Es ist kurz nach 11 Uhr am Klein Döbberner Eingang zum Staudamm der Talsperre Spremberg. Eigentlich sollte das Eisentor um Punkt elf für die Gäste des Tages der offenen Tür öffnen.

Doch nichts tut sich. Fast, so könnte man meinen, gleicht die Stimmung jener des 9. November 1989. "Tor auf, Tor auf" ruft jemand leise, und sieben Minuten nach 11 Uhr wird der Wunsch erfüllt. Ein Mitarbeiter des Landesumweltamtes Brandenburg als Betreiberin der Talsperre dreht den Schlüssel herum.

Begeistert laufen die Leute den breiten Weg unterhalb des Staumeisterhauses entlang. Bald ist das Prunkstück der Talsperre erreicht. Nämlich der rund zwei Kilometer lange Staudamm. Den Begriff "Staumauer" will Staumeister Ralf Herkula indes nicht hören. "So etwas gibt's nur im Gebirge", lautet seine schlüssige Begründung. Der Spremberger Damm, geschüttet zu Beginn der 1960er-Jahre, sei in erster Linie ein "Naturprodukt".

Einer der es ganz genau wissen muss, ist ebenfalls vor Ort. Sein Name? Karl-Heinz Bäucker, der Bauleiter für den imposanten Staudamm. In seinem Verdichtungslabor sei zunächst experimentell geprüft worden, ob das Naturmaterial die enormen Belastungen des Wasserdrucks aushalte.

Dann seien für den Aufbau Kies und Lehm von der Westseite der Spree gewonnen worden. "Da muss heute noch ein kleiner Teich als Restloch existieren", glaubt Bäucker. Anfang der 1960er-Jahre stand das Bauwerk jedenfalls. Seine Bewährungsprobe während des mehrjährigen Probestaus habe es mit Bravour bestanden.

Noch heute verspüre der inzwischen 88-Jährige Stolz auf sein Lebensbauwerk. Allerdings klingt dabei ein wenig Wehmut mit. Kein Wunder, verschwand doch im Zuge der Talsperre Bäuckers alte Heimat, die Neumühle. Dort hatte bis zum Jahr 1943 eine Fabrik aus Kiefernholz mittels Wasserkraft der Spree Pappe hergestellt. Heute lebt Karl-Heinz Bäucker im benachbarten Neuhausen.

Apropos Wasserkraft: Bis heute, so erfahren die Besucher am Samstag, ist noch die Originalturbine am Stausee im Einsatz. Das Ein-Megawatt-Unikat war einst bei Germania Karl-Marx-Stadt konstruiert worden. Erzählt zumindest Hans-Dietmar May, der sich fast 30 Jahre lang als Betriebsteilleiter für das Fernwärmewerk Forst für diese alternative Energiequelle verantwortlich zeigte.

May erinnert sich noch gut an die erste und einzige größere Havarie. Die trug sich im Jahr 1968 zu. Damals sei während einer Hochwasserlage das überschüssige Nass durch die Anlage geströmt. "Taue wurden gespannt, damit sich die Monteure daran festhalten konnten", berichtet der Experte. Es habe anschließend Wochen gedauert, bis die Teile abgetrocknet und wieder betriebsbereit waren.

Damals wie heute arbeitet die Talsperre wie am Schnürchen. Allerdings nicht nur in Bezug auf die Stromerzeugung, sondern ebenso beim Hochwasserschutz beziehungsweise der Niedrigwasseraufhöhung. Und das, obwohl das Gesamtensemble bereits seit Jahren saniert wird.

Etwa die Hälfte der Arbeiten sei geschafft, rund 30 Maßnahmen stünden noch bevor, weiß Staumeister Ralf Herkula. Unter anderem müssten die zwei riesigen, sogenannten Fischbauchtreppen saniert werden. Diese dienten der Entlastung der Talsperre bei Hochwasser. Der Wasserstand im Stausee könne während dieser Arbeiten konstant bleiben. Eine Absenkung wie in den vergangenen Jahren sei nicht mehr notwendig.

Die Braunfärbung der Spree sei am Staudamm bislang kein Thema, so der Staumeister weiter. Denn noch halte das Bühlower Vorstaubecken die Eisenhydroxidfrachten aus den Lausitzer Tagebauen auf. Ob dies auch künftig so bleibt, könne derzeit nicht mit Sicherheit gesagt werden. Auf jeden Fall wollten die Fachleute dieses Phänomen im Auge behalten.