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| 02:35 Uhr

Selbstkritik in Debatte um Bibliothek

Mehr als 42 000 Medien beherbergt die Kreisbibliothek in Spremberg. Den stärksten Anteil bieten nach wie vor Bücher.
Mehr als 42 000 Medien beherbergt die Kreisbibliothek in Spremberg. Den stärksten Anteil bieten nach wie vor Bücher. FOTO: wr
Spremberg. In der Debatte um die Zukunft der Spremberger Kreisbibliothek rückt Fraktionschef Benny Stobinski (Die nächste Generation) von seiner bisherigen Position ab: Es sei ein Fehler gewesen, die Bibliothek als "Auslaufmodell zu bezeichnen". René Wappler

Ein stetes Ringen um Kompromisse: So sieht Fraktionschef Benny Stobinski die politische Arbeit, im Großen wie im Kleinen. Deshalb zeigt er sich nach seinen Vorschlägen zur Zukunft der Kreisbibliothek selbstkritisch. Noch im Herbst sprach er davon, dass diese Häuser auf lange Sicht obsolet werden könnten, da der Marktanteil elektronischer Lesegeräte und der Bücher zum Herunterladen stetig wächst. Ganz so entschieden äußert er sich inzwischen nicht mehr.

"Wir wollen natürlich nicht, dass die Bibliothek geschlossen wird", sagt Benny Stobinski. "Vielmehr geht es um die Frage, wie wir Geld sparen können, ohne ihren Betrieb zu beeinträchtigen."

So viel steht fest: Um Kürzungen wird die Stadt Spremberg nicht herumkommen. Die CDU-Fraktion hatte sich für den Verkauf städtischer Immobilien und das Umstellen der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik ausgesprochen. Die SPD lehnte als einzige Fraktion die Bewerbung der Kommune für die Landesgartenschau ab: Dieses Ereignis könne sich Spremberg schlichtweg nicht leisten. Die Fraktion der Linken plädierte dafür, den Zuschuss von 250 000 Euro für den Wirtschaftsförderer ASG zu senken oder sogar darauf zu verzichten. Für die Fraktion der Nächsten Generation schlug Benny Stobinski im September vor, den Zuschuss für die Bibliothek auf 93 000 Euro einzufrieren.

Auch wenn er nach Protesten von anderen Kommunalpolitikern und Autoren aus der Region von seiner ursprünglichen Position abrückt, bleibt die Frage nach möglichem Sparpotenzial im Raum stehen. Der Fachbereichsleiter für Kultur im Spremberger Rathaus, Frank Kuhlee, präsentierte während der jüngsten Konferenz des Bildungsausschusses Vorschläge, über die er allerdings sagt: "Es handelt sich hier keineswegs um der Weisheit letzter Schluss, sondern lediglich um eine Diskussionsgrundlage." Eine der Varianten sieht vor, dass künftig nur noch Zuschüsse für zwei statt vier Vollzeitstellen erfolgen. Für die nächste Sitzung des Bildungsausschusses empfiehlt Kuhlee, zwei Gesprächspartner einzuladen: die Fachbereichsleiterin des Spree-Neiße-Kreises, Eva Szramek, und die Chefin der Kreisbibliothek, Kerstin Promnitz.

Bei 307 394 Euro lag der Zuschuss für die Kreisbibliothek im Jahr 2014, wie aus den Unterlagen des Spremberger Rathauses hervorgeht. Davon steuerte der Spree-Neiße-Kreis einen Anteil 145 379 Euro bei. Die Gesamterträge des Hauses beliefen sich auf 175 620 Euro.

Für die anderen Städte im Spree-Neiße-Kreis gestaltet sich das Verhältnis so: Die Bibliothek in Forst erhielt im Jahr 2014 einen Zuschuss von 271 683 Euro. Dieser Summe stehen Gesamterträge von 15 298 Euro gegenüber. In Guben lag der Zuschuss bei 359 184 Euro, als Erträge wurden 16 809 Euro verbucht.

Die Spremberger Bibliothek verzeichnete bei 2831 Nutzern 101 340 Leihvorgänge, das Haus in Forst 1514 Nutzer mit 93 847 Leihvorgängen und Guben 2089 Nutzer, die insgesamt 65 779 Medien ausliehen. Somit lag der Zuschuss pro Nutzer in Spremberg bei 108,52 Euro, in Forst bei 179,44 Euro und in Guben bei 171,94 Euro.

Angesichts dieser Zahlen gibt Kommunalpolitiker Benny Stobinski zu bedenken: "Das Geld, das der Landkreis beisteuert, holt er sich sowieso teilweise über die Kreisumlage zurück." Insofern finanziere Spremberg diesen Anteil über einen Umweg mit. Für den Fraktionschef der Nächsten Generation steht trotz seines Einlenkens in der Debatte fest: "Wenn wir sparen, sollten wir das nicht nur bei den Vereinen der Stadt tun, sondern auch bei Institutionen wie der Bibliothek."

Zum Thema:
Laut einer Analyse der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) könnte im Jahr 2020 jeder zweite Euro für Bücher über das Internet ausgegeben werden - zulasten des stationären Buchhandels, dessen Anteil von 52 Prozent auf 42 Prozent schrumpft.