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Seine nächste Radtour führt nach Island

Tom Lange präsentiert seinen kleinen Fahrrad-Talisman.
Tom Lange präsentiert seinen kleinen Fahrrad-Talisman. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Spremberg. Tom Lange scheint vom Nordland-Virus infiziert zu sein. Der Terpsche Extremradler träumt von seiner nächsten Tour in den Norden. In ein Land, in dem Radwege wohl Seltenheitswert besitzen, wie der 34-Jährige vermutet. Torsten Richter-Zippack / trt1

"Mein großer Wunsch ist es, einmal kreuz und quer durch Island zu radeln", sagt Lange. "Mich interessiert dieser unglaublich spannende Gegensatz zwischen Feuer und Eis." Immerhin gebe es auf der Insel, die sich direkt unterhalb des Polarkreises inmitten des Nordatlantiks befindet, eine Ringstraße, auf der es sich ganz ordentlich fahren lasse, wie Tom Lange glaubt. Und wenn nicht? "Mein Rennrad hat auch schon so manche Schotterpiste mitgemacht."

Mit der Realisierung der Reise dürfte es aber weder in diesem noch im nächsten Jahr etwas werden. "Der Hauptgrund ist natürlich das erforderliche Geld", erläutert der 34-Jährige. Er schätzt, dass für den neuerlichen Nordland-Trip zwischen 6000 und 8000 Euro zusammenkämen. Diese stolze Summe wolle schließlich erst einmal gespart sein. Zumal bereits seine Nordkap-Tour im vergangenen Sommer mit rund 4500 Euro zu Buche geschlagen hatte.

Von Mitte Mai bis Anfang August war Lange von seinem Heimatdorf über Dänemark und Norwegen zum nördlichsten Festlandspunkt Europas geradelt und über Finnland und Schweden wieder zurück. "Insgesamt 6411 Kilometer", sagt der schmächtige, großgewachsene Mann nicht ganz ohne Stolz. Allein für die Hintour habe sein Fahrrad genau 2683 Kilometer unter die Reifen nehmen müssen. Trotz mehrerer, teils erheblicher Pannen sei das große Ziel anderthalb Monate nach der Abreise aus der Lausitz erreicht worden. "Mein Zuhause während dieser Zeit war ein 2,20 mal 1,20 Meter großes Zelt. Darin konnte ich gerade einmal halbwegs aufrecht sitzen."

Was der Terpsche, der in Berlin für die Deutsche Bahn arbeitet, von seiner Extremradeltour fürs Leben mitgenommen hat? "Ich bin endlich zur inneren Ruhe gekommen. Kein Stress, keine Hektik, nichts." Heute stehe Tom Lange wesentlich entspannter in der langen Schlange vor der Kasse im Supermarkt. Wahlweise im Wartezimmer seines Arztes. "Ich sehe die Welt nicht mehr so streng, sondern doch einen Tick relaxter."

Dieses Gefühl wolle er nun während der Island-Tour erneut erleben und auskosten. Ob der Lausitzer erneut allein auf die Piste geht, ist noch nicht entschieden. "Klar habe ich als Einzelkämpfer manchen Vorteil. Beispielsweise gibt es keinen Streit über die Route, und ich muss auch sonst keine Rücksicht nehmen. Aber manchmal wäre ein Partner doch nicht ganz verkehrt. Dann ginge die tägliche Arbeit leichter von der Hand." Bislang hat Lange aber noch keinen Interessenten gefunden, der mit ihm aufs Rad in Richtung Island steigen will.

Vielleicht geht er mittelfristig auch mal mit seinem Neffen Piet auf große Radfahrt. Denn mit dem Erstklässler teilt Tom Lange seinen Talisman. "Vor der Skandinavien-Reise hatte ich zwei Ketten mit jeweils einem Anhänger in Form eines Fahrrades gekauft. Eine für Piet, eine für mich. Nach der Tour haben wir die herausnehmbaren Fahrräder getauscht. So kann Piet jetzt sagen, dass sein kleines Fahrrad bereits das Nordkap gesehen hat", erklärt Lange. Seine Kette habe ihm während der Tour jedenfalls viel Glück gebracht.

Und eines scheint bereits heute festzustehen: Dieser geliebte Talisman wird über kurz oder lang auch noch Island zu sehen bekommen.

Im August kehrte Tom Lange von seiner Tour an das Nordkap zurück.
Im August kehrte Tom Lange von seiner Tour an das Nordkap zurück. FOTO: René Wappler