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| 14:27 Uhr

Detektiv-Arbeit in Schwarze Pumpe
Forscher stehen vor einem Rätsel

Trotz eines Ermittlungsaufwands wie im Krimi bleibt Ursache von schwarzem Staub unklar. René Wappler

Wie die Labor-Detektive in amerikanischen Fernsehserien haben Fachleute den dunklen Staub analysiert, der in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Grundstücke in Schwarze Pumpe herabrieselte. Anders als in einem herkömmlichen Krimidrama bleibt die Ursache jedoch rätselhaft – obwohl alle Finessen moderner Technik zum Einsatz kamen. So sagt Jens Höhna von der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag): „Wir haben Arbeit gemacht, die sonst nur Kriminologen vorbehalten bleibt.“ Das Ergebnis stellte er am Donnerstagabend in der Schule in Schwarze Pumpe vor, wo der Ortsbeirat tagte.

Kleine Messbecher hatten die Einwohner auf ihre Fensterbretter gestellt, in die der Staub nach und nach rieseln sollte. So wollten die Leag-Mitarbeiter der Ursache auf den Grund gehen. Denn seit dem Jahr 2009 beklagen sich Menschen aus dem Spremberger Stadtteil darüber, dass der Staub ihre aufgehängte Wäsche verdreckt, dass er das Wasser in ihren Pools dunkel einfärbt.

Jens Höhna arbeitet als Immissionsschutzbeauftragter für die Leag. Deshalb interessiert ihn ebenfalls, ob der Staub aus dem benachbarten Industriepark stammt, wie es viele Einwohner vermuten. „Wir können aber nur unsere eigenen Anlagen untersuchen“, sagt er. Darüber existierten bereits fünf Messpunkte im Gebiet des Industrieparks, die im Dezember 2016 um vier weitere Stellen erweitert wurden. „Auf diese Weise konnten wir auch ringsum eine Beurteilung vornehmen“, erläutert Jens Höhna.

Das Ergebnis dürfte die Einwohner fast so ratlos zurücklassen wie zuvor. Die Monatsmittelwerte aller Messpunkte liegen laut Analyse auf dem üblichen Niveau. So fanden die Fachleute in den Proben Straßenstaub, der sich nach den Worten des Immissionsschutzbeauftragten jedoch in dieser Konzentration „überall in Siedlungsgebieten ansammelt“. Eine Gesundheitsgefahr besteht demnach nicht.

Dabei kamen die Proben sogar unter ein Rasterelektronenmikroskop, das selbst kleinste Bestandteile aufspüren kann. Eine Straßenstaub-Probe enthielt vor allem Quarz, Gips, Feldspat, Glimmer, Salze und Eisenoxid. In einem weiteren Messbecher, aufgestellt auf dem Fensterbrett einer Familie aus Schwarze Pumpe, sammelten sich nahezu die gleichen Elemente. So lautet das vorläufige Fazit des Leag-Mitarbeiters: „Wir haben nichts Ungewöhnliches gefunden, obwohl wir die Proben in wesentlich kleinere Bestandteile als ein Haar zerlegen konnten.“

Trotz des unbefriedigenden Ergebnisses schätzen viele Einwohner des Spremberger Ortsteils den Einsatz der Leag. So sagt Ortsvorsteher Göran Richter (SPD): „Das Unternehmen ist uns hier wirklich entgegengekommen.“ Dafür spricht auch die Zahl der Bürgertermine zu diesem Problem in Schwarze Pumpe. Im Dezember 2016 stellten die Leag-Fachleute dem Ortsbeirat öffentlich ihren Plan zur Analyse vor. Danach besuchten sie immer wieder Grundstücke, um die Proben einzusammeln. Auch eine Drohne kam zum Einsatz, um mögliche Staubreste auf tauendem Schnee mit Fotos zu erfassen.

Einmal, am 30. April 2017, sah es fast so aus, als ließe sich der Staub endlich eindeutig zuordnen. Denn ein Nachbar des Industrieparks berichtete von einem „Geruch wie nach verbrannter Pappe“. Sofort untersuchten die Leag-Mitarbeiter das beschriebene Phänomen – und kamen zu dem Resultat: Wahrscheinlich stammt der Geruch vom Hexenfeuer in Zerre, zumal zu diesem Zeitpunkt mäßig starker Ostwind herrschte.

Für die Leag ist das Programm mit dieser Analyse vorerst abgeschlossen, wie Jens Höhna berichtet. 92 Proben seien mittlerweile erfasst und ausgewertet. Die Belastung durch Staub in Schwarze Pumpe pegele sich auf dem üblichen Niveau für ein solches Wohngebiet ein. Als „hauptsächliche Störquelle“ bezeichnet der Immissionsschutzbeauftragte den Lastwagenverkehr, der durch Schwarze Pumpe fährt. Zugleich bestätigt er die Beschwerden von Einwohnern über Fahrer, die Zwangspfeile ignorieren.

Ähnlich äußert sich Ortsvorsteher Göran Richter: Die entscheidende Frage laute, wie sich der Lastwagenverkehr „so weit wie möglich aus dem Ort heraushalten“ lasse, merkt er an. „Darüber sollten wir uns jetzt vor allem Gedanken machen.“