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Selbsthilfegruppen setzen auf Schutz der Besucher

Norbert Himpel leitet eine der Selbsthilfegruppen.
Norbert Himpel leitet eine der Selbsthilfegruppen. FOTO: wr
Spremberg. Laut Statistik trinkt jeder zehnte Einwohner von Spremberg täglich mehr als zwei Gläser Alkohol – und zählt damit bereits zur Risikogruppe. Allerdings spielen viele Menschen die Gefahr so lange herunter, bis sie tatsächlich suchtkrank sind. René Wappler

Norbert Himpel weiß aus eigenem Erleben, wie solche Biografien verlaufen. Das Verlangen nach Alkohol und Glücksspielen bestimmte sein Leben, bis er in die Abstinenz fand. Heute leitet er eine der Selbsthilfegruppen in Spremberg, in denen suchtkranke Klienten einander unterstützen. Er sagt: "Die Gruppe ist offen für Betroffene, aber wir können auch Angehörigen zur Seite stehen." Dabei berufen sich die Selbsthilfegruppen auf ein festes Regelwerk. Der Besucher darf sich darauf verlassen, dass nichts aus den Gesprächen nach außen dringt: Aus gutem Grund gibt es den Begriff der "anonymen Alkoholiker". Norbert Himpel erläutert: "Das gehört sich auch so, damit die Leute wissen, dass sie bei uns gut aufgehoben sind." Ein weiteres Gesetz lautet: Jeder Teilnehmer lässt den anderen ausreden - und er darf nur von sich erzählen, statt den Umweg über eine neutrale Sprache zu wählen, in der er lieber "man" als "ich" sagen würde.

Viele Gäste der Selbsthilfegruppen erleben es dort zum ersten Mal, dass jemand ein gewisses Verständnis für ihre Situation zeigt. Diese Erfahrung allein kann ihnen schon als Denkanstoß dienen. Eine Publikation des Robert-Koch-Instituts unter dem Titel "Selbsthilfe im Gesundheitsbereich" nennt die Vorteile solcher Gruppen, in denen sich Betroffene miteinander austauschen: Ihr therapeutisches Potenzial besteht demnach in der Überwindung von Isolation, im Wachsen der Bereitschaft, Hilfe anzunehmen und im Lernen von anderen Teilnehmern. Oft passiert dies erst im letzten Moment: Jedes Jahr sterben in Deutschland 74 000 Menschen an den direkten und indirekten Folgen ihres Alkoholmissbrauchs, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilt.

Die Ansprechpartner der Selbsthilfegruppen: Norbert Himpel, Telefon 0174 9897977, und Kurt Kalfirst, Telefon 0172 7977329. Eine Gruppe kommt immer montags um 15 Uhr in der Bücherklause zusammen, die andere ebenfalls montags um 17 Uhr in der Kontakt- und Informationsstelle Selbsthilfe.