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Schulsozialarbeit wird auf Kosten der Jugendarbeit ausgebaut

Spree-Neiße. Für Entrüstung hatten Änderungen bei der Jugendarbeit schon vor der Sitzung des jüngsten Jugendhilfeausschusses gesorgt. Die ursprüngliche Planung des Landkreises sah vor, ab 2018 bei zwei Jugendtreffs der Stadt Spremberg Personal abzuziehen. kkz/slu

Auch für andere Kommunen war im Anhang der Vorlage detailliert aufgeführt, bei welchen Einrichtungen und Projekten Stellen wegfallen sollten.

Grundsätzlich will der Landkreis bei der Förderung der Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und Familienarbeit neue Schwerpunkte setzen, erläutert Manfred Thuns (Fachbereichsleiter Kinder, Jugend und Familien). Grundsätzlich soll die Schulsozialarbeit ausgeweitet werden. Diesen Grundsatz tragen die Ausschussmitglieder, Elterninitiativen sowie die Städte und Gemeinden mit. "Wir müssen bereits an den sozialen Spannungen in den Grundschulen arbeiten", sagt Steffen Krautz (SPD). Ab 2018 sollen deshalb für Jugendarbeit und Schulsozialarbeit gleich viele Stellen zur Verfügung stehen. Bei der Familienarbeit bleibt die Gewichtung gleich. Bisher gab es 50 Prozent für die Jugendarbeit und jeweils 25 Prozent für Sozialarbeit in den Schulen und Familien.

Um das gesetzte Ziel umzusetzen, sollen im gesamten Landkreis Spree-Neiße zehn zusätzliche Stellen bei der Schulsozialarbeit geschaffen werden. 4,5 davon würden ab 2018 - so entsprechende Mittel im Kreishaushalt eingestellt werden - neu geschaffen. Die Mittel für die übrigen 5,5 Stellen sollen bei der Jugendarbeit abgezogen werden. Der Fachbereichsleiter erläutert im Ausschuss, dass diese Umverteilung möglich sei, wenn man die Angebote der Jugendarbeit der demografischen Entwicklung anpasst.

Tatsächlich hat sich die Zahl der Zehn- bis 18-Jährigen in allen Städten und Kommunen des Landkreises reduziert. Im Jahr 2000 waren es noch 17 304 Kinder und Jugendliche. 2015 ist die Zahl auf 7175 gesunken und wird sich nach aktuellen Prognosen auf rund 7120 im Jahr 2020 einpegeln.

Betroffen von den Kürzungen im Bereich der Jugendarbeit sind vor allem die Städte Guben und Spremberg. Hier fallen zugunsten der Schulsozialarbeit zwei beziehungsweise drei Stellen in der Jugendarbeit weg.

Kritik an der Planung gibt es vor allem aus Spremberg und Forst. Die Städte und einzelne Träger der Jugendarbeit fühlen sich nicht ausreichend in die Planung des Jugendhilfeausschusses einbezogen. Kritisiert wurde von den Forstern, dass ihre Kritik zum Thema offenbar nicht beim Landkreis angekommen war.

Nach Auskunft von Andreas Kaiser, Fachbereichsleiter Bildung und Soziales der Stadt Forst, habe die Stadt vier Aussprachen mit Manfred Thuns mit immer denselben Kritikpunkten gehabt, die jedoch nicht angenommen wurden. Manfred Thuns erläuterte im Jugendhilfeausschuss, dass man mit den Kommunen erst über die Umsetzung sprechen würde, wenn der Plan verabschiedet ist. Dies gelang am Montag einstimmig, nachdem der Beschluss parteiübergreifend geändert wurde. Die Ausschussmitglieder legten übereinstimmend fest, dass die Kommunen selbst entscheiden, welche Projekte und Träger mit wie viel Personal in der Jugendarbeit tätig sein werden.

Zum weiteren Ablauf erklärte der Fachbereichsleiter: Die bestehenden Leistungsvereinbarungen bei der Schulsozialarbeit und der Jugendarbeit werden zum 30. Juni gekündigt und enden am 31. Dezember 2017. Ziel sei es, bis zum 31. Oktober gemeinsam mit den Kommunen und den Trägern neue, ab dem 1. Januar 2018 gültige Leistungsvereinbarungen abzuschließen, damit alle fürs kommende Jahr Sicherheit haben.

Die Finanzierung der einzelnen Personalstellen erfolgt weiterhin gemeinsam durch Landkreis und Kommune. 75 Prozent der Kosten übernimmt der Kreis, 25 Prozent steuern Stadt, Amt oder Gemeinde bei. Wobei die Familienarbeit weiterhin zu 100 Prozent durch den Landkreis finanziert wird. Der Landkreis muss in den beiden kommenden Jahren für die zusätzlichen Stellen jeweils 83 000 Euro bereitstellen.

Zusätzlichen finanziellen Spielraum biete der neue Plan den Kommunen, erklärt Dezernent Hermann Kostrewa. Die Kreisverwaltung habe errechnet, dass Spremberg 50 000 Euro, Forst und Guben jeweils 30 000 Euro geringere Ausgaben im Bereich Jugend- und Schulsozialarbeit haben. "Mit diesen Mitteln könnten sie diesen Bereich nach eigenen Wünschen aufstocken", sagte er den Ausschussmitgliedern.

Im Forster Kultur- und Sozialausschuss wurde ebenfalls am Montag über die Abstimmung im Jugendhilfeausschuss diskutiert. Der geänderte Beschluss, wonach nun nicht mehr vom Landkreis vorgegeben wird, welche Stellen in der Jugendsozialarbeit gestrichen werden, wurde parteiübergreifend positiv beurteilt.

Es sei jedoch nicht als Entwarnung zu bewerten, sagte Verwaltungsvorstand Sven Zuber. Der Landkreis werde die Kündigung der Stellen trotzdem aussprechen, nun liege es an den Verhandlungen zwischen Stadt und Landkreis, wie die Verteilung aussehen könnte und wie neue Verträge geschlossen werden können.

In Forst war vor allem der Nix-Verein, der unter anderem Streetwork in Forst betreibt, mit mehreren Stellen betroffen. In Spremberg war durch die Kürzung die Existenz des offenen Jugendtreffs und des Jugendclubs Erebos bedroht.