| 02:38 Uhr

Seit fast drei Wochen auf nackten Sohlen unterwegs

Tina Reuter ist zurzeit auch barfuß in Spremberg unterwegs.
Tina Reuter ist zurzeit auch barfuß in Spremberg unterwegs. FOTO: ssr
Spremberg. Überall hin barfuß laufen ist für die meisten unvorstellbar. Eine junge Sprembergerin ist seit dem 19. Mai ohne Schuhe unterwegs. Das ist nicht ganz einfach. Doch sie hält durch, denn es ist für einen guten Zweck. Sven Scheffler

Am schönsten ist es im Gras, im Regen angenehmer als gedacht und unangenehm auf Schotter: das Barfuß-Laufen. Die Sprembergerin Tina Reuter hat in dieser Hinsicht bereits einen reichhaltigen Erfahrungsschatz. Seit dem 19. Mai ist sie fast ununterbrochen für den guten Zweck, barfuß in der Welt unterwegs, zurzeit in Spremberg. Die 22-Jährige sammelt mit der Aktion Geld für Kinder in Kenia.

"Am Anfang war es ganz schön gewöhnungsbedürftig, aber jetzt denke ich: Es wird eher komisch, wieder Schuhe anzuziehen", sagt Tina Reuter, die Sozialpädagogik im schottischen Dundee studiert. Dort ist sie in den letzten Monaten ohne Schuhe gelaufen. Das schottische Wetter macht es dem Barfußläufer nicht leicht. "Vor allem Kälte ist ein Problem, wenn die Füße frieren, friert der ganze Körper schnell mit", sagt die Sprembergerin. Deswegen hieß es in den letzten Monaten, ab dem Knöchel aufwärts dicker anziehen. Doch bisher hat sie es ohne Schuhe durchgehalten. Nur auf ihrem Rückweg für die Ferien ins heimische Spremberg musste sie kurz unterbrechen. "Ich habe noch Paris besucht, dort war an einigen Stellen die Verletzungsgefahr doch zu hoch und ich habe meine Notfall Flip-Flops angezogen", sagt Tina Reuter. Die haben ihr dann aber zu schnell Blasen beschert, also ging es doch barfuß weiter. Die Straßen in Spremberg hingegen seien kein Problem.

An ihrem Studienort in Schottland arbeitet sie neben dem Studium mit einer Wohltätigkeitsorganisation zusammen. "Die Organisation bietet einen Online-Kurs an, in dem das Einmaleins rund um die Arbeit für Hilfsorganisationen gelehrt wird", sagt Tina Reuter. Immer wieder werden im Rahmen des Kurses Aufgaben gestellt, die aktuelle lautet: Spenden sammeln.

Die junge Sprembergerin hat sich dafür das Barfußlaufen ausgedacht. Das macht sie so lange, bis sie 1000 britische Pfund zusammenhat, das sind derzeit rund 1400 Euro. Doch Tina Reuter läuft nicht einfach nur barfuß. Wer ihr zehn Pfund spendet, dessen Name ziert für einen Tag Tinas Füße, für 25 Pfund kommt der Name auf den einen und ein Porträt des Spenders auf den anderen Fuß. "Für 50 Pfund gibt es von mir sogar noch ein Souvenir aus Kenia dazu. Kleinere Beträge sind aber auch in Ordnung", sagt sie.

Das Geld kommt Kindern in Kenia zugute. Dort bietet die Hilfsorganisation child.org Kindern, die ihre Eltern durch Aids verloren haben oder deren Familien von Armut zerrüttet sind, Hilfe an. "Das reicht von der Essensausgabe über einen ordentlichen Schlafplatz bis hin zur Hilfe für die ganze Familie", sagt Reuter. Im Juli will sich die Barfüßige-Tina, wie sie auf ihrer Spenden-Internetseite heißt, das Projekt dann vor Ort ansehen. Einen Monat wird sie dafür in Kenia bleiben und helfen.

Die Gründe für ihr Engagement liegen in ihrer Neugier für die Welt. "Ich habe bereits zwei Jahre in den USA verbracht und bin auch sonst viel gereist. Dabei habe ich Vieles gesehen, das ich verändern will", sagt sie. Also entschloss sie sich für das Studium der Sozialpädagogik auf Englisch. Barfuß Spenden zu sammeln ist ein erster kleiner Beitrag für eine bessere Welt. Bis zu ihrem Aufbruch nach Afrika wird sie noch ohne Schuhe in Spremberg unterwegs sein. "Dort ist es dann doch zu gefährlich ohne befestigte Straßen und das Infektionsrisiko ist zu hoch", sagt Tina Reuter.

Mehr Information zum Projekt sowie die Möglichkeit zu spenden gibt es in der Sammelbox beim Spielehaus Reuter in Spremberg oder unter charityapprentice.org/barefoot-tina .