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| 16:22 Uhr

SPREE-NEISSE
Landkreis sieht Chancen im Sorbisch-Wendischen

SPREE-NEISSE . Der Strukturwandel betrifft beide „Lausitzen“. Von Annett Igel-Allzeit

Der Landkreis Spree-Neiße, der an der Entwicklungskonzeption (KEK) 2030 arbeitet, will neben Sprache und Kultur die Identität der Sorben und Wenden fördern. Das kündigt Thomas Brase, Sachgebietsleiter für Kreis- und Bauleitplanung, im Ausschuss für sorbische/wendische Angelegenheiten an. Gehörten beim Erstellen des KEK 2020 18 Gemeinden und vier Ortsteile im Kreis zum Siedlungsgebiet, sind es jetzt 20 Gemeinden und sieben Ortsteile. „Obgleich der Landkreis erneut 6000 Einwohner verloren hat“, so Brase, „wollen wir die Infrastruktur halten. Unser Kreis soll lebenswert bleiben.“ Auch für Sorben und Wenden.

Ambitionierter als die KEK 2020 liest sich deshalb der neue KEK-Entwurf: Das Sorbische/Wendische sei „kulturelles Alleinstellungsmerkmal und wichtiger Anker der regionalen Identität“. Es bleibt bei neun Grundschulen und der Oberschule in Burg, die Sorbisch/Wendisch als Fremdsprache erteilen, und drei Grundschulen, die mit dem Witaj-Unterricht zweisprachig in ausgewählten Fächern arbeiten. Neu aufzählen kann Thomas Brase acht Kindertagesstätten, an denen Sorbisch/Wendisch als Sprachangebot auftaucht – neben vielen Kitas, die Bräuche wie Zampern und Vogelhochzeit pflegen. Der Landkreis will laut Entwurf darauf hinwirken, dass bei der Neuerrichtung von Schulen im Siedlungsgebiet Angebote für den Sorbisch-/Wendischunterricht integriert werden. Er will die Schule für niedersorbische Sprache und Kultur in Cottbus weiterhin mit unterstützen, die Museen weiter fördern. Das Sorbisch-Wendische sei als Standortfaktor stärker in touristische Angebote zu integrieren.

Im Strukturwandel will der Landkreis Bemühungen unterstützen, „das Alleinstellungsmerkmal und Know-How als europäische Minderheitenregion im deutsch-slawischen Kontakt zu nutzen.“ Hier wünscht sich Meto Nowak, der als Referent der Landesbeauftragten für die Angelegenheiten der Sorben/Wenden in Brandenburg im Kreisausschuss saß, konkrete Projekte. „Über 200 Arbeitsplätze“, schätzt er, „verdanken wir dem Sorbisch-Wendischen in unserer Region. Das wiegt 600 Jobs, die mit der Blockabschaltung in Jänschwalde wegfallen, nicht auf. Aber wenn wir konkrete Projekte heraus schälen, könnten es mehr werden.“ Überhaupt sollten sich die Sorben/Wenden mehr mit Vorschlägen in die Strukturwandel-Debatte einbringen. Das sieht Karin Tschuck ähnlich. Beide „Lausitzen“ seien vom Wandel betroffen. Sie glaube zwar nicht an einen Stellenzuwachs. Aber um den Erhalt der Stellen müsse gerungen werden. Kleiner Lichtblick: Nach dem Landtagsbeschluss zur Novelle des Sorben-/Wendengesetzes im September hat Karin Kossack, die Sorben-/Wenden-Beauftragte für Spree-Neiße, ab Januar 2019 eine finanzierte Vollzeitstelle in der Kreisverwaltung.