forst auch nur eine städtische Bücherei besitzen. „Ich sehe ohnehin die Gefahr, dass sich das Haus auf lange Sicht kaputtspart und schon dann aus diesem Grund nicht mehr für den gesamten Landkreis arbeiten kann“, erklärte Anita Schreiber damals.