Gerhard Neumann deutet auf den lockeren Bordstein an der Straße zwischen Weskow und Spremberg. "Das muss ich alles fotografieren", erklärt der Mitarbeiter des Brandenburgischen Straßenbauamtes, der am Freitagmorgen mit seinem orangefarbenen Kleintransporter durch den Spree-Neiße-Kreis fährt. "Wir brauchen die Fotos fürs Protokoll."

Tiefe Spuren haben die Ketten der Bundeswehrpanzer auch in der Senftenberger Straße in Spremberg hinterlassen. An der Ecke zum Bergmannsweg ist der Beton aus dem Bordstein gebrochen. Nebenan wohnt Ute Patzelt. Sie berichtet von lärmenden Militärfahrzeugen, die in dieser Woche an ihrem Fenster vorbeifuhren. "Wir rannten gleich nach draußen, um zu sehen, wo der Krach herkommt - und dann sahen wir die Panzer."

Ähnlich erlebte es Bärbel Haubold aus der Weskower Allee. "Gleich zwei Mal kamen die Kolonnen am Mittwoch durch unsere Straße", sagt sie. "Einmal sogar kurz vor Mitternacht. Tieflader, Panzer, Versorgungsfahrzeuge, die ganze Bandbreite."

Dabei hatte Presseoffizier Sébastien Isern vor einer Woche noch angekündigt: "Alle Teilnehmer an der Großübung werden selbstverständlich sämtliche gesetzlich vorgeschrieben Auflagen zum Schutz von Natur und Umwelt strikt einhalten und bei der Nutzung von Straßen, Wegen und Einrichtungen größte Sorgfalt und Umsicht walten lassen." Nun steht jedoch die Frage im Raum, ob die Straßen der Spremberger Region überhaupt für so schwere und breite Fahrzeuge geschaffen sind.

Sowohl auf der L 47 als auch auf der L 48 hat Gerhard Neumann vom Brandenburgischen Straßenbauamt am Freitagmorgen Schäden an den Fahrbahnen entdeckt. "Das wird wohl eine schöne Preisfrage", sagt er - und meint damit: Irgendjemand muss wohl die Reparatur bezahlen.

In aller Regel gilt in solchen Fällen das Verursacherprinzip: Die Mitarbeiter des Rathauses sammeln alle Hinweise zu den beeinträchtigten Straßen und reichen sie dann weiter. Nach Angaben des Bundesamtes für In fra struktur, Umweltschutz und Dienstleistungen kam die Bundeswehr schon in der Vergangenheit nach Manövern für ähnliche Schäden auf, wenn sie tatsächlich von ihr stammten. Zudem gibt es einen Schadensoffizier, der die Truppe bei ihrer Übung begleitet und jeden Fall protokolliert.

Gerd Preußing aus Weißwasser war der Panzerkolonne auf ihrem flotten Marsch durch Krausch witz mit seinem Auto begegnet. "Das war schon verdammt eng für mein Auto", schildert er. Wie ist es erst, wenn sich ein vier Meter breiter Panzer-Koloss und ein Schwerlaster auf dieser nur 6,15 Meter schmalen Straße begegnen? Patrick Jurk aus Krausch witz hat das beobachtet. Einigen Lkw blieb nichts anderes übrig, als schnell auszuweichen. Dafür ging es über Bordsteinkanten und Gehwegsbegrünungen.

Die Deutsch-Französische Brigade mit Sitz im badischen Müllheim ist der weltweit einzige binationale militärische Großverband. In der Brigade versehen Angehörige der Bundeswehr und des französischen Heeres gemeinsam ihren Dienst, heißt es in einer Pressemitteilung. Ihre diesjährige Großübung mit dem Namen "Feldberg" findet noch bis zum 22. März in Sachsen statt. An der Übung nehmen mehr als 2100 deutsche und französische Soldaten mit rund 400 militärischen Fahrzeugen aus allen Truppenteilen der Brigade teil.