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| 17:31 Uhr

Spree-Neiße
Spree-Neiße hat mit Cottbus Termin zur Kfz-Zulassung

Hier könnten sich die Welzower die neue Zweigstelle für eine Kfz-Zulassungsstelle vorstellen, der Landkreis Spree-Neiße aber nicht.
Hier könnten sich die Welzower die neue Zweigstelle für eine Kfz-Zulassungsstelle vorstellen, der Landkreis Spree-Neiße aber nicht. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spree-Neiße. Kreis braucht Welzows Objekt für Zweigstelle nicht. Von Annett Igel-Allzeit

Unruhig läuft ein Rentner durch den Gang der Kfz-Zulassungsstelle in der Kreisverwaltung in Forst. Er hat kein Sitzfleisch mehr. Vor anderthalb Stunden ist er in der Kreisverwaltung angekommen. Auch draußen an den Parkplätzen ist er bereits auf und ab spaziert. Seine Frau hält mit den ganzen Unterlagen tapfer auf einem der harten Klappsitze aus und beobachtet den Monitor. Seit einer halben Stunde tut sich auf dem Bildschirm nichts mehr. „Mittagspause“, klärt ein Mann unter den Wartenden um den Markenspender auf. Von 12 bis 13 Uhr haben die Mitarbeiter der Zulassungsstelle Mittagspause. Weil in dieser Zeit auch der Automat gesperrt ist, bildet sich kurz vor 13 Uhr ein Schlange am Markenspender. Eine junge Frau hat ihren Salat ausgepackt. Ein Baby wird mit einem klappernden Spielzeug beruhigt. Zwei Senioren aus dem Cottbuser Umland kommen über Fahrradhändler und Radsportgeschichte ins Gespräch. Die meisten Wartenden starren auf ihre Handys, sind trotzdem aufmerksam. „Sie können sich jetzt Ihre Marke holen“, flüstert ein junger Mann seiner Nachbarin zu. Die Autokennzeichen ragen aus seinem Rucksack.

Anfang Dezember 2017 hatte die Kreisverwaltung die Kfz-Zulassugs-Zweigstelle in Spremberg-Sellessen geschlossen. Der Landrat wollte den Mietvertrag zum Objekt nicht verlängern, sondern Kosten einsparen. Spree-Neiße-Bürger, die ein Fahrzeug selbst an- oder ummelden müssen, fahren seitdem in die Kreisstadt Forst. Besonders viel Unmut kommt dazu aus dem Osten und Westen des Landkreises. Lange Anfahrtszeiten  und lange Wartezeiten sind nur an einem Urlaubstag zu schaffen.  

In den Stoßzeiten im Frühjahr haben Bürger bis drei Stunden gewartet, weiß auch Romana Paulick-Güttler. Sie führt seit Dezember 2017 einen Kfz-Zulassungsdienst in Spremberg-Trattendorf. Viermal in der Woche fährt sie nach Forst, um Kfz-Zulassungen für Autohäuser, Firmen und Privatbürger zu erledigen. Von 15 bis 18 Uhr montags bis freitags  können die Bürger mit ihren Anliegen zu ihr kommen.  „Sie müssen mir nur eine Vollmacht unterschreiben. Am nächsten Vormittag erledige ich das und sie bekommen ihre Papiere“, so Romana Paulick-Güttler. Neben Sprembergern haben Welzower und Drebkauer zu ihr gefunden, sagt sie.

Wer am Dienstag gegen 11 Uhr kam, wartete durch die Mittagspause tatsächlich zwei Stunden, wer aber um 13 Uhr seine Marke zog, wartete nur rund 40 Minuten. Im Sommer ebbt der Andrang etwas ab. Sämtliche Mitarbeiter aus Sellessen wurden mit der Schließung nach Forst versetzt, bestätigt Marlies Kulka, Fachbereichsleiterin für Ordnung, Sicherheit und Verkehr. „So konnten wir die Schalterplätze in Forst von fünf auf zehn erhöhen. Auch mit veränderten Öffnungszeiten habe die Kreisverwaltung auf den Unmut reagiert: „Zusätzlich bieten wir jetzt den Mittwochvormittag an, und das wird gut angenommen.“ Auch die Online-Terminvereinbarung, mit der die Kreisverwaltung Wartezeiten vermeiden helfen will, nutzen Bürger, so Marlies Kulka. Und der Landrat habe erste Gesprächstermine mit der Stadt Cottbus vereinbart. Ziel ist, dass Bürger aus den cottbusnahmen Spree-Neiße-Kommunen wie Drebkau, Peitz, Kolkwitz oder Burg die Kfz-Zulassungen auch in Cottbus erledigen können soll. Das anzuschieben, war eines der Wahlversprechen des inzwischen wiedergewählten Landrats Harald Altekrüger (CDU). Dass es Verhandlungen mit Cottbus gibt, darüber hat Harald Altekrüger in der vergangenen Woche auch den Kreisausschuss informiert, nachdem Andreas Petzold, Fraktionsorsitzender der SPD im Kreistag, beantragt hatte, dass der Landrat beauftragt wird, im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit Verhandlungen mit Cottbus über eine gemeinsame Zulassungsstelle aufzunehmen. „Durch die gemeinsame Zulassungsstelle könnte ein Teil des Mehraufwandes für Bürger und Firmen aufgefangen werden“, so Andreas Petzold.

Die Welzower wollten nicht nur meckern, sie haben sich einen Kopf gemacht: Der Landrat sollte auch mit Oberspreewald-Lausitz sprechen, hatten sie vorgeschlagen. Die 30 Kilometer zur Zulassungsstelle Calau wären für die Welzower kürzer als 50 Kilometer nach Forst. Und sie haben ein Objekt, einen leer stehender Lebensmittelmarkt, in dem eine neue Zweigstelle in Welzow eingerichtet werden könnte. Doch zu diesem Vorschlag sagt Marlies Kulka: „Der Landkreis beabsichtigt keine Neuerrichtung, keinen Kauf und auch keine Anmietung eines Objektes für eine Kfz-Zulassungsstelle. Mit der landesweiten Einführung der internetbasierten Kfz-Zulassung – komplett mit Stufe 3 nutzbar ab 2019, der Online-Terminvereinbarung sowie mit der beabsichtigten gemeinsamen Wahrnehmung dieser Aufgabe durch Spree-Neiße und Cottbus sind Maßnahmen umgesetzt und geplant, die das Serviceangebot für den Bürger verbessern.“