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| 16:44 Uhr

Musikschule Spree-Neiße
Auf eine Samba mit Wolfgang Behrendt und Los Krachos

 Für „Los Krachos“ beginnt die Woche schlagkräftig an den großen Trommeln.
Für „Los Krachos“ beginnt die Woche schlagkräftig an den großen Trommeln. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg/Forst. Wolfgang Behrendt pfeift mit der Apito zum Samba. Mit fast 70 begeistert er inzwischen 40 Perkussionisten in Forst und Spremberg. Ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht. Das 13. Festival der Musikschulen hat er fest vor Augen. Von Annett Igel-Allzeit

Der Klavierunterricht ist aus, das Kulturschloss abgeschlossen. Doch mit einem Pfiff aus der Apito, einer dreitönigen Samba-Pfeife, erwacht die Musik- und Kunstschule Spree-Neiße im Schloss am Montagabend kurz nach 19 Uhr noch einmal. Unterm Dach treiben die Surdos voran. Die Timbas halten Schritt. Scharf trifft die Baqueta das Tamborim. Das Chocalho mischt sich aus dem Handgelenk ein. Die Agogos schellen. Und dieser große Rhythmus bringt das Lächeln in zwölf Gesichter.

Geprobt wird montags und dienstags

Seit 2008 begeistert der Cottbuser Wolfgang Behrendt, Schlagzeug-Lehrer der Musik- und Kunstschule „Johann Theodor Römhild“, mit Samba. Verteilt auf Montag und Dienstag in jeder Woche und auf Forst und Spremberg proben unter seiner Leitung drei Gruppen. Angefangen hatte alles unter dem Namen „Com gosto“. „Das heißt so viel wie mit Spaß, mit Freude“, sagt Wolfgang Behrendt. „Los Krachos“ nennen sich die, die nur montags können. Fast 40 Samba-Trommler sind sie inzwischen. Einmal im Monat versuchen sie  alle, gemeinsam zu proben.

Das Parkett im Tanzsaal mit den Spiegeln vibriert. Leichtfüßig zieht Behrend seine Runde – die Apito zwischen den Lippen, die Gurte der Trommel über den Schultern, die schwarzen Sticks in den Händen. Er ist ein Vollblutmusiker, spielte in vielen Bands und Projekten. Und er besteht darauf, dass Mugge mit Doppel-G geschrieben wird. „Ich habe gelesen“, sagt er, „dass es die Abkürzung für musikalisches Gelegenheitsgeschäft sein soll.“ Das gefalle ihm.

Mehr als 100 Trommler begeisterten beim Festival der Musikschulen in Spremberg

Die Initialzündung für Behrendt und einige seiner Mit-Perkussionisten war das 7. Festival der Musikschulen des Landes Brandenburg 2007 in Spremberg. Mit mehr als 100 Trommlern aus dem gesamten Land und der Band „Bell Book & Candle“ wurde vor 7000 Zuschauern auf der Freilichtbühne getrommelt. „Con gosto“ und „Los Krachos“ nun retten mehr als einen Hauch von 2007. Egal, wo sie auftreten, sie reißen mit. Vor der Festveranstaltung zu 40 Jahren Musikschule haben sie vorm Schlosshof die Gäste „zusammengetrommelt“. Auch Sportwettkämpfe begleiten sie. Seit Jahren treiben sie die Schwimmer in der letzten Stunde des Spremberger 24-Stunden-Schwimmens mit Samba-Rhythmen zum Endspurt an. Aber auch zu Geburtstagen und Hochzeiten sagen sie zu. „Ich habe noch keine Lust, zu Hause zu sitzen“, sagt Wolfgang Behrendt und ergänzt leise, als könne er es selbst nicht glauben: „Im nächsten Jahr werde ich 70.“

Akkordeon war Behrendts erstes Instrument

Das Akkordeon war sein erstes Instrument, erzählt er. Dann hat er zur Gitarre gegriffen. Bis er als Schlagzeuger gebraucht wurde. Noah Walloßek, derzeit der Jüngste der „Los Krachos“, hat bei Behrendt Schlagzeugunterricht. „Damit ich noch mehr Rhythmus-Gefühl bekomme, hat er mich in die Montagsgruppe geholt“, sagt Noah. Er spielt Surdo, die große Trommel – wie seine Mutter Anke Walloßek. Sie kann seit 2009 nicht mehr vom Trommeln lassen. „Im Eifer ist mir sogar schon mal der Schlägel weggeflogen“, erzählt sie.

