ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:49 Uhr

Sellessen/Haidemühl
Sellessens bärtige Weinkönigin

Für viel Gaudi sorgte in diesem Jahr die neue männliche Weinkönigin – Andreas Kordian (Mitte mit schwarzer Perücke) alias „Olga von der Wolga“ beim Selless’ner Winzerfest.
Für viel Gaudi sorgte in diesem Jahr die neue männliche Weinkönigin – Andreas Kordian (Mitte mit schwarzer Perücke) alias „Olga von der Wolga“ beim Selless’ner Winzerfest. FOTO: Arlt Martina
Sellessen/Haidemühl. Das Selless’ner Winzerfest erfreut sich großer Beliebtheit. Gefeiert wird in Haidemühl. Von Martina Arlt

Winzerfeste haben in Sellessen seit Jahrzehnten eine lange Tradition. Viele Leute werden sich noch erinnert, wie damals in der „Linde“ gefeiert wurde. Doch zur Wende kam alles anders. Es dauerte nicht lange und das Gasthaus „Zur Linde“ stand nicht mehr. So fand viele Jahre kein Winzerfest im Dorf statt. Trotzdem gab es andere kulturelle Höhepunkte im Ort, die mit großem Engagement vorbereitet wurden.

Heute steht der Dorfclub Sellessen in erster Reihe, der regelmäßig die alten Traditionen im Ort aufleben lässt. Frank Hoffmann übernahm 2014 den Vorsitz des Dorfclubs, der heute 27 Mitglieder hat. In dieser Runde wird stets gegrübelt, was man wieder beleben oder aus der Taufe heben könnte. So kam den Sellessenern im Jahr 2011 die Idee, wieder ein Winzerfest zu feiern. Gesagt, getan, 2012 ging das erste Fest über die Bühne. „Die ersten zwei Winzerfeste feierten wir in der Sportlerklause Sellessen. Doch der Zuspruch wurde immer größer und so entschieden wir uns für das Dorfgemeinschaftshaus Haidemühl“, sagt Frank Hoffmann. „Heute feiern wir nun zum vierten Mal die lieb gewordene Tradition.“

Um dem Weinfest das richtige Flair zu geben, ziehen die Dorfclubmitglieder alle Register. Weinlauben werden gebaut. Dabei erhielten sie Unterstützung vom Sägewerk Noack, das das Holz für 14 Lauben spendierte. Eine Woche dauerte der Aufbau der Weinlauben in Haidemühl. Nach Absprache mit den Waldbesitzern zogen in diesem Jahr die Kameraden Heinz Vatter, Hardy Kordian, Joachim Baltot und weitere fleißige Helfer der Alters- und Ehrenabteilung der Feuerwehr mit Traktor und Pkw-Anhänger in den Wald, um große Hänger Eichenlaub aus den örtlichen Wäldern zu holen. Mit Weintrauben aus dem eigenen Fundus wurde die Dekoration im Saal von den Frauen verschönert. So war das diesjährige Winzerfest gut vorbereitet. In den Weingott Bacchus verwandelt, begrüßte der 56-jährige Thomas Sanden alle Gäste mit einem Gläschen Wein. Sein Kostüm schneiderte Christina Vatter.

Einzigartig ist in Sellessen die Kür einer männlichen Weinkönigin. In diesem Jahr wurden 15 Herren angesprochen. Am Ende stellten sich nur zwei mutige „Kandidatinnen“ der Aufgabe. RBB-Moderator Hellmuth Henneberg leitete die Wahl. Ein Bewerber war Alois Bonhage. Er stellte sich als Luise Schnatterschnabel vor. Sie ist von Beruf Lastenkutscherin, trinkt am liebsten Hopfenblütentee und schnattert, bis der Arzt kommt. Als Nummer zwei ging Andreas Kordian als bärtige „Olga von der Wolga“ ins Rennen. Wie aus dem Steckbrief zu hören war, wurde sie in der Scheune geboren, ist beruflich als Korkendreherin unterwegs und hat als Haustiere Schweine und eine Meckerziege. Hellmuth Henneberg stellte viele Fragen rund um den Wein. „Drei Themenkomplexe sind an der Tagesordnung. Einmal Fachfragen zum Wein und zum Outfit, das von den Bewerbern natürlich immer sehr fraulich gestaltet wird. Zu guter Letzt muss die männliche Weinkönigin mit einem Herren einen Walzer aufs Parkett legen“, erzählt der Moderator. Am Ende entschied das Publikum in Form eines Applausometers, wer die Nase vorn hat. Der 40-jährige Andreas Kordian wurde schließlich zur Weinkönigin gekürt.

Zur Umrahmung des Festes luden sich die Sellessener Sebastian Schulz mit vielen Weinsorten ein. Die Cottbuser Band „simple back“ sorgte für jede Menge Partymusik. „Es sind wohl die gepflegte Atmosphäre, schöne Tanzmusik und der Wein, die beim Winzerfest so viele Gäste anlocken“, sagt Vereinschef Frank Hoffmann. „Aber auch über neue Mitglieder im Verein würden wir uns sehr freuen.“ Große Unterstützung erhalte der Dorfclub vom Jugendclub und der Feuerwehr. Denn die Vorbereitung des Winzerfestes sei ein gewaltiger Kraftakt. Das Holz der Lauben wird bei Raik Kuhlee eingelagert, um für das nächste Fest gerüstet zu sein.