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| 15:54 Uhr

Stadtplanung Spremberg
Spremberg bezieht auch Jobcenter und die Kreisbibliothek mit ein

 Die Eule als Zeichen der Weisheit schmückt den altehrwürdigen Eingang der Berufsorientierenden Oberschule. Für viele Spremberger ist es schwer vorstellbar, dass hier künftig nicht mehr unterrichtet wird.
Die Eule als Zeichen der Weisheit schmückt den altehrwürdigen Eingang der Berufsorientierenden Oberschule. Für viele Spremberger ist es schwer vorstellbar, dass hier künftig nicht mehr unterrichtet wird. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Der Hauptausschuss diskutiert die Quartiersplanung für eine neue Innenstadt. Von Annett Igel-Allzeit

Im effektvollsten Szenarium für Sprembergs Innenstadt würden die Oberschüler von ihrem Denkmal an der Wirthstraße in ein neues Schulhaus auf den Schomberg ziehen. Das City-Center am Markt bekäme im Erdgeschoss den Lebensmittel-Vollsortimenter. Wo seit einem Jahrzehnt das Bürgerhaus steht, könnte Platz für Läden und altengerechtes Wohnen entstehen. Gegenüber der jetzigen Oberschule würden zwei Fachmärkte Kunden anziehen und nebenan die Hälfte Pkw-Parkplätze bleiben. Weitere Stellplätze wären mit einer Neugestaltung des Bereiches Schlossstraße/Bahnhofsstraße denkbar. Dass die Kommunalberater der Cima unbedarft auf die Spremberger Innenstadt geschaut haben, weckte auch im Hauptausschuss am Montagabend Wohlwollen.

Doch das Zwischenergebnis ist einigen Abgeordneten nicht genug. Die Kommunalberater Nils Meyer und Max Burger sollen zur nächsten Stadtverordnetenversammlung eingeladen werden und dann möglichst das Endergebnis vorlegen. Auch die Abgeordneten müssen schnell liefern: Sämtliche Fragen der Fraktionen will die Stadtverwaltung sammeln und der Cima schicken.

Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) bestätigte dem Hauptausschuss, dass der Verwaltung inzwischen vorliege, was die Oberschule – ob an einem völlig neuen Standort auf dem Schomberg oder mit einem Zweitgebäude an der Wirthstraße – an Räumen braucht. Aus ihrer Sicht soll die Quartiersbetrachtung der Cima künftig eine „Richtschnur“ in der Stadtplanung sein – wie das Spremberger Einzelhandelskonzept.

Für die neue Nutzung des denkmalgeschützten Oberschulgebäudes müssten mehrere Varianten auf den Prüfstand. Es könnte Verwaltungsstandort für die Stadt werden. „Zugleich geht es auch um die Themen Bibliothek, Jobcenter und Gesundheitsamt“, sagt Christine Herntier. Alle drei sind kreisliche Einrichtungen. Wie die Bürgermeisterin erklärte, habe es dazu bereits im Vorjahr Gespräche mit der Kreisverwaltung gegeben. „Landrat Harald Altekrüger ist unterrichtet. Handlungsdruck besteht für den Landkreis vor allem beim Jobcenter in Spremberg. Vor anderthalb Wochen fanden dazu Gespräche mit Carsten Billing, Werkleiter des Jobcenters Spree-Neiße, statt.“

Jens-Uwe Winkler (Vereinte Wählergruppen Spremberg) ist das Zwischenergebnis der Cima „zu wenig“. „Am Markt und an der Wirthstraße geht doch noch mehr“, so Winkler. Bauchschmerzen habe er mit der Dezentralisierung der Stadtverwaltung mit einem Teil am Markt im Rathaus und einem Teil im Schulhaus an der Wirthstraße. „Ich befürchte, dass das am Ende wieder nur ein Mehraufwand für die Verwaltung wird“, sagt Jens-Uwe Winkler.

Benny Stobinski (Die Nächste Generation) freut, dass über den neuen Oberschulstandort auf dem Schomberg nachgedacht wird. „Dort kann Schule mal völlig neu aufgezogen werden. Dass wir darüber noch mal in Spremberg nachdenken dürfen, hätte ich nicht zu träumen gewagt“, so Stobinski. Auch weil der jetzige Schulstandort trotz aller Bemühungen nicht vom KLO-Schule-Image wegkomme. Zugleich befürchtet Benny Stobinski aber, dass viele Spremberger sich nicht vorstellen können, dass in der Oberschule etwas anderes laufen kann als Unterricht. „Vielleicht wäre das Haus auch etwas für die Musikschule? Die Nähe zum Busbahnhof hätte sicher Charme“, gibt er zu bedenken. Im Jahr 1905 war das Schulgebäude als Hohe Mädchenschule eingeweiht worden.

Andreas Bränzel will, dass die Öffentlichkeit bei der Quartiersbetrachtung mehr beteiligt wird. Deshalb sollten die Kommunalberater der Cima ihr Ergebnis unbedingt im öffentlichen Teil der nächsten Stadtverordnetenversammlung vorstellen.

Sorgen, dass der Schülerverkehr mit einem neuen Standort zum Problem werden könnte, konnte Vize-Bürgermeister Frank Kulik nicht wegwischen. Aber das müsse untersucht werden, sagt Kulik. „Wenn die einzige Spremberger Oberschule auf den Schomberg zieht, hat der Landkreis einfach die Pflicht, den Schülerverkehr dorthin zu verlegen“, meint Benny Stobinski.

Doch fraglich bleibe, wie groß der Handlungsdruck für den Landkreis tatsächlich ist. Dass die Musik- und Kunstschule „Johann Theodor Römhild“ Spree-Neiße mehr Schüler unterrichten könnte, wenn sie mehr Räume hätte, ist bekannt. Bereits im November hatte Landrat Altekrüger (CDU) Umzugspläne des Jobcenters in Spremberg bestätigt. Als mögliche Varianten nannte er damals das zum Wohnheim umgebaute ehemalige Gymnasium in Spremberg Süd und die Berufsorientierende Oberschule, wo er auf die Entscheidung der Spremberger warte. Gestern Abend tagte der Werksausschuss des Eigenbetriebes Jobcenter. Die Weiterentwicklung der Organisationsstruktur des Eigenbetriebs stand unter anderem auf der Tagesordnung.