Elke Jurk, seit sechs Jahren dabei, kennt Blasen an den Händen aber sagt auch zu, wenn bei Auftritten gelaufen und die große Trommel getragen werden muss. Zu Hause üben? „Am Anfang schon“, sagt Elke Jurk. Anikó Fekete nickt, oh, ja, sie übe durchaus öfter Agogo – zwei Glocken, die ein Bügel verbindet. „Aber um perfekt zu schlagen, brauche ich doch die Gruppe“, erklärt sie

Mit der Timba verwachsen

Matthias Dubrau wirkt wie verwachsen mit seiner konisch geformten Timba. Er schlägt sie mit den Händen. „Das ist die Trommel, die ich unbedingt spielen wollte. Aber es dauerte ein bisschen, bis ich zu ihr kam. Angefangen habe ich auf der Caixa.“ Wer neu in die Gruppen findet, bekommt zuerst das Instrument, wo Verstärkung gebraucht wird. Dass nicht immer alle Spieler da sind, findet Behrendt nicht schlimm. So können sich auch jene nach vorn spielen, die sonst etwas verhaltener mitziehen. Sabine Schütze erlebt das am Montag: Sie muss die wichtigen Schläge des kleinen Tamborims allein mit Ute Gradert schaffen. Also fordert Behrendt sie trommelnd heraus, macht sie sicherer.

Wichtiger als ein schnelles Tempo ist Behrendt die Schärfe. „Nicht alle, die schnell spielen, sind gute Musiker. Die Schnellen schmieren oft ganz schön“, erklärt er, „in schnellen Titeln müsst ihr trotzdem sauber die  Akzente setzen.“

Der Takt kommt aus den Beinen

Sechs Blätter haben Corinna Fuchs und Anikó Fekete, die Agogo-Spielerinnen, vor ihren Füßen: mit der Einleitung, dem Groove, der das Grundthema vorgibt, und mehreren Breaks. Wie viele Finger Behrendt mitten im Stück hebt, zeigt, welchen Break sie noch einmal wiederholen, wenn das Stück länger dauern darf oder er sie in der Probe noch lockerer haben will.

Sie lauschen und zählen. Auch die Beinarbeit wird diskutiert. Sie hilft, im Takt zu bleiben, erst auf den dritten Schlag zu kommen. Deshalb sind die Trommler individuell in ihren Schritten. Jana Fester ist zum vierten Mal dabei und total überrascht. „Ich spiele kein anderes Instrument – nur diesen Shaker, aber es klappt prima und macht Spaß in der Gruppe“, so die junge Sprembergerin.

Das nächste Festival feiert Spremberg 2020

Mit „Sound City“  werden die Musik- und Kunstschule und Spremberg 2020 wieder ein Festival der Musikschulen des Landes austragen, das 13. übrigens. Mit den Trommlern? Sehr wahrscheinlich. Behrendt lässt einen Trommel-Stick aufs Parkett stupsen wie einen Ball und fängt ihn locker wieder auf. Das habe er mal bei einem Schlagzeuger im Theater gesehen. Dass er allen eine gute Woche wünscht, ist keine Floskel. Sie schwören drauf. Ute Gradert: „Wenn die Woche mal nicht so toll begonnen hat, hier bist du schnell wieder gut drauf.“          

 Anikó Fekete (l.) und Corinna Fuchs sind die Agogo-Spielerinnen von „Los Krachos“. Sie müssen erst auf den dritten Schlag kommen – geduldig wiederholt Wolfgang Behrendt mit ihnen immer wieder die Takte.
Anikó Fekete (l.) und Corinna Fuchs sind die Agogo-Spielerinnen von „Los Krachos“. Sie müssen erst auf den dritten Schlag kommen – geduldig wiederholt Wolfgang Behrendt mit ihnen immer wieder die Takte. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit