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| 19:51 Uhr

Elektromusik in Schwarze Pumpe
Das Kraftwerk als DJ-Kulisse

 Die drei DJs Marcel Täubert, Marc Paprott und René Haase am Set im Kühlturm. Dieser Ort ist sonst für keinen Besucher zugänglich.
Die drei DJs Marcel Täubert, Marc Paprott und René Haase am Set im Kühlturm. Dieser Ort ist sonst für keinen Besucher zugänglich. FOTO: LR / Anja Hummel
Schwarze Pumpe. Für ein Video legen drei Musiker Elektromusik in einem Kühlturm des Kraftwerks auf.

Ganz verdutzt schaut Industriekletterer Uwe Steimann auf das Mischpult. „Was macht ihr denn hier?“, fragt der Mann, der gerade seine Kontrollarbeiten erledigt und die Außenleiter des 140 Meter hohen Kühlturms hinunter geklettert ist. „Wir machen Musik“, sagt Marcel Täubert. Während Uwe Steimann gerade Betonschale und Beschichtung des gigantischen „Schornsteins“ überprüfte, haben drei DJs aus dem Raum Weißwasser ihr Mischpult aufgebaut – wäre der Kühlturm in Betrieb, würden sie im dichten Nebel verschwinden.

Der Gig als einmalige Gelegenheit

Wo sonst Waschmaschinenatmosphäre herrscht und Rauchgase über riesige Stahlrohre abgeleitet werden, drehen Marc Paprott, Marcel Täubert und René Haase am Plattenteller. Ihr Projekt, mit dem sie ihre Liebe zur Heimat und die Leidenschaft zur Musik miteinander verbinden, nennen sie „Lausitzer Kult am Pult“. Elektromusik an spektakulären Orten, das ist ihr Credo. Sie waren schon in der Energiefabrik Knappenrode, am Bärwalder See, auf dem Flugplatz in Bautzen. Doch mit dem Zugang zum „Riesen-Schornstein“ haben sie einen großen Coup gelandet. „Normalerweise ist der Kühlturm für niemanden zugänglich“, sagt Kerstin Schilling. Als langjährige Kraftwerksmitarbeiterin betreut sie Kunstprojekte jeder Art. Sie war es auch, die die DJ-Idee im gigantischen Kühlturm auf den Tisch brachte. „Der Turm ist aktuell außer Betrieb, es stehen Wartungen an“, sagt die Kraftwerksexpertin. Das passiert nur alle paar Jahre. Die perfekte Gelegenheit für solch einen Gig.

Aufzeichnung für Facebook

Nach drei Stunden Aufbau und Vorab-Videoaufnahmen geht es los. Es ist 14 Uhr als sich Marc Paprott hinter dem Pult positioniert. Er dreht den Regler nach oben, die Klänge des Fatboy Slim-Klassikers „Praise you“ wummern durch den Turm. DJ-Kollege Marcel Täubert sitzt entspannt auf einem Campingstuhl vor einem Laptop. Er kontrolliert den Sound. Während sich die Platten drehen, fangen vier Kameras unterschiedliche Perspektiven ein. Denn außer den DJs und Kraftwerksmitarbeiterin Kerstin Schilling bekommt von dem Set – zumindest live – niemand etwas mit. Aber: „Wir zeichnen wie immer alles auf. Der erste von insgesamt drei Streams wird am Sonntag auf Facebook online gehen“, kündigt Marcel Täubert an. Vorab haben die DJs Geländeaufnahmen mit der Drohne gemacht. René Haase ist überwältigt: „Das ist ein Wahnsinnsbild“, blickt er ungläubig hinüber zum Mischpult. Das Equipment ist auf einer Holzplatte platziert, die von zwei Böcken gestützt wird – mitten auf einem Weg, schlammig und rutschig vom letzten Regenschauer, der sonst nur zu Kontrollgängen genutzt wird.

Das Kraftwerk als Leuchtturm der Region

„Wir unterstützen das Projekt, weil die DJs damit die Lausitz präsentieren. Und die ist schließlich auch geprägt durch die Kohle“, sagt Kerstin Schilling. Mit den markanten Bauwerken gehöre auch das Kraftwerk zu den Leuchttürmen der Region. „In der Lausitz gibt es moderne Technik, die Strom erzeugt, den wir alle täglich benötigen und abfordern“, betont sie die Relevanz für die Region.

Nach dem Highlight im Kraftwerk soll es im Juli weitergehen. „Wir haben uns noch nicht entschieden. Kulturinsel Einsiedel, Rostiger Nagel bei Senftenberg oder Waldeisenbahn Muskau könnten wir uns vorstellen“, sagt Täubert. Schon dingfest: Ihr Auftritt im Schloßpark Uhyst zum großen Oldtimertreffen im August. Und im September legen die Jungs bei Nacht auf Hoyerswerdas größtem Haus, dem Lausitzto­wer, auf.

 Kerstin Schilling aus dem Kraftwerk Schwarze Pumpe vor dem 140 Meter hohen Kühlturm, in dem drei DJs ihre Musik auflegen.
Kerstin Schilling aus dem Kraftwerk Schwarze Pumpe vor dem 140 Meter hohen Kühlturm, in dem drei DJs ihre Musik auflegen. FOTO: LR / Anja Hummel