ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:05 Uhr

Spreetal /Schwarze Pumpe
Kohlenstaub wird weiter geflutet

Bürgermeister Manfred Heine macht sich regelmäßig ein Bild von  der Lage: Er will jetzt vom Landesumweltamt fordern, dass die Kohletrübeseen endlich saniert werden. Noch ist ungewiss, warum der Kohlestaub plötzlich zu brennen begann.
Bürgermeister Manfred Heine macht sich regelmäßig ein Bild von der Lage: Er will jetzt vom Landesumweltamt fordern, dass die Kohletrübeseen endlich saniert werden. Noch ist ungewiss, warum der Kohlestaub plötzlich zu brennen begann. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spreetal . Spreetals Bürgermeister Manfred Heine fordert nach Brand Sanierung der Kohletrübe. Von Annett Igel-Allzeit

Kabelbinder hilft. Nach einem kurzen Ausfall springt die Hochleistungspumpe Technischen Hilfswerkes (THW) wieder an. Die schwarzen Schläuche füllen sich so rasant mit Wasser, dass die Regentropfen von der Schlauchwand spritzen. Einsatzleiter Andreas Heinrich greift zum Handy. Er bestellt ein Gebläse. Das soll die Pumpe aus Riesa, die 25 000 Liter pro Minute schafft, kühlen. Neben 20 kleineren Tauchpumpen helfen zwei 5000-Liter-Pumpen. Die Pumpe des THW Zittau fiel am Vorabend aus und wird abgebaut. „Wir haben uns um Ersatz beim THW Senftenberg bemüht, aber der Ortsverband soll schon beim großen Waldbrand nahe Potsdam helfen. Jetzt schickt uns das THW Borna seine Pumpe.“

Andreas Heinrich ist stellvertretender Dienststellenleiter des THW-Ortsverbandes Bautzen und seit Dienstag in Spreetal. 20 Liegen hat die Berufsfeuerwehr Hoyerswerda ins Feuerwehrdepot Zerre gebracht, ausprobiert hat sie kaum jemand. Seit Montag brennt in einer Tiefe von bis zu acht Metern das nördlichste der vier Kohlenstaubbecken in der Gemeinde Spreetal. Erst sah es für die Feuerwehren wie ein Waldbrand auf 1,3 Hektar aus. Doch als nach dem Ablöschen das Feuer wieder aufflammte und es auch eine Schaumschicht nicht ersticken konnte, wurde das THW um Unterstützung gebeten: Hier brannte kein Wald, sondern eine DDR-Altlast. Die Kohletrübe fällt als Abfallprodukt der Braunkohlenveredlung in Brikettfabriken, Kokereien und Kraftwerken an. Eigentümer der Kohlenstaubseen in Spreewitz ist die insolvente Sustec Schwarze Pumpe GmbH. Uwe Steinhuber, Pressesprecher des Bergbausanierers LMBV, erklärt das Problem: „Kohletrübe hat die Eigenschaft des Weiterschwelens nach einer Entzündung, und sie kann nur schwer gelöscht werden.“

Dass der Gefludergraben, der das gereinigte Abwasser aus der Reinigungsanlage des Industrieparks Schwarze Pumpe zur Spree bringt, an der Kohletrübe vorbei fließt, ist Glück. 120 Kubikmeter Wasser kommen hier pro Minute vorbei. Um den Kohlenstaub zu fluten, entnimmt das THW 50 Kubikmeter pro Minute. Und es hilft. Schossen am Dienstag noch Stichflammen aus Glutnestern und schwelte am Mittwoch über der gesamten Fläche der Rauch, sah Vize-Gemeindebrandmeister Danny Haschick am Freitagmorgen  nur noch eine Brandsäule. Um 40 Zentimeter soll der Wasserstand weiter steigen, rät er. Das dürfte am Wochenende erreicht werden.

Spreetals Bürgermeister Manfred Heine macht sich trotzdem Sorgen. Denn bereits vor zwei Wochen gab es einen Brand. Die Ursache ist nicht bekannt. „Wir fordern vom Landesumweltamt, endlich einen Lösungsweg aufzuzeigen. Abdecken reicht nicht, das muss saniert werden. Bei den Teerseen haben wir das mit der LMBV geschafft“, so Bürgermeister Heine. Gefahr für Menschen, für den Industriepark habe zu keiner Zeit bestanden, sagt Heine. „Aber der Phenol­geruch stach uns sofort in die Nase.“

Ein Tanker bringt Sprit für die Pumpen. 31 THW-Einsatzkräfte waren es in Spitzenzeiten, 15 Berufs-,  Werk- und Ortsfeuerwehren halfen. Ein paar Tage werden sie noch bleiben. Ein Fazit zieht Manfred Pethran, Bautzens Kreisbrandmeister, aber schon jetzt: „Der Spreetaler Einsatz ist ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und THW.“

Andreas Heinrich (THW) schaut nach dem Messpegel, 40 Zentimeter darf der Wasserstand ruhig noch steigen.
Andreas Heinrich (THW) schaut nach dem Messpegel, 40 Zentimeter darf der Wasserstand ruhig noch steigen. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit