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| 19:30 Uhr

Spremberg
Ärger mit neuem Erdbeer-Standort

Die Standortsuche für die Erdbeere in Spremberg endete vorm Blumenhaus Stiller, das aber auch Gemüse aus eigener Produktion anbietet.   .
Die Standortsuche für die Erdbeere in Spremberg endete vorm Blumenhaus Stiller, das aber auch Gemüse aus eigener Produktion anbietet. . FOTO: LRAnnett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Stand musste zu Blumenhaus Stiller umziehen, aber auch Floristmeisterin bietet Gemüse an. Annett Igel-Allzeit

Die Erdbeere, in der Spreewaldbauer Ricken Spargel, anderes Gemüse und Obst verkaufen lässt, hat in Spremberg einen neuen Standort. Nachdem sie einige Jahre am Busbahnhof zu finden war, ist dort im Zuge der Anpflanzungen und Restarbeiten kein Platz mehr. Gerd Schmiedel, Baufachbereichsleiter in der Stadtverwaltung: „Aber der neue Standort an der Ecke Dresdener Straße/Wirthstraße ist nicht neu für die Erdbeere. Am Anfang stand sie dort neben der inzwischen abgerissenen Kaufhalle Mitte, zog dann auf die Fläche gegenüber, bis sie dem Bau der Drogerie weichen mussten und wir den Platz am Busbahnhof gefunden haben. Jetzt ist sie an den ersten Standort zurückgekehrt.“

Mandy Stiller, Inhaberin des Blumenhauses in der Wirthstraße, kann sich nicht erinnern, dass die Erdbeere jemals vor der Kaufhalle stand. „Seit 2004 bin ich hier. Ein Imbiss war da mal“, sagt sie.  Die Entscheidung der Stadtverwaltung enttäuscht sie. Sie hat mehrmals mit dem Rathaus telefoniert. Ernst genommen fühlt sie sich nicht: „Ich soll mein Problem allein lösen.“

Ihr Problem ist, dass an dieser Ecke in der Saison nun gleich drei Händler mit Obst und Gemüse auf Kunden hoffen. „Wie die Erdbeere“, sagt sie, „verkaufen wir im Blumenladen Gemüse aus eigener Produktion. Außerdem steht neben uns seit mehr als 15 Jahren der Spargelstand vom Hornower Aschenbrenner-Hof.“ Für Mandy Stiller ist das „Irrsinn“. Der Ärger, so erzählt sie, habe vier Tage vor Ostern begonnen – eine wichtige Zeit für ihr Geschäft, weil die erste Pflanzzeit beginnt. Aber ausgerechnet vom 26. bis 29. März sei der Parkplatz Wirthstraße/Dresdener Straße gesperrt gewesen. „Kunden und Besucher der Stadt haben uns gefragt, warum man dort derzeit nicht parken kann.“ Mandy Stiller erfuhr auf Nachfrage im Ordnungsamt, dass die Erdbeere aus Vetschau angeliefert werde.

Dass es dann mit dem Spreewald-Spargel zum Osterfest noch nichts wurde, ging durch die Medien. Nach Ostern kam er aber, einer der hundert Erdbeerstände, die Spreewaldbauer Ricken in Südbrandenburg verteilt. „In 20 Minuten stand, wofür der Platz Tage gesperrt war“, sagt Mandy Stiller. Und der Ricken-Mitarbeiter, der das Anliefern der Erdbeere begleitet, kam zu ihr. Ob seine Verkäuferin im Blumenhaus immer die Toilette benutzen könne, wollte er wissen. Mandy Stiller erzählte ihm von ihrem Problem.

Im Hauptsitz in Vetschau sind ihre Bedenken angekommen. Ideal, so das Unternehmen, sei der Standort am Busbahnhof nie gewesen – auch wenn es dort die öffentliche Toilette für die Verkäufer gibt. Wie es sich jetzt an der Wirthstraße entwickelt, bleibt abzuwarten. Aber die Vetschauer sind optimistisch. Freundlichkeit werde groß geschrieben – auch gegenüber anderen Händlern. Man war mit der Stadt Spremberg nicht das erste Mal auf Platzsuche.

Ideen für Standorte hat Mandy Stiller: „Am Bullwinkel zum Beispiel, da steht im Dezember der Wagen mit den Süßigkeiten.“ Auch der Rainer-Scheudeck-Platz sei geeignet. „Das würde die Dresdener Straße im oberen Bereich beleben, worum die Einzelhändler dort seit Jahren kämpfen“, sagt sie.

Damit die Stadt vom Stand profitiert, muss er auf städtischem Gelände stehen. Wie lange die Erdbeere dort bleiben kann, weiß Schmiedel nicht. Der Standort gehört zu einem Bereich, der im Einzelhandelskonzept als Potenzialfläche ausgewiesen ist. „Die Ansiedlung von Einzelhandelsnutzungen mit Priorität bei Fachmärkten (Fachmarktzentrum) kann hier zur Belebung der Einkaufsinnenstadt insbesondere des Abschnitts Dresdener Straße beitragen“, heißt es im Konzept. Aber auch der Oberschul-Anbau soll Platz in der Wirthstraße bekommen.

Dass sich die Sorgen der Floristmeisterin so nicht bestätigen, hofft die Stadtverwaltung. Das sei Marktwirtschaft, und auch der Spreewaldbauer bringe Produkte der Region. „Wenn jemand ein zweites Café neben einem Café errichten will, werden wir dem nicht im Wege stehen“, sagt Schmiedel. Und Stadtsprecher Alexander Adam: „Beobachtet wird doch auch, dass Menschen, die Spargel an der Erdbeere kaufen, noch eine Pflanze von Stillers mitnehmen.“ Mandy Stiller dagegen hofft, dass die Stadt umdenkt und erkennt, wie wichtig die gute Zusammenarbeit mit ihren Einzelhändlern ist. „Wir haben den Mut und den Willen, etwas zu schaffen und zu verändern, damit die Innenstadt belebt ist und attraktiv auch für Touristen wird“, sagt sie. Aber bei ihr sei gerade „alle Euphorie erloschen“.