ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:36 Uhr

Schwimmhalle bleibt Problembad

Der Platz der Spremberger Schwimmhalle ist einer von sieben möglichen Standorten für ein neues Hallenbad.
Der Platz der Spremberger Schwimmhalle ist einer von sieben möglichen Standorten für ein neues Hallenbad. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Für die meisten Besucher der Spremberger Schwimmhalle bleiben die technischen Probleme im Gebäude noch unbemerkt. Aber eine Garantie für den weiteren Betrieb will Bäderleiter Michael Biener nicht geben: Das hat er am Montagabend vor den Hauptausschuss-Mitgliedern bekräftigt. René Wappler

Sie diskutierten im Rathaus über die Zukunft der städtischen Bäder - und hatten sich dazu Fachleute eingeladen.

Der Bäderleiter bezeichnet das Dach der Schwimmhalle als eines der drängenden Probleme. "Reichliche Wassermengen haben es in den vergangenen Wochen durchfeuchtet", sagt er. Dieser Effekt zeige sich auch in den Umkleidekabinen und im Saunabereich.

Damit hat der Bäderleiter noch lange nicht alle Mängel benannt. Der Putz bröckelt, Salpeter bildet sich in den Filteranlagen, die Pumpen sind überaltert. "Wenn die Mess- und Regeltechnik ausfällt, haben wir ein weiteres Problem", sagt Michael Biener. "Ohne die Einsatzbereitschaft und Kreativität der Mitarbeiter wären die Ausfallzeiten in der Schwimmhalle schon jetzt höher."

So spricht er von einer "ernsten Situation", zumal eine mögliche Sanierung des Gebäudes bereits seit dem Jahr 2012 im Raum steht. "Wir wissen nicht, wie lange die Halle ohne den Einsatz erheblicher finanzieller Mittel noch offen bleiben wird", warnt der Bäderleiter. "Ich hoffe, sie wird nicht außer Betrieb genommen, ohne dass ein adäquater Ersatz entsteht."

Damit berührt er die aktuelle Debatte um die Zukunft der Spremberger Bäder: Ob sich eine Sanierung der Halle eher lohnt als ein Neubau, darüber zeigen sich die Stadtverordneten uneins. Während die Fraktionen der SPD und der Linken eine Sanierung durchaus in Betracht ziehen, plädiert die CDU für den Neubau der Schwimmhalle. Dabei liebäugeln die Christdemokraten mit dem Kochsagrund als künftigem Standort.

Für welche Variante sich die Kommunalpolitiker auch entscheiden - auf dem Weg dorthin lauern noch einige Gefahren. Darauf weist der Geschäftsführer der Berliner Beratungsgesellschaft für Behörden hin, Hartmut Fischer, den die Hauptausschuss-Mitglieder ebenfalls zu ihrer außerordentlichen Konferenz im Rathaus eingeladen haben. "Sie sind schon in so viele spezielle Fragen eingestiegen, ohne die Grundlagen zu klären", sagt er. "Das ist mein Eindruck, aber so ist es oft bei der öffentlichen Hand." Niemand müsse sich der Illusion hingeben, dass ein Investor in das Schwimmhallen-Projekt einsteigen wird. Denn es handle sich stets "um ein gewisses Zuschussgeschäft", erläutert Hartmut Fischer.

Der Chef der Beratungsgesellschaft für Behörden gibt zu bedenken, dass die größte Chance der Kostenersparnis am Beginn eines Projektes besteht. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben ungefähr 200 Ausschreibungsverfahren für öffentliche Auftraggeber begleitet. "Alle Detailfragen sind kostenrelevant", sagt Hartmut Fischer. "Oft wird mit dem Planen begonnen, ohne zuvor diese Fragen zu beantworten." Er rät dazu, die Mitarbeiter der Bäderbetriebe stark einzubeziehen, da sie am besten wissen, welche Investitionen nötig sind. "Der Standort ist für den Preis nicht so wichtig wie die Rahmenbedingungen", erklärt er. "So ein Projekt lässt sich durchaus innerhalb von zwei Jahren schaffen, wobei die Wirtschaftlichkeits-Untersuchung im Allgemeinen acht Wochen bis ein Vierteljahr dauert."

Zum Thema:
In der nächsten Stadtverordnetenversammlung wollen die Fraktionen darüber abstimmen, ob und in welcher Weise eine weitere Bürgerbefragung zur Schwimmhalle stattfinden soll. Zu diesem vorläufigen Ergebnis führte die Konferenz des Spremberger Hauptausschusses am Montagabend. Nach den Worten der Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) dient eine Bürgerumfrage der Transparenz in diesem Prozess. Der Hauptausschuss-Vorsitzende Andreas Bränzel (CDU) hatte sich dafür ausgesprochen, dass sie noch vor der Bundestagswahl im September stattfindet.