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| 17:10 Uhr

Spielmannszug Komptendorf
Spielleute proben für Philadelphia

 Die Stimmung im Trainingslager des Komptendorfer Spielmannszuges in Seifhennersdorf war gut – auch wenn nicht alle im Herbst mit nach Philadelphia reisen können.
Die Stimmung im Trainingslager des Komptendorfer Spielmannszuges in Seifhennersdorf war gut – auch wenn nicht alle im Herbst mit nach Philadelphia reisen können. FOTO: Spielmannszug Komptendorf
Neuhausen/Spree. Gemeinde Neuhausen/Spree erhöht ihre Unterstützung für Komptendorfer Spielmannszug. Von Annett Igel-Allzeit

Die weißen Hosenbeine werden flink umgeschlagen, auch die Ärmel der roten Jacke sind noch zu lang. Doch das stört einen dreijährigen Spielmann nicht: Trommelnd flitzt er über den Rasen. René Weidner, Leiter des Spielmannszuges Komptendorf, schmunzelt, wenn er an die ersten Auftritte der Kinder denkt. „Den Rhythmus haben sie schon im Blut“, sagt er.

Der Komptendorfer Spielmannszug ist ein Aushängeschild für Neuhausen/Spree. Er bereichert Feste, hält den Kontakt zu Spielmanns- und Fanfarenzügen in anderen Bundesländern und im Ausland. Eine Arbeitsgemeinschaft der Laubsdorfer Grundschule sichern die Spielmänner und -frauen ab und stellen dafür ihre aktuellen Vereinsräume zur Verfügung. Nach der Steubenparade in New York 2010 haben sie wieder einen Traum: Sie wollen in diesem Herbst im 40. Jahr ihres Bestehens zur Steubenparade in Philadelphia mit marschieren. Nicht nur der Flug ist teuer, auch die Instrumente müssen vorab verschickt und die Versorgung gesichert sein.

Wohlwollend haben die Gemeindevertreter beschlossen, die 2000 Euro Unterstützung aus dem Gemeindehaushalt auf 5000 Euro zu erhöhen. René Weidner, selbst Gemeindevertreter, freut sich sehr darüber, „Aber wir müssen auf weitere Sponsoren hoffen.“ Nur für 33 der 40 Mitglieder sei die Reise möglich, sagt er. „800 Euro muss aktuell jeder selbst tragen. Das ist besonders schwer, wenn Familien das mehrfach aufbringen müssen“, sagt René Weidner. Auch das Land habe seine Unterstützung für die Reise noch einmal auf 8000 Euro nach oben korrigiert.

Fußball oder Spielmannszug, der Entscheidung hatte sich René Weidner 1982 als Zweitklässler gestellt. Sein Sohn versucht heute Spielmannszug und Feuerwehr unter einen Hut zu bringen. „So ist das bei uns in Komptendorf“, sagt Weidner. Eingestiegen wird meist mit der Trommel und der Querflöte. Aber auch das Spielen des Beckens und der Lyra, ein Metallophon mit lyraförmigem Rahmen, könne früh erlernt werden. „Sie sind anfangs nur etwas schwerer zu tragen“, erklärt René Weidner. Und das Signalhorn, typisch für Spielmannszüge in Ostdeutschland, wird von den Komptendorfern gespielt. Leider stellt sie das Unternehmen, das sie viele Jahre produziert hat, nicht mehr her. Aber aufarbeiten lassen können sie die Hörner zum Glück immer noch.

Im Jahr 1979 wurde der Spielmannszug als Sektion des SV Wacker Rot-Schwarz Komptendorf gegründet. Seit April 2007  sind sie ein eigenständiger Verein. Rund 40 Mitglieder hat er. Nicht alle wohnen in Neuhausen/Spree, sie sind nach Cottbus, Spremberg oder weiter weg gezogen, bleiben aber dem Verein treu. Zudem unterstützen sich die Spielmannszüge Komptendorf und Lauchhammer in der Besetzung und Ausbildung.

Sie haben viele Auftritte: Der Karnevalsumzug in Cottbus, Hexenfeuer in Weißwasser, Stadtfest in Rothenburg, das Heimatfest in Burg stehen jährlich im Programm. Ihre ersten Internationalen Musikfesttage erlebten sie im ostfriesischen Leer und im schwedischen Kristianstad. Ihr eigenes 11. Musikfest werden die Komptendorfer Spielleute  am 23. Juni und damit an jenem Wochenende haben, an dem sie mit dem 100-jährigen Sportverein und der 85-jährigen Feuerwehr ein Jubiläumswochenende feiern. „Seit Jahren pflegen wir Kontakte zu den Polen. In diesem Jahr geht es mit ihnen über die Grenze nach Weißrussland“, erzählt Weidner. Am Meer in Spanien haben sie musiziert und in Süd-Irland. Die Steubenparade 2010 in New York bleibt in Erinnerung – auch weil die große Trommel auf dem Hinflug kaputtging.

Viele Musikstücke haben sie am Wochenende im Trainingslager in Seifhennersdorf geübt. 15 wollen sie in Philadelphia spielen.  Dabei sind „Märkische Heide“, „Matrosenliebe“ und natürlich wieder „Preußens Gloria“. Geplant ist die Reise nach Philadelphia und Washington vom 27. September bis 6. Oktober. Wer den Verein unterstützen möchte, erreicht ihn über www.spielmannszug-komptendorf.de.

 Die Stimmung im Trainingslager des Komptendorfer Spielmannszuges in Seifhennersdorf war gut – auch wenn nicht alle im Herbst mit nach Philadelphia reisen können.
Die Stimmung im Trainingslager des Komptendorfer Spielmannszuges in Seifhennersdorf war gut – auch wenn nicht alle im Herbst mit nach Philadelphia reisen können. FOTO: Spielmannszug Komptendorf