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Sie kochte auch für Filmstars

Anna Heidmann liebt Rosen. Zum 101. Geburtstag freute sie sich über viele Sträuße.
Anna Heidmann liebt Rosen. Zum 101. Geburtstag freute sie sich über viele Sträuße. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Terpe. Anna Heidmann gehört zu den Frauen, die ihr Alter gern verraten. Ihren 101. Geburtstag feierte sie, eine geborene Dommann, am Mittwoch in Terpe. Schmunzelnd saß sie neben dem dicken Kachelofen und nippte vorsichtig am Sektglas. ani

Schließlich wollte sie im Verlauf des Nachmittags noch mit vielen Gästen anstoßen. Über die Blumen freute sie sich - sie liebt besonders Rosen. Nicht nur in Terpe ist sie ein Urgestein, auch in Spremberg hat sie eine besondere Zeit erlebt: Im Hotel "Zur Börse", das um 1928 errichtet worden war, arbeite sie als junges Mädchen in den 30er-Jahren, kochte, half bei der Wäsche. Für die Filmstars, die damals im "Deutschen Theater" in Spremberg auftraten und im Hotel logierten, bereitete sie nachts so manches Extraessen zu, erinnert sie sich. Die Strecke von Terpe bis "Zur Börse" sei sie geradelt. "Halb sechs bin ich los, damit ich pünktlich um sechs im Hotel war", sagt sie. "Und nach dem Dienst warteten auf Tante Anna zehn Hektar Land. Das war für diese Region viel - Landwirtschaft mit Schweinen, Rindern, einem Pferd, Gänsen, Hühnern", zählt Neffe Heinz Nowotnick auf.

Mit den ersten Fertighäusern kam der Hamburger Schiffstischler Paul Heidmann in die Spremberger Region. Er ließ sich nicht nur von der hübschen Terpschen festhalten, er kam auch gut mit der Landwirtschaft zurecht. 1943 haben Paul und Anna Heidmann geheiratet. Der Zweite Weltkrieg überschattete ihr Glück. Während Anna Heidmann mit der Familie bis an die Elbe nach Riesa fliehen und zurück in Terpe auf dem geplünderten Gehöft von vorn anfangen musste, konnte Paul Heidmann erst 1948 aus der Kriegsgefangenschaft heimkehren. Kinder waren ihnen nicht vergönnt, aber sie waren ein offenes Haus - auch für die Heidmannsche Schwester mit ihren drei Kindern, die in Hamburg ausgebombt worden war. Fortan arbeitete Anna Heidmann in der Landwirtschaft, in Gärtnereien. Im Rentenalter besuchte sie mit ihrem Mann, der nur 77 wurde, noch dessen Heimat. "Wir waren in Schleswig, an der dänischen Grenze, na, und die Reeperbahn habe ich mir natürlich angeschaut."