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| 08:43 Uhr

Sie rollen nachts durchs Dorf
Spezialfirma verlängert in Spree-Neiße die Lebensdauer von Straßen

 Bevor Peter Schäfer (l.) hinter das Steuer der Asphaltkonservierungsmaschine klettert, erklärt er Henry Kerstan von der Kreisstraßenmeisterei in Spremberg, was er in seiner Nachtschicht zwischen Klein Loitz und Bohsdorf Vorwerk schaffen will.
Bevor Peter Schäfer (l.) hinter das Steuer der Asphaltkonservierungsmaschine klettert, erklärt er Henry Kerstan von der Kreisstraßenmeisterei in Spremberg, was er in seiner Nachtschicht zwischen Klein Loitz und Bohsdorf Vorwerk schaffen will. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Felixsee. Der Spree-Neiße-Kreis will, dass Straßen länger halten. Eine Spezialfirma konserviert sie jetzt. Von Annett Igel-Allzeit

Gilsonit heißt das Mittel, das Straßen konservieren kann. „Es ist versteinertes Rohöl“, sagt Peter Dutzky. Der Diplomingenier aus Birkwitz bei Pirna erklärt am Dienstagabend in Klein Loitz mit viel Geduld das Konservierungverfahren, das von dem  Unternehmen Possehl Spezialbau auf der Kreisstraße verwendet wird. Derzeit ist er mit seinen Kollegen und dem Thiendorfer Fräsdienst quer durch Deutschland unterwegs. Auf Rügen war er schon, nach Bayern will er in diesem Jahr noch. Es sei nicht nur preiswerter, als neue Asphaltdecken einzubauen, sondern die Asphaltkonservierungsmaschine mit der Walze zieht nachts mit ihrer kleinen Sprühwolke relativ leise über die Fahrbahn. „Nach zwei Stunden ist alles trocken“, sagt Dutzky. Und der allmorgendliche Verkehr könne wieder rollen. So war es in der Nacht vom Montag zum Dienstag auf einer Strecke von 500 Metern im Spremberger Ortsteil Graustein und in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch in Klein Loitz und auf der Ortsverbindung nach Bohsdorf über insgesamt fünf Kilometer.

Seit Juni, so Kreisbaudezernent Olaf Lalk, laufen Vorarbeiten auf den ausgewählten Straßen. Einige Bereiche mussten noch ausgebessert und mehrere Schachtdeckel gehoben werden. Die Einwohner der Dörfer wurden über die Absperrbereiche für die jeweilige Nacht informiert. In den zwei Tagen vorm Einsatz durfte es nicht mehr regnen. Fahrbahnmarkierungen und Schachtdeckel wurden unmittelbar vor dem Einsatz abgeklebt.

Ausgesucht hatte der Landkreis die Straßen gemeinsam mit Peter Dutzky. „Es müssen nämlich Straßen sein, die noch in einem guten Zustand sind. Sinn der Konservierung ist ja, den Zustand durch die Schicht länger zu halten“, sagt Frank Kuckert, der Sachgebietsleiter der Unteren Straßenbaubehörde Spree-Neiße. In sechs bis acht Jahren müsse geschaut werden, ob wieder konserviert werden soll. „Dreimal kann eine Fahrbahn der Konservierung unterzogen werden“, so Peter Dutzkys Erfahrung.

In den USA und in Großbritannien werde die Konservierung von Straße schon viel länger genutzt. Dass jetzt auch Deutschland und vor allem die Kommunen, die sparsam haushalten müssen, den volkswirtschaftlichen Sinn erkennen, begrüßt Dutzky nicht nur aus unternehmerischer Sicht. Spontan, aber öffentlich diskutieren Olaf Lalk, Frank Kuckert und Landrat Harald Altekrüger (CDU) am Dienstag, ob auch Fahrradwege konserviert werden sollten – die, die noch im guten Zustand sind. Aber auch die, die der Landkreis jetzt einer Modernisierung unterzieht. Kein Problem für Peter Dutzky. Er wisse bereits aus Märkisch-Oderland von diesem Thema.

Tatsächlich ist das Fahrzeug, das am Dienstagabend durch Klein Loitz rollt, nicht riesig. In Tanks auf der Ladefläche wartet das Konservierungsmittel. Startet Maschinenführer Peter Schäfer das Gefährt, wird das Mittel fein auf die Asphaltoberfläche gespritzt und dringt bis zu 1,5 Zentimeter in die bestehende Deckschicht der Fahrbahn ein. „Es entsteht also keine Schicht auf der Oberfläche, sondern in der Deckschicht geht Gilsonit eine chemische Verbindung ein und schließt die Aspaltene und Maltene ein. Das verzögert den chemischen und physikalischen Alterungsprozess unserer Straßen“, so Dutzky. Ein Aluminium-Silikat-Splitt wird gleichzeitig abgestreut, um eine hohe Anfangsgriffigkeit für die Autoreifen zu sichern.

Zwei Stunden nach dem Aufspritzen kann die konservierte Ortsverbindung wieder für den Verkehr freigegeben werden. Die „alten“ Griffigkeitswerte stellen sich nach sechs Wochen ein. „Deshalb gibt es für sechs Wochen immer eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 70 Kilometer pro Stunde, wenn wir Autobahnen konservieren. Das haben wir für einen Biker, der sich Sorgen machte, sogar mal richtig ausgetestet“, sagt Peter Dutzky.

Auch Peter Rabe, Bürgermeister von Felixsee, freut sich: „Das ist noch eine schöne Straße, die wir nach der Wende hier bekommen haben. So wird sie uns länger erhalten bleiben“, sagt er. Rabe gesteht aber auch, dass er sich nun wieder etwas bremsen müsse: „Denn an dieser Straße steht öfter der Blitzer.“

 Bevor Peter Schäfer (l.) hinter das Steuer der Asphaltkonservierungsmaschine klettert, erklärt er Henry Kerstan von der Kreisstraßenmeisterei in Spremberg, was er in seiner Nachtschicht zwischen Klein Loitz und Bohsdorf Vorwerk schaffen will.
Bevor Peter Schäfer (l.) hinter das Steuer der Asphaltkonservierungsmaschine klettert, erklärt er Henry Kerstan von der Kreisstraßenmeisterei in Spremberg, was er in seiner Nachtschicht zwischen Klein Loitz und Bohsdorf Vorwerk schaffen will. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit