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| 18:07 Uhr

Spremberg
Sie lässt die Musik nie los

Daggi Eckert aus Hoyerswerda und Siggi Schulz aus Spremberg machen seit ihrer frühesten Jugend in verschiedenen Bands und Orchestern Musik. Seit dem  Frühjahr 2017 treten sie als Duo ZweiSpiel auf.
Daggi Eckert aus Hoyerswerda und Siggi Schulz aus Spremberg machen seit ihrer frühesten Jugend in verschiedenen Bands und Orchestern Musik. Seit dem Frühjahr 2017 treten sie als Duo ZweiSpiel auf. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Dagmar Eckert und Siegfried Schulz ziehen als „ZweiSpiel“ von Mucke zu Mucke.

„Telefonieren wird nicht passieren. Das, was ich tu‘: Kühlschrank auf und wieder zu.“ Wenn Dagmar Eckert das Lied von Max Raabe singt, klingt das herrlich keck. Seit Mai 2017 probt die Sängerin und Gitarristin aus Hoyerswerda einmal in der Woche mit dem Spremberger Siegfried Schulz – im Duo „ZweiSpiel“. Als Musiker wissen sie mehr als drei Jahrzehnte von einander. Bands und Formationen wie das „Musik-Team“, „Der räudige Heinz“, das Oldie-Trio und der Musikverein „Trachtenkapelle Spremberg“ gehören zu ihren Biografien. Über einem Piano im elfeinhalb Quadratmeter kleinem Musikzimmer hängt das Plakat von „Bellevue“. In dieser Formation spielte er mit Siegfried Kalwack und Andreas Schenker – bis Kalwack, der Stadtmusikdirektor, am 9. Februar 2008 im Alter von 70 Jahren starb.

„Siegfried Kalwack hat mich zur Musik gebracht und es geschafft, dass ich dabei bleibe. Neben seinen musikalischen Fähigkeiten war er pädagogisch einmalig“, sagt Schulz. Sein Start als Musiker stand allerdings zunächst stumm in der Ecke. „Ich war neun. Meine Schwester hatte in der Schule Gitarrenunterricht. Es war ein Schulinstrument, da durfte ich nicht ran. Aber eines Tages griff ich sie mir doch“, gesteht Schulz, nun Rentner.

Dagmar Eckert startete mit der Triola. „Mit diesem kleinen Ding voller bunter Knöpfe habe ich meine Mutter genervt, bis sie mich zur Musikschule geschickt hat.“ Zur Gitarre kam der Gesang und in der neunten Klasse das Klavier. „Hasso Geißler war mein Musiklehrer. Auch so eine Musikerlegende in Hoyerswerda“, sagt Dagmar Eckert. Er starb im Sommer 2017 kurz vorm 90. Geburtstag.

Tanzmusik war besonders anstrengend. Im Orchester hat Schulz Achim Mentzel, Monika Herz, Helga Hahnemann ebenso begleitet wie das Kabarett „Die Hornissen“. Bei zwölf Stunden auf der Bühne in der Hitze seien sie einmal beinahe verdurstet, und Frank Schöbel haben sie verlegen gemacht. Wahrscheinlich sind Spremberger Musiker schuld an Schöbels Hit „Mit mir könn’ ses ja machen“. Auch ein tolles Publikum gab es öfter. „Kalwack war ein Swinger, er hat die Blasmusik swingig gemacht. Rosamunde in vier Tonarten: Die Bläser fluchten, aber das Publikum stand auf den Bänken“, erinnert sich Schulz.

Auf dem Spremberger Heimatfest 2017 waren er und Dagmar Eckert zu erleben, auf dem Weihnachtsmarkt. Bei der „Fete de la musique“ im Juni in Kamenz wollen sie spielen. Meist aber sind es „private Mucken“ wie Hochzeiten und runde Geburtstage, zu denen „ZweiSpiel“ auftritt. „Wir spielen unplugged, covern mit unseren Akustikgitarren und Stimmen Balladen und Songs, wagen alles zwischen Rock und Shanty, erfüllen Wünsche“, so Dagmar Eckert. Sie selbst steht auf Musik der 80er-Jahre. „Man mag die Musik, mit der man aufgewachsen ist“, sagt Siegfried Schulz. Deshalb liebe er die Beatles und allgemein Musik der 60er-Jahre. Mit dem Blättchen fährt er über die zwölfsaitige Gitarre, eine Saite stimmt noch nicht. Nebenbei erklärt er, warum er, der stottert, in einer Ballade wie „Als ich fortging“ einfach davonfliegt. „Darüber haben wir schon in der Berliner Charité diskutiert. Ein Lied ist etwas Einstudiertes. Früher habe ich noch öfter gesungen.“ Neben Bass- und E-Gitarre spielt er Banjo, Keyboard, Akkordeon – auf die Zamperpauke hat er auch schon gehauen. „Ich habe mal versucht, mit der Musik aufzuhören. Das geht nicht“, sagt Schulz. „Ich bekam richtige Entzugserscheinungen.“

Der Fotograf Christian Schicketanz hat Dagmar Eckert und Siegfried Schulz als ZweiSpiel in Szene gesetzt, damit bewerben sie sich für private Mucken wie große Feste.
Der Fotograf Christian Schicketanz hat Dagmar Eckert und Siegfried Schulz als ZweiSpiel in Szene gesetzt, damit bewerben sie sich für private Mucken wie große Feste. FOTO: Christian Schicketanz