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| 02:40 Uhr

Schwarzheide produziert wieder Glyzerin

Aus Biodiesel ist Zeppoil Schwarzheide geworden. Nach einer etwa zweijährigen Pause rollen die Tanklaster wieder. Geschäftsführer Michael Grosske (M.) ist hier im Gespräch mit Betriebsleiter Uwe Kaubisch (l.) und dem Technischen Leiter Bernd Becker.
Aus Biodiesel ist Zeppoil Schwarzheide geworden. Nach einer etwa zweijährigen Pause rollen die Tanklaster wieder. Geschäftsführer Michael Grosske (M.) ist hier im Gespräch mit Betriebsleiter Uwe Kaubisch (l.) und dem Technischen Leiter Bernd Becker. FOTO: Steffen Rasche
Schwarzheide. Flaggenwechsel in Schwarzheide. Zwei Jahre, nachdem der Schweizer Mutterkonzern Biopetrol Industries AG die Biodiesel-Produktion an seinem Lausitzer Standort stillgelegt hatte, wird dort wieder gearbeitet. Das tschechische Unternehmen Zeppoil aus Prag stellt hier vorerst ausschließlich höherwertiges, technisch raffiniertes Glyzerin her. Manfred Feller

Am ehemaligen Biodiesel-Standort in Schwarzheide wird wieder produziert. Und das nicht probehalber, sondern bereits mit voller Leistung. "Wir arbeiten rund um die Uhr in drei Schichten", sagt Geschäftsführer Michael Grosske. 19 Beschäftigte stehen wieder in Lohn und Brot. Beim Biodiesel-Hersteller waren es bis zu dessen Schließung Ende Juni 2011 noch mehr als 30 von vormals etwa 55.

Zeppoil, eine Partnerfirma des tschechischen Chemieunternehmens Spolchemie mit Sitz in Usti nad Labem, sei es gelungen, trotz des langen Stillstandes die alte Belegschaft zu großen Teilen wieder zu verpflichten. Die Frauen und Männer seien zurückgekehrt, obwohl sie in anderen Arbeitsverhältnissen standen.

Während vor dem Kauf durch Zeppoil vornehmlich Biodiesel hergestellt worden und Glyzerin ein Nebenprodukt war, konzentriert sich das neue Unternehmen zunächst voll auf die Herstellung von höherwertigem, technisch raffiniertem Glyzerin. Dieses werde komplett zum Hauptstandort von Spolchemie nach Usti transportiert. Dort werden synthetische Harze und Farben hergestellt.

"In Schwarzheide haben wir bereits 100 Prozent der Kapazität erreicht. Das sind etwa 90 Tagestonnen", so Michael Grosske. Täglich rollen etwa fünf Tanklastzüge mit zugekauftem Rohglyzerin aus Deutschland und anderen europäischen Ländern nach Schwarzheide, während vier Tanker mit dem fertigen Produkt auf die Reise nach Tschechien gehen.

Doch damit sei die Entwicklung an dem Lausitzer Standort nicht beendet, versichert der aus Hessen stammende 45-Jährige Geschäftsführer. "Wir haben die feste Absicht, hier wieder die Biodieselproduktion aufzunehmen", blickt er voraus. Damit solle sich die Kostenbilanz in Schwarzheide verbessern.

Biopetrol Schwarzheide war, wie es damals hieß, "aus unternehmerischen Gründen" geschlossen worden, als der Biodiesel-Absatz auch aufgrund der Wirtschaftskrise nicht mehr die Wunschmengen erreicht hatte. Die teuren Anlagen in Schwarzheide, erst 2002 in Betrieb genommen, wurden Mitte 2011 nicht verschrottet beziehungsweise demontiert und verkauft, sondern "sehr gewissenhaft abgefahren und konserviert", wie Grosske betont. Der Schwarzheider Standort gehörte da bereits dem weltweit führenden Rohstoffhandelskonzern Glencore. Die Schweizer machten Schwarzheide zugunsten ihrer Standorte in Rostock und Rotterdam wegen der dortigen Überseehäfen dicht. In der Biodieselanlage blieben jedoch ständig zwei Mitarbeiter zur Überwachung. Ein baldiger Verkauf war das Ziel.

Da fügte es sich, dass die tschechische Spolchemie ihre Glyzerinkapazitäten ausbauen musste - entweder durch eigene Investition oder den Kauf einer Produktionsstätte. Das Angebot von Glencore, den Tschechen nicht unbekannt, wurde schließlich angenommen und Schwarzheide erworben.

Das war im September 2013. Der langwierige Prozess der Wiederinbetriebnahme dauerte bis Dezember.