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| 17:11 Uhr

Spremberg
Sie wechselt ins Ehrenamt

Melanie Federau (l.) übernimmt im Verbandsbereich  Lausitz der Volkssolidarität den Staffelstab von Geschäftsführerin Lieselotte Meyer.
Melanie Federau (l.) übernimmt im Verbandsbereich Lausitz der Volkssolidarität den Staffelstab von Geschäftsführerin Lieselotte Meyer. FOTO: Carola Krickel
Spremberg. Lieselotte Meyer, 15 Jahre Geschäftsführerin in der Volkssolidarität, versucht den Ruhestand.

Lieselotte Meyer, Geschäftsführerin im Verbandsbereich Lausitz der Volkssolidarität, will es mit dem Ruhestand versuchen.  „Von hundert auf null – das wird nicht gehen“, gesteht die 67-Jährige. „Aber ich will unserer jungen neuen Leiterin auch nicht reinreden.“ Im Mehrgenerationenhaus bei den „Grünschnäbeln“ wolle sie sich ehrenamtlich einbringen – „umsetzen helfen, was ich über Jahre in Konzepte geschrieben habe.“ Und ihr Sohn brauche sie fürs Buchhalterische in seinem Sportcenter.

Buchhaltung hat Lieselotte Meyer als Ingenieurökonomin richtig gut drauf. Als Finanzbuchhalterin holte sie Günter Schimmack 1998 auch in den damaligen Kreisverband Spremberg der Volkssoilidarität. „Die Georgenstraße 37, die in das Eigentum der Volkssoluidarität übergangen war, wurde damals einer Verjüngungskur unterzogen. Mein Arbeitsplatz war neu eingerichtet. Und dass die Heizung ging, war eine große Errungenschaft. Meine Kolleginnen, die vor mir da waren, hatten noch Kohlen rein- und die Asche rausschleppen müssen“, erzählt Lieselotte Meyer.

Im Dezember 1998 wurde das Kontakt-Café eingeweiht. Dann gab es die heftige verbandsinterne Diskussionen um die Vereinsgründung zwischen Landesverband und Kreisverbands-Geschäftsführer Günter Schallert. „Von jetzt auf gleich wurde Günter Schallert suspendiert“, erinnert sich Lieselotte Meyer. Sofort die Geschäftsführung zu übernehmen, dazu war sie nicht bereit. „Ich habe das ein paar Monate kommissarisch gemacht.“ Und dann doch Blut geleckt. „Schallert war eine Persönlichkeit, hatte viele Kontakte. Aber durch das kommisarische Leiten wusste ich plötzlich, dass ich das auch schaffen kann.“ Es gab noch eine Bewerberin – Lieselotte Meyer setzte sich durch.

Die erste Hürde kam schnell. Maßnahmen wie ABM und SAM, die bei der Betreuung und Mittagsversorgung geholfen hatten, fielen weg. Kostenfreie Angebote musste die Volkssolidarität herunterfahren und durch kostenpflichtige Leistungen der ambulanten Pflege ersetzen. „Das war ein schwierigen Prozess mit vielen Gesprächen“, so Lieselotte Meyer.

Die Tagespflege, die es seit 1996 am Mühlenplatz gab, zog 2003 in die Georgenstraße. Auf der Suche nach neuen Fördermöglichkeiten trafen die Spremberger auf die Freiwilligenagentur Cottbus. „Die Idee begeisterte uns. Auf der einen Seite gab es den Pool von Ehrenamtlichen, auf der anderen Seite einen Pool von Bedarfen bei Vereinen und kirchlichen Trägern.“ Lieselotte Meyer beantragte Fördermittel beim Landkreis Spree-Neiße. „Und so waren wir der erste Verein, der in der Region eine Freiwilligenagentur bewilligt und gefördert bekam.“ Heute ist sie die erste Adresse für „Ehrenamtler“, die ihre Zeit fürs Gemeindewohl spenden – ob als Helfer bei großen Veranstaltungen oder Wunschgroßeltern.

Ebenfalls 2005 wurde der Weg für die Fusion des Stadtverbandes Cottbus mit dem Kreisverband Spremberg geebnet. Lieselotte Meyer stellte sich erneut einem Bewerbungsgespräch: „Ich wurde unter drei Bewerbern als Geschäftsstellenleiterin des neuen Regionalverbandes Lausitz ausgewählt.“ Den Hauptsitz nach Cottbus zu verlegen, war ihre Idee. „Ich kenne mich doch. Wäre der Hauptsitz Spremberg geworden, wäre ich nur nach Cottbus gedüst, wenn es unbedingt nötig ist.“ Dass sie 2006 mit 5000 Mitgliedern und mehr als 500 Ehrenamtlichen startete und es heute knapp 2800 Mitglieder und 350 Ehrenamtliche sind, müsse sie nicht kommentieren, findet sie.

Zwei Kindertagesstätten trägt die Volkssolidarität seit 2002 in Cottbus, eine Kita seit 2006 in Spremberg. Beratungen durchzuführen, sei wichtig. Stolz ist sie auf den Mahlzeitendienst. „Wir kochen in Cottbus für Kinder wie Senioren beider Städte und bedienen Senioren in Neuhausen/Spree mit.“ Den höchsten Umsatz  bringen die Sozialstationen – „200 Patienten versorgen unsere Pflegekräfte im Monat in Spremberg und Cottbus“.

Im Januar will sie Melanie Federau, ihre Nachfolgerin, einarbeitet. Dann sei sie ganz für die Familie da und „Ehrenamtlerin“